"Carmen" auf der Luisenburg
Liebe und Leidenschaft

"Carmen" ist eine der bekanntesten Opern überhaupt. Bild: Luisenburg Festspiele/Landesbühne Sachsen
Kultur BY
Bayern
22.08.2016
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Wenn es große unvergängliche Opern geben sollte, dann gehört "Carmen" von Georges Bizet auf jeden Fall dazu. So ist es nur verständlich, dass sich auch die Luisenburg-Festspiele dieses Werks annehmen.

Wunsiedel. Das Gastspiel der Landesbühnen Sachsen vor ausverkauften Rängen bringt einen besonderen Akzent in die Reihe der Aufführungen, denn Bizet hat sorgfältig die verschiedenen musikalischen Charaktere innerhalb des Handlungsverlaufs der Oper konzipiert.

Und die Sängerinnen und Sänger haben wie der Opernchor und die Tanz-Werkstatt der Landesbühnen Sachsen, die Mitglieder des Freien Opernchores Sachsen und des Kinderchores in der Inszenierung von Manuel Schöbel den federnden Schwung und die hinreißende Leidenschaftlichkeit im Agieren erfasst. Die Elbland Philharmonie Sachsen unter Leitung von Hans-Peter Preu musiziert ausgewogen und durchsichtig, drängt sich nie in den Vordergrund, wirkt aber stets als beste Unterstützung von Gesang und Handlung.

Diese beginnt auf dem Marktplatz in Sevilla. Die Zigaretten-Mädchen warten auf die Soldaten der Wachablösung. Micaela (Anna Erxleben) und Don José (Kay Frenzel) sind ein Paar und singen ein verliebtes Duett.

Tanz und Gesang


Auffällig ist Carmen (Patrizia Häusermann), die ihre Lebenssicht grandios kundtut, wenn sie die Habanera singt: "Die Liebe von Zigeunern stammt, fragt nach Rechten nicht, Gesetz und Macht". Sie setzt noch eins drauf, wenn sie die Seguidilla singt: "Ich zähl die Liebsten dutzendweise, keiner gefällt mir sicher." So wie die Sängerin das nicht nur singt, sondern tänzerisch darstellt, glaubt man es ihr sogar.

Wegen Streits mit einem anderen Mädchen soll sie von Don José ins Gefängnis gebracht werden. Deshalb betört sie ihn und flieht. Dafür wird er eingesperrt. Handlungsreich finden die Vorgänge auf der Bühne statt. Es wird nicht nur wegen des Gesangs nie langweilig.

Der 2. Akt spielt in einer Schmugglerschenke. Zigeunermädchen sitzen herum. Unter ihnen Carmen, die ein Zigeunerlied von sich gibt: "Was ist des Zigeuners höchste Lust?", singt sie und meint: "Wenn heimatliche Töne klingen. Der Freude geben sich alle hin." Don José ist entlassen worden, erfährt sie. Sie will zu ihm, trifft aber am Ausgang der Kneipe auf den gefeierten Stierkämpfer Escamillo (Paul Gukhoe Song). Er singt: "Auf in den Kampf, Torero!" Das beeindruckt sie. Dann trifft sie Don José und umgarnt ihn so sehr, dass er seinen Dienst als Soldat verlässt und zu den Schmugglern geht.

Der 3. Akt spielt auf einer Felsenhöhe, wozu die Bühne der Luisenburg wunderbar passt. Inzwischen ist Carmen Don Josés überdrüssig. Doch will er Carmen nicht loslassen: "Von dir mich trennen, Carmen? Sprichst du noch einmal solch ein Wort..." Drohend erklingt im Orchester das Todesmotiv. Escamillo kommt und erzählt lachend, dass er Carmen erobern wolle. Don José liefert sich mit ihm eine Messerstecherei. Seine Eifersucht wird immer schlimmer. Micaela sorgt sich in einer einfühlsamen Arie um ihn.

Großer Chor


Der 4. Akt spielt vor der Stierkampfarena. Carmen steht an der Seite von Escamillo. Ein großer Chor feiert das bevorstehende Ereignis. Dann ziehen sie in die Arena. Carmen bleibt allein zurück. Don José kommt und bedrängt sie, zu ihm zurückzukehren. Sie weigert sich: "Ich liebe dich nicht mehr." Gespenstisch zwischendrin die Torero-Arie aus der Arena. Er ersticht sie und lässt sich verhaften.

Für eine damalige Oper ein unüblich leiser Schluss. Wie modern ist "Carmen" heute noch? Immer wieder liest man von einem verschmähten Liebhaber, der seine Ex erst stalkt und dann umbringt, weil er meint, sie gehöre ihm. So wie die Oper inszeniert ist, bietet sie ein Beispiel für solches Verhalten. Das zeigt die gelungene Premiere ganz deutlich.
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