"Ein Hoch auf unsere Vorurteile"

Der Musik-Kabarettist Robert Alan hat den Hauptpreis des Kabarettwettbewerbs Scharfrichterbeil erhalten. Durch den Gewinn der mit 1000 Euro dotierten Auszeichnung trat der 29-Jährige am späten Mittwochabend in Passau in die Fußstapfen von Hape Kerkeling, Urban Priol und Luise Kinseher. Bilder: dpa
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Bayern
04.12.2015
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In seinen rotzfrechen Liedern bringt Robert Alan Erotik, Erwachsenwerden und Kapitalismuskritik in Einklang. Damit hat der 29-Jährige das Passauer Scharfrichterbeil 2015 gewonnen. Der Preisträger überzeugte die Jury und auch das Publikum.

"Jeder wird geboren für einen bestimmten Zweck, ich habe meinen noch nicht entdeckt" - mit Selbstironie und provokanten Liedern hat der Musikkabarettist Robert Alan das Scharfrichterbeil 2015 in Passau gewonnen. Damit tritt der 29-Jährige in die Fußstapfen von Kabarettgrößen wie Hape Kerkeling, Urban Priol und Luise Kinseher. Der aus Würzburg stammende Musikkabarettist, Jahrgang 1986, überzeugte am späten Mittwochabend die Jury aus Mitarbeitern des Scharfrichterhauses, Medienvertretern und Kabarettveranstaltern sowie das Publikum mit Ausschnitten aus seinem Bühnenprogramm "Die Robert-Alan-Show" durch seine frech-coole Bühnenpräsenz.

Mit Nieten-Lederkappe

In seinen Songs bringt Alan am Keyboard in Kontrast zu seinem unschuldig anmutenden Bühnenaccessoire, einem Porzellanhasen, rotzfrech und mit Nieten-Lederkappe auf dem Kopf Erotik, Erwachsenwerden und Kapitalismuskritik in Einklang. Das Publikum begeisterte er mit Songrefrains wie "Griechischer Wein, wird in Zukunft nicht mehr allzu teuer sein", "Ein kleines bisschen Restwürde wollte ich bewahren, doch dann musste ich mit meinen Eltern in den Urlaub fahren" und "Ein Hoch auf unsere Vorurteile".

Der ehemalige Rapper und jetzige "Comedy-Singer-Songwriter", so seine eigene Berufsbezeichnung, singt "über all die Dinge an die Du denkst, wenn Du mit mir schläfst" und wartet nach wie vor auf ein Comeback von Michael Jackson. Er schimpft mit Augenzwinkern und Selbstironie auf das anwesende "Kabarett-Pack" und gibt den "perfekten Lovesong" zum Besten: "Ich steh auf ihre Hamsterbacken". Virtuos lässt er das Publikum teilhaben an der Sinnsuche seiner Generation, die zwar "für eine Zombieapokalypse bestens gerüstet", nach dem Bachelor-Abschluss jedoch ratlos sei.

Das mittlere Scharfrichterbeil, der zweite Platz, ging in diesem Jahr an das österreichische Kabarettistinnenduo Flüsterzweieck, Ulrike Haidacher und Antonia Stabinger. Die beiden gebürtigen Steirerinnen bringen im Rahmen ihrer "Suche nach dem besten Mensch" per Typenkabarett mit enormer Bühnenpräsenz jene Charaktere auf die Bühne, die bei dieser Suche am besten abgeschnitten haben. Per Flöte mit Beethovens 5. Symphonie angekündigt, bringen sie die Protagonistinnen von Model-Castingshows auf die Bühne und begeisterten mit einer Heidi-Klum-Persiflage.

Kleines Beil für Wanninger

Die oberbayerische Kabarettistin Franziska Wanninger sicherte sich das kleine Beil mit Ausschnitten aus ihrem Programm "Ahoibe - Guad is guad gnua".Anders als vor zwei Jahren, als der Preisträger des großen Beils, der Musikkabarettist Friedemann Weise, Buhrufe erntete, war das Publikum heuer zufrieden mit der Juryentscheidung.
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