Eine Plattform für junge Künstler - Musikchef Christoph Lindemann über die Besonderheiten des ...
Das etwas andere Festival

Kultur BY
Bayern
24.11.2015
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Dieses Jahr ist das Dutzend voll: Bereits zum 12. Mal findet das von der Jugendwelle des Bayerischen Rundfunks organisierte "Puls-Festival" statt. Die "Puls"-Redaktion ermöglicht es Besuchern, die an jungen Musik-Acts interessiert sind, einmal im Jahr im Münchner "Funkhaus" einen Durchblick über die Szene in Form eines Festivals zu verschaffen. Dieses Jahr profitieren nicht nur die Oberbayern, auch die Franken können daran teilhaben.

So findet am Samstag, 28. November (19 Uhr) die einzigartige Musik-Party in München statt, einen Tag zuvor im Erlanger "E-Werk". Der Fokus richtet sich auf die junge Szene: Die Avantgarde-Popper von Schnipo Schranke sind mit an Bord, die Punkband Die Nerven, die HipHop-Band Antilopen Gang und etliche mehr. "Pop in Deutschland war noch nie so vielfältig, eigenständig und politisch wie 2015", erklärt "Puls"-Musikchef Christoph Lindemann. Der ehemalige Musikjournalist freut sich auf die Mega-Konzerte, wie er im Gespräch mit unserer Kulturredaktion erzählt.

Was war 2015 die Grundidee für die Initiierung des "Puls-Festivals"?

Christoph Lindemann: Es begann als kleines Festival der "Jugendwelle" des Bayerischen Rundfunks. Damals waren ausschließlich einheimische Bands dabei. Das hat sich aber schnell geändert und weiterentwickelt. Denn die Publikumsresonanz war von Beginn an enorm.

Sehen Sie "Puls" eher als Sprungbrett für junge Musiker oder inzwischen eher als Plattform für angesagte Künstler?

Lindemann: Was ich uns Organisatoren zu Gute halten kann: Wir hatten all die Jahre über ganz oft Künstler eingeladen, an deren Talent wir geglaubt haben. Als wir Leute wie Casper, Cro, TV On The Radio oder Claire engagierten, hatten die teilweise noch keinen Vertrag bei einem Label oder einen solchen gerade unterzeichnet. Bald darauf legten sie eine Mega-Karriere hin. Wir sind ein Team von circa zehn Leuten, die sich um die Auswahl kümmern. Offensichtlich haben wir ein gutes Gespür.

Welchen Stellenwert haben junge bayerische Künstler bei "Puls"?

Lindemann: Mit Quoten haben wir in dieser Angelegenheit früher keine so guten Erfahrungen gemacht. Aber 6 - 7 Bands, die explizit aus Bayern stammen, sind immer dabei. Sie sind ein entscheidender Bestandteil des Festivals. Schließlich sind wir vom "Bayerischen Rundfunk". Da ist es logisch, dass wir einheimischen Nachwuchs unterstützen. Wir haben ja auch das ganze Jahr Zeit, unsere Fühler nach tollen Künstlern auszustrecken. Wobei wir zwar regelmäßig in Clubs bei Konzerten unterwegs sind. Aber natürlich zahlt uns der BR, bei dem wir festangestellt sind, nicht nur dafür.

Warum gibt es "Puls" dieses Jahr zum ersten Mal nicht nur in München, sondern auch in Erlangen?

Lindemann: Da die Karten in Oberbayern seit jeher schnell ausverkauft sind, meist innerhalb von 48 Stunden, wollten wir heuer auch den Franken die Chance geben, ein besonderes Live-Event zu erleben. Die Atmosphäre im Erlanger "E-Werk" ist ähnlich speziell wie im "Funkhaus".

Was macht diese beiden Veranstaltungsorte so einzigartig?

Lindemann: Es passen knapp 2000 Menschen rein, das macht die Angelegenheit überschaubar. Es herrscht ein ungewöhnliches Flair. Das "Funkhaus" wurde ursprünglich erbaut, damit klassische Orchester dort proben oder Alben in hervorragender Akustik aufnehmen können. Das alles ist sehr würdevoll. Unsere jungen Künstler sind oft ergriffen, wenn sie das erste Mal die heiligen Hallen betreten. (lacht) Und dann kamen wir, um in diese ein wenig steife Atmosphäre den Krawall reinzubringen.

Worin sehen Sie das Erfolgsgeheimnis des "Puls-Festivals"?

Lindemann: Die Besucher - speziell das Stammpublikum - vertrauen auf unseren Geschmack. Sie wissen, dass sie einen Abend lang ein vielschichtiges Programm serviert bekommen. Sie zahlen Eintritt für ein Konzert, obwohl sie nicht selten wenigstens die Hälfte der Acts, die auftreten, nicht kennen. Das Publikum lässt sich diesem Abend im Jahr gerne überraschen. Und wurde und wird von uns hoffentlich nicht enttäuscht.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.br.de/puls.de
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