Derb und leidenschaftlich

Karin Rabhansl ist mit ihrer Band nach eigener Aussage eher rockig unterwegs. Ihr drittes Album "Anna" prägen vor allem autobiographische Züge. Bild: Nadine Lorenz
Kultur BY
Bayern
28.05.2015
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Warum singt Karin Rabhansl zwischen bayerischen Texten auch auf Hochdeutsch? "Das Bayerische ist recht derb, deshalb singe ich das meiste in meiner Heimatsprache", lacht die Niederbayerin. "Ich bin schon eine recht hemdsärmelige Person. Aber wenn es um einfühlsamere Inhalte geht, dann nur in elegantem Hochdeutsch." Jetzt erschien ihr drittes Album "Anna".

Karin Rabhansl wurde in der Nähe von Passau geboren und lebt seit rund vier Jahren in Nürnberg. Die aparte Blondine hat nach der Schule eine Banklehre hinter sich gebracht, "was Solides - vor allem für die Eltern", schmunzelt sie, danach hat sie drei Jahre lang die renommierte "Berufsfachschule für Musik" in Dinkelsbühl absolviert, "das war dann eine Sache, die ich in erster Linie für mich getan habe." Denn tatsächlich wollte die heute 28-Jährige seit ihrer Jugend Profi-Musikerin werden, "das ist meine Lebensaufgabe, dagegen möchte ich nicht ankämpfen, ich habe mit 17 meine ersten eigenen Lieder komponiert."

Wer ist "Anna"?

Gerade ist das dritte Album der bodenständigen, unverkrampften und dabei zur selben Zeit hochsensiblen Liedermacherin erschienen, "Anna" betitelt. Was hat es mit dieser mysteriösen "Anna" auf sich? "Das ist mein zweiter Vorname, was allerdings kaum jemand weiß, nicht mal die meisten Freunde", erklärt Rabhansl, "insofern passt es ganz gut zur Platte. Denn zum einen ist mir kein besserer Titel eingefallen. Zum anderen sind die Texte dieses Mal sehr intim und autobiographisch. Noch mehr als auf den beiden Vorgängern." Beziehungsgeschichten in erster Linie? "Ja, irgendwie schon", feixt die Niederbayerin und Wahl-Fränkin, die seit längerem in einer glücklichen Partnerschaft steckt, "wobei ich niemand bin, der Ex-Kerle vorführen möchte. Natürlich wissen alle, über die ich singe, dass sie gemeint sind. Aber die Öffentlichkeit geht so ein Privat-Kram nichts an. Für die Außenstehenden bin ich letztlich nur ein Vermittler von ganz allgemein existierenden Emotionen. Um diese Rolle geht es mir, wenn ich Verse schreibe."

Sich selbst sieht Rabhansl schlicht als "Gitarrenmädchen, das Popmusik macht". Was nicht ganz stimmt, denn tatsächlich ist die junge Frau ein Talent, das ähnlich wie Claudia Koreck auf der weiblichen oder Stefan Dettl auf der männlichen Seite die besondere Gabe besitzt, den Heimat-Gedanken mit transglobaler moderner Musik zu verbinden. "Stimmt schon", grübelt Rabhansl, "denn in der Tat liebe ich Liedermacher wie Reinhard Mey oder Konstantin Wecker, auf der anderen Seite sind Alternative-Ikonen wie P. J. Harvey oder Radiohead große Helden von mir. Und auch Deutschrock-Heroen wie Tomte, Element Of Crime oder Tocotronic sind mir nahe."

Prominente Partner

Apropos Stefan Dettl: Der LaBrass Banda-Sänger und -Trompeter steht seit langem auf den witzigen Rabhansl-Evergreen mit dem lässigen Titel "Mogst schmusn, mia wad's wurscht" vom gleichnamigen Rebhansl-Debütalbum. "Stefan wollte diese Nummer seit einiger Zeit unbedingt mit mir im Duett aufnehmen, samt Stimme und Trompete", freut sich die Künstlerin. "Also haben wir das eben gemacht. Ansonsten freue ich mich sehr, dass der tolle Pianist Martin Kälberer, der schon mit Koryphäen wie Haindling, Konstantin Wecker oder Wolfgang Ambros musiziert hat, unbedingt seinen Beitrag zu einem meiner Stücke beisteuern wollte. Ich habe ihn dreist gefragt, ob er etwas zu "Anna" beisteuern will. Er hat trocken "Ja" geantwortet."

Durch all diese entspannten Umstände bedingt entstand mit "Anna" ein federleichtes Werk, das aber immer wieder in die Seelen-Landschaften einer äußerst leidenschaftlichen, nachdenklichen jungen Frau blicken lässt. "Ich wirke gerne tough nach außen", zuckt Rebhansl mit den Schultern, "aber auf Dauer taugt mir diese coole Rolle auch nicht."

Ab sofort ist wieder in ihrem ganz großen Element - auf der Bühne, zusammen mit den drei Kumpanen in ihrer Band. "Wir sind ziemlich rockig unterwegs, wenn es live zur Sache geht", erzählt sie. "Und außerdem bin ich jedes Mal aufs Neue nervös, wenn ich raus ins Rampenlicht muss. Doch das ist gut so. Wenn ich aufgeregt bin, steht einem geilen Auftritt nichts mehr im Weg."

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Am Sonntag, 14. Juni, um 20 Uhr präsentiert Karin Rabhansl ihr neues Album im Salute-Club in Rothenstadt (Weingasse 5). Tickets gibt es unter 0961/4701033
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