Energiegeladen und inspirierend

Japanische Trommelkunst in Vollendung demonstrierten die zehn Künstler am Montagabend vor ausverkauftem Haus auf der Luisenburg. Bild: stg
Kultur BY
Bayern
08.07.2015
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Beben auf der Luisenburg: "Yamato - The Drummers of Japan" bringen die älteste Freilichtbühne Deutschlands gewaltig ins Wanken.

In der Bibel sind es Trompeten, die die Stadtmauer von Jericho zum Einstürzen bringen. Am Montagabend waren es Trommeln, die den Felsen des Fichtelgebirges (beinahe) ein ähnliches Schicksal bereiteten: "Yamato - The Drummers of Japan" eröffneten die diesjährige Konzertreihe der Luisenburg-Festspiele.

Mit ihrem neuen Programm "Bakuon - Legend of the Heartbeat" sind die japanischen Trommler derzeit im deutschsprachigen Raum unterwegs: Erst jeweils eine Woche in Duisburg, München, Graz und Linz, jetzt auf der Luisenburg, und bald noch je eine Woche in Berlin, Köln und Hamburg. Die Fangemeinde des Ensembles ist mittlerweile riesengroß, das ist auch in Wunsiedel nicht anders: Es braucht nur einige Trommelschläge, um die Herzen der Besucher rund 100 Minuten schneller und höher schlagen zu lassen.

Pulsierende Schläge

Den Puls des Lebens bringen die Trommler auf die Bühne und zu den Besuchern - nicht nur über die Ohren, sondern auch vibrierend über die Haut. Die pulsierenden Schläge übertragen sich: bombastisch, energiegeladen, brachial, inspirierend. Die Taiko-Trommeln haben in Japan eine jahrhundertealte Tradition. Mehr als 35 Trommeln kommen auf der Luisenburg zum Einsatz - von der kleinen Shime-Daiko bis hin zur großen Odaiko mit einem Durchmesser von 1,70 Metern und einem Gewicht von 500 Kilogramm. Es ist aber nicht allein der Klang der Trommeln, der überzeugt: Es sind auch die zehn Akteure auf der Bühne, die ihre Rhythmen und ihre Musik - ja, man kann definitiv von Musik sprechen - mit viel Leidenschaft, konzentrierter Spielfreude und athletischer Akribie darbieten.

Die Klänge überwinden auch Sprachbarrieren: Es bedarf keiner Kommunikation, um die Zuschauer, die die einzelnen Abschnitte des Abends frenetisch beklatschen, zum Mitmachen zu ermuntern. Der Trommler gibt den Takt vor, das Publikum klatscht mit - alles wie aus einem Guss. Neben den Trommeln sind es auch Instrumente wie die japanische Flöte (Shinobue), das Saiteninstrument Shamisen oder das Koto, mit denen sich die Künstler in Szene setzen.

Auch die Komik kommt nicht zu kurz, als sich beispielsweise eine Musikerin mit einer kleinen bronzenen Zimbel (Chappa) gegen zwei männliche Musiker-Konkurrenten durchsetzt. Zu den faszinierendsten Momenten des Abends gerät das Spiel mit Klängen, die scheinbar wie Bälle eines Jongleurs in die Luft geschleudert und dann wieder aufgefangen werden.

Tosender Applaus

"Garakuta", "Rakuda" und sechs weitere Choreographien erzählen den Zuhörern von der Seele, die allen lebenden Dingen innewohnt, vom Wind, vom Himmel, dem Mond und der Sonne und davon, dass der Schlag der Trommeln wie ein Gebet ist. Dies alles kombiniert mit einer stimmigen, teils waghalsigen Choreographie und rhythmisch abgestimmten Lichteffekten sorgt für einen - im positiven Sinne des Wortes - "irren" Konzertabend. Mit tosendem Applaus werden die Trommler verabschiedet.
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