Das Deutsche Museum in München zeigt zum „Tag der Archive“ seine exklusiven Schätze
Zukunftsvisionen aus dem Dunkeln

Einen besonderen Schatz hält Wilhelm Füssl, Direktor des Archivs im Deutschen Museum in München in seinen Händen: Er zeigt eine Fotografie mit Alfred Hitchcock und Oskar Sala an einem Trautonium, während sie 1961 am Soundtrack für den Fim " "The Birds" ("Die Vögel") arbeiten. Bild: dpa
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Bayern
04.03.2016
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München. Georg von Reichenbach war in geheimer Mission unterwegs. Sein Ziel: Details über technische Neuerungen wie die Wattsche Dampfmaschine aus Großbritannien heim nach Bayern zu bringen. Freilich öffneten die Firmen auch im ausgehenden 18. Jahrhundert nicht einfach ihre Tore, um einen "Industriespion" hereinzulassen. "Wir wissen, dass er sich nächtens Zugang verschafft hat, indem er die Wache bestochen hat mit Whiskey und Tabak", berichtet Wilhelm Füßl, Leiter des Archivs im Deutschen Museum in München.

Maschinen ausspioniert


Was herauskam, war das laut Füßl weltweit erste "Spionagetagebuch". Es beinhaltet eine genaue Zeichnung der Dampfmaschine und zählt zu den Schätzen in den Archiven des Deutsches Museums. Dort liegen auch Dokumente aus Reichenbachs Nachlass, etwa seine Beschreibung der Tricks, mit denen er an das Wissen herankam. Offiziell sei seine Mission nicht gewesen, sagt Füßl. Aber ein Jahr später habe auch Bayern eine Dampfmaschine gebaut.

Das Haus, das zu den größten naturwissenschaftlich-technischen Museen der Welt zählt, verwahrt zentrale Nachlässe bedeutender Wissenschaftler und Forscher, Handschriften aus dem 13. Jahrhundert bis zu privaten Briefen Albert Einsteins. Zu den Beständen zählen allein 120 000 Pläne und technische Zeichnungen sowie rund 1,4 Millionen Fotografien. Zum "Tag der Archive" unter dem Motto "Mobilität im Wandel" am Samstag, 5. März, öffnet das Museum wie 300 weitere Archive in Deutschland die Pforten für Besucher. Im Deutschen Museum können diese eintauchen in die Zukunftsideen früher Visionäre. Bunt und sorglos zeichnete etwa Theo Lässig in den 1970er Jahren die Stadt der Zukunft: Ein fliegender Bus, autonom fahrende Autos, eine Art Transrapid in einer Röhre, der in der Realität ja nie zum Erfolgsmodell wurde. Schon Jahrzehnte vorher erdachten die Brüder Hans und Botho von Römer eine atomgetriebene Lok - und Hubschrauber für alle. Man habe damals geglaubt, dass sich sehr bald mehr Verkehr in der Luft abspielen würde, sagt Füßls Stellvertreter Matthias Röschner. In den orangefarbenen Schränken des Archivs lagern Tonkonserven des Komponisten Oskar Sala - der die Schreie der Vögel in Alfred Hitchcocks gleichnamigem Horrorfilm auf einem Trautonium einspielte. Bilder zeigen Sala neben Hitchcock. Das Deutsche Museum besitzt auch mehrere Exemplare eines Trautoniums - das manche als ein Vorläufer heutiger Synthesizer sehen.

Wertvolle Originale


Gewöhnlich ruhen die wertvollen Pläne, Dokumente und Handschriften bei etwa 16 Grad im Dunkeln. Bevor Röschner und Füßl die wertvollen Originale aus den Umschlägen nehmen, streifen sie weiße Handschuhe über, damit keine Fingerabdrücke auf die Stücke kommen. Die Original-Werkstattzeichnung von Otto Lilienthal für den "Normal-Segelapparat" hat so einen Abdruck - allerdings vom Zeichner selbst. Das Dokument mit den vom vielen Anpinnen ausgefransten Ecken stamme aus seiner Werkstatt. Der Fleck könnte, so Füßl, von Lilienthals ölverschmierten Fingern stammen - oder von seiner Wurstsemmel.

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Weitere Informationen:

www.tagderarchive.de www.deutsches-museum.de
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