Donovan bei den Bluestagen in Roth
Der sanfte "Sunshine Superman"

Ein Song-Poet, der seit 50 Jahren nichts von seiner Faszination verloren hat: Donovan erfreute die Fans mit fast all seinen Hits. Bild: Gebhardt
Kultur BY
Bayern
14.04.2016
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Ein großes Wohnzimmer. Über 400 Leute sind gekommen. Auf der Bühne sitzt ein dunkelhaariger, schlanker Mann, dem man seine 70 Jahre nicht ansieht. Donovan ist da, und mit ihm sind die sechziger und siebziger Jahre zurückgekehrt. Eine echte Erholung.

Roth. Zum Abschluss der Rother Bluestage ist die Flower-Power-Zeit auferstanden, und stilgerecht sitzt der Mann mit der Akustikgitarre auf dem Boden, ohne Schuhe, aber mit Kissen. Und er singt.

Ab in die Märchenwelt


"Catch the wind" erklingt. Man sieht im deutlich angejahrten Publikum förmlich, wie die Erinnerungsbilder aufsteigen, von Partys, schummrigem Licht, Rauchschwaden, Zweisamkeit. Donovan hat die Sechziger geprägt wie kaum ein anderer Songwriter. "Colours" und "Universal Soldier" folgen, dann "Alamo". Protestlieder, Liebeslieder, Traumlieder. Der Schotte Donovan Leitch, Jahrgang 1946, hat damals den akustischen Folk perfektioniert, ausgebaut und weltweit bekannt gemacht. Er traf Jimi Hendrix auf der Isle of Wight, er meditierte mit den vier Beatles wochenlang in Indien, spielte mit Led-Zeppelin-Leuten und Jeff Beck. Die "Fairytales", die Märchenwelt, liebt er heute noch. Zwischen den Songs, wenn es mäuschenstill ist in der Halle, erzählt er von früher, als er die berühmten Songs schrieb, mit der Gitarre im Bett. Der "Little Tin Soldier", der kleine Zinnsoldat aus Hans Christian Andersens Märchen, kommt zum Zuge, herzerweichend interpretiert. Donovan schwärmt von der Dichtkunst, erzählt von der vierten Bewusstseinsebene in der Transzendentalen Meditation, weiß zu jedem Song eine Anekdote - gebanntes Lauschen, man hängt an seinen Lippen. Das Publikum himmelt ihn an, den sanften Sänger, der auf seinem Kissen so selbstverständlich sitzt wie vermutlich in seinem Wohnzimmer. Das Vibrato in der Stimme ist anfangs ein bisschen eingerostet, aber er hat ja auch schon 50 Jahre auf der Bühne hinter sich, der Komponist und Schauspieler im "Rattenfänger", der Vertoner des legendären Kinderbuches "Der Wind in den Weiden".

"Mellow Yellow" am Ende


Dann kommt die grüne Gitarre zum Zuge, Kelly genannt, und mit ihr weitere Höhepunkte: "Donna, Donna", der Hurdy Gurdy Man und vieles, bei dem das Publikum mitsingen darf. "Try for the sun", "Sunshine Superman" und als Höhepunkt "Atlantis". Der Saal ist begeistert, Donovan bedankt sich artig mit einer Zugabe. "Mellow Yellow" beendet einen ruhigen, aber gehaltvollen Abend.

Viele der Gäste haben schon sechs Jahrzehnte hinter sich, aber das tut der Begeisterung für den Sänger und Poeten keinen Abbruch. Er gibt brav Autogramme, auch auf das Bild von ihm und Jimi Hendrix, und eines ist sicher: Donovan lebt ewig weiter in den Herzen seiner Fans, seine Lieder sind immer noch unerreicht, und er ist der lebendige Beweis dafür, dass es auch leiser geht auf der Bühne. Kissen, Gitarre, Mikrofon, fertig. Schön, dass es so etwas noch gibt. Im Gegensatz zu Atlantis.
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