"Dirty Dancing" in Nürnberg: heißer Tanz-Cocktail aus kubanischen Rhythmen
Dem Magic-Mambo-Fieber erliegen

Sinnliche Tänze und viel Körperkontakt: Anna-Louise Weihrauch und Mate Gyenei überzeugen in ihren Rollen als Frances "Baby" Houseman und Johnny Castle. Bild: gük
Kultur BY
Bayern
20.07.2015
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Zugegeben, seine Haare sind etwas dunkler und die Ohren weniger segelnd als beim großen Vorbild Patrick Swayze. Dafür passt sein ungarischer Akzent zu dem Feuer, das er tänzerisch entfacht. Und: Mate Gyenei wirbelt sein "Baby" mindestens genauso wild durch die Lüfte wie das Film-Pedant aus dem Jahre 1987. Auch die Neuauflage der 2004 erstmals konzipierten Bühnenshow von "Dirty Dancing" besitzt Suchtcharakter. Nach rund zweieinhalb Stunden gibt es in der Nürnberger Frankenhalle Standing Ovations und nur noch einen Wunsch: Dieser Abend möge ewig dauern.

Es ist schon verblüffend: "Dirty Dancing" zu produzieren, kostete nur fünf Millionen Dollar - eingespielt hat der Streifen rund 214 Millionen Dollar. Allein in Deutschland saßen acht Millionen Zuschauer in den Kino-Sesseln. Der Soundtrack verkaufte sich weltweit 44 Millionen Mal. Die Bühnenversion, die derzeit durch Deutschland, Österreich und die Schweiz tourt, scheint diese Erfolgsgeschichte fortzuschreiben. Letzte Station der Tournee ist Nürnberg. Auch hier zeigt sich, dass die berühmte Liebesgeschichte um die naive Teenagerin Frances "Baby" Houseman und den charismatischen Showtänzer Johnny Castle noch immer die Herzen berührt.

Fünf Gründe gibt es für die nicht enden wollende Leidenschaft: An erster Stelle steht natürlich das Ensemble, das sich immer wieder zu akrobatischen Höchstleistungen emporschraubt. Die Hauptdarsteller Anna-Louise Weihrauch (Frances) und Mate Gyenei warten mit einem explosivem Tanz-Cocktail aus Mambo, Merengue und kubanischen Rhythmen auf, bei dem es schwer fällt, in den Sitzen zu verharren. Zweitens wird das 28-köpfige Ensemble von einem Power-Sound angetrieben, den eine gut aufgelegte Live-Band über die Bühne wabern lässt.

Drittens verblüfft eine ausgefeilte Technik mit stetem Szenenwechsel. Trennwände verschieben sich, und eine Drehscheibe ermöglicht voyeuristische Einblicke in Johnnys Schlafzimmer, in dem so einige Mädchen ihre Unschuld verlieren. Viertens ist es die starke Orientierung am Original, die für Wiedererkennungs- und Mitsingmomente sorgt. Da man auf der Bühne aber 20 Minuten mehr Zeit als im Film hat, spendiert Regisseur Alex Balga der Show zusätzliche Titel und Szenen. So wird an einem Lagerfeuer zu Gitarrenklängen beispielsweise mit dem Song "This Is Your Land" für mehr Bürgerrechte von Farbigen demonstriert.

Neben tollen Kostümen und Video-Einblendungen, die für Atmosphäre sorgen, ist es für Viele die Dirty-Dancing-Botschaft, die sie in den Bann zieht: Jeder hat seine Fehler. Du musst den Anderen akzeptieren. Allein mit Liebe veränderst Du die Welt. Wem das alles zu banal ist, der schwelgt in Erinnerungen an damals, als wir auf der Tanzfläche dem Magic Mambo-Fieber erlagen und von der großen Liebe träumten. Die Show läuft noch bis 2. August.

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unterTelefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0
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