"Der Bettelstudent" begeistert das Publikum der Festspiele Luisenburg"
"Beim Trinken, Essen fliehet der Verdruss"

Die Operettenbühne Wien nimmt sich bei den Festspielen Luisenburg einem besonderen Werk an - "Der Bettelstudent". Mit musikalischem Talent überzeugen die Akteure. Bild: Luisenburg-Festspiele/Operettenbühne Wien
Kultur BY
Bayern
13.08.2016
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"Der Bettelstudent" von Carl Millöcker ist seit seiner Erstaufführung 1882 ein zeitloser Bestseller im Operettensektor. Die Operettenbühne Wien inszeniert das Werk von Carl Millöcker nun bei den Festspielen Luisenburg - und überzeugt mit musikalischer Präzision.

Wunsiedel. Wie sehr Millöckers Wirkung auch heute noch anhält, ist am großen Besucheransturm auf die Premiere dieses Erfolgsstückes Festspiele auf der Luisenburg zu sehen. Noch dazu, wenn mit Orchester und Chor der Operettenbühne Wien ein Ensemble auf der Bühne steht, das in diesem Bereich einen hervorragenden Ruf genießt. Von der Qualität der Solisten ganz zu schweigen. Die Handlung ist märchenhaft und sowohl den damaligen Zeitumständen geschuldet als auch mit zeitlosen Aspekten durchsetzt.

Verdacht der Hochstapelei


Ein armer Student, der in den Verdacht der Hochstapelei gerät, sich dann doch als ehrenwert erweist - das wird eher zeitgemäß dargeboten. Zu allen Zeiten aber virulent ist die Kunst, jemanden, den man liebt, für sich zu gewinnen.

Dass dabei oftmals gerade Geld eine Rolle spielt - das trifft damals wie heute zu. Um Politik (zeitgebunden), Geld und Liebe (beides zeitlos) geht es jedenfalls in der Abfolge der Ereignisse, glanzvoll sprecherisch und vor allem musikalisch dargeboten von dem überzeugenden Gesamt-Ensemble. Das beginnt schon in der "Introduction", mit der das Orchester unter Leitung von Laszlo Gyükér die Zuschauer präzise auf das kommende Ereignis einstimmt. Dann treten die Chormitglieder in verschiedenen Kostümen auf, die Lucya Kerschbaumer passend entworfen hat, und eröffnen mit dem Lied "Beim Trinken, Essen fliehet der Verdruss" eine lockere Stimmung, die letztlich das Werk prägt.

Die vielfachen Bewegungen der Darsteller - zu denen die naturgegebenen Umstände dieser Waldbühne passen - hat Regisseur Heinz Hellberg geschickt mit den andauernden Abwechslungen der Handlung verknüpft. Adrian Boboc sorgt hier für das passende Bühnenbild.

Der Fortgang der Fabel ist jedenfalls ein Augen- und Ohrenschmaus und nie langweilig. Das liegt auch an den Personen, welche die Handlung verkörpern. Sowohl Palmatica Gräfin Nowalska (Judit Bellai) als auch ihre beiden Töchter Laura und Bronislawa (Lilla Galambos und Verena te Best) erfüllen die schauspielerischen und sängerischen Anforderungen an ihre Rollen exquisit - ebenso die Männer, die ihnen gegenüber stehen.

Ernst mit Funken Humor


Dabei sind Oberst Ollendorf (Viktor Schilowsky), Offizier Richthofen (Susane Hellberg) und vor allem Gefängniswärter Enterich (Urs Mühlenthaler) zwar ernsthaft, regen aber gerade deshalb immer wieder das Publikum zum Lachen an. Schließlich sind die beiden Studenten Symon und Jan (Thomas Markus und Stefan Reichmann) besonders hervorzuheben. Der erste gibt der Operette ihren Namen, der zweite ist sein Mitstreiter gegen Widrigkeiten, bis die Handlung schließlich nach etlichen Verwicklungen zum guten Ende gelangt.

So kann Symon am Ende der eindrucksvollen Inszenierung singen "Befreit das Land, geknüpft das Band" und meint damit, dass sowohl Politik als auch die Liebe einen erfolgreichen neuen Ausgangspunkt gefunden haben. Dieser Meinung ist auch das Publikum auch - und klatscht begeistert Beifall.
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