"Das ist ein großer Jammer"

Er trat mit Weltstars wie Louis Armstrong, Duke Ellington und Ella Fitzgerald auf. Und 2009 auch mit Hugo Strasser im Amberger ACC. Jetzt ist Max Greger im Alter von 89 Jahren in München gestorben. Bild: Petra Hartl
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Bayern
17.08.2015
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Er hatte noch Anfang Juli ein Konzert in München gegeben. Kurz darauf kam Max Greger ins Krankenhaus, wo eine Krebserkrankung diagnostiziert wurde. In der Nacht zum Samstag ist er im Alter von 89 Jahren gestorben. Greger war einer der größten deutschen Big-Band-Leader.

Wenn Journalisten mit ihm vor Konzertauftritten telefonierten, pflegte Max Greger zunächst eine Frage zu stellen. "Von wo rufen Sie an?, wollte er wissen. "Aus der Oberpfalz", lautete in unserem Fall die Antwort. Dann kam postwendend: "Kenne ich. Schwandorf, Weiden, Amberg, Regensburg. Da waren wir immer wieder bei Bällen und Galaveranstaltungen." Das Orchester Max Greger war heiß begehrt, es musste schon lange im Voraus gebucht werden. Denn der Mann aus München und seine Solisten (allen voran Freddy Brock) galten als sichere Garanten für vollen Erfolg. Eintrittskarten wurden dann zur Rarität.

Tour durch Russland

Ein Vollblutmusiker über viele Jahrzehnte hinweg. Wenn er sich das Saxofon umhing, swingten die Hallen. Dabei hätte der in München geborene Max Greger eigentlich Metzger werden sollen. Doch dann schenkte ihm sein Großvater ein Akkordeon. Damit begann eine Karriere, die später zu gemeinsamen Auftritten mit Stars wie Louis Armstrong, Ella Fitzgerald, Lionel Hampton und Udo Jürgens führte. Mit Jürgens war Max Greger einst auf einer Tour in Russland unterwegs - als erste westliche Gruppe fünf Wochen lang, gab 36 ausverkaufte Konzerte: sein Durchbruch.

Max Greger konnte sich immer mit anderen messen. Amerika hatte Billy Vaughn und Ray Conniff, aus der Schweiz kam Hazy Osterwald, Deutschland schickte Leute wie James Last, Paul Kuhn, Hugo Strasser und den "Maxe" auf die Bühnen. Der Münchener war ein musikalisches Multitalent. Wenn er auftrat, stand fest: Da kam kein Akkord vom Band. Alles war handgemacht. Egal, ob er und seine Band bei Filmbällen im Bayerischen Hof oder draußen irgendwo in der Provinz spielten. Nicht selten bereiste er auch kleinere Städte mit Shows, in denen dann Peter Kraus, Ted Herold und Willy Hagara auftraten. Max Greger beherrschte alle Genres: Vom Rock'n'Roll über den Swing hin zu Walzer und Foxtrott.

Nur 23 Sekunden lang

Bis ins hohe Alter hinein war der Mann, der einst für US-Offiziere Musik machte und später rund 3000 Songs für Platte und CD produzierte, in Begleitung von Leuten wie Paul Kuhn und Hugo Strasser unterwegs. Mit dabei war meist auch Sohn Max Greger jun., der die Virtuosität vom Vater geerbt hatte. Wenn der Max dann mit Stücken wie "Tequila" und "Yakety" loslegte, tobte der Saal. Aber Greger bewies bei solchen Konzerten auch, dass er durchaus als Moderator hätte auftreten können. Denn er unterhielt das Publikum mit Anekdoten und Begebenheiten aus der Vergangenheit.

Mit seiner Musik prägte Greger das Fernsehen. Von 1963 an gab er über 16 Jahre hinweg den Ton bei ZDF-Shows an, war Schöpfer der Erkennungsmelodie des "Aktuellen Sportstudios". Obwohl nur 23 Sekunden lang, war dies - wie Max Greger nicht ohne Stolz vermerkte - "meine bekannteste Nummer."

Zu seinen Freunden zählten die Bandleader James Last und Ambros Seelos. Sie sind heuer gestorben. Nun hat sich der Vorhang auch für Max Greger geschlossen. Sein Wegbegleiter Hugo Strasser sagte am Sonntag: "Das ist ein großer Jammer. Aber es ist der Lauf der Zeit. Jetzt bin nur noch ich da von den drei Swing-Legenden. Paul Kuhn war der erste, jetzt der Max, der nächste bin ich." Nun will der 92-Jährige an Gregers Grab mit seiner Klarinette ein letztes Stück zum Abschied spielen.
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