Eric Burdon (74) auf Sommertournee - Jubel in der Kulturfabrik in Roth
Die alte Röhre hat's noch drauf

Eric Burdon bewies bei den Rother Blues-Tagen, dass er es trotz fortgeschrittenen Alters immer noch drauf hat. Bild: Marianna Burdon
Kultur BY
Bayern
30.06.2015
15
0
Hinterm Seitenvorhang sitzt der Sanitäter in Bereitschaft. Seine Sauerstoffflasche kommt aber nicht zum Einsatz: Der Senior auf der Bühne meistert seinen Auftritt bravourös, ohne Probleme mit der Puste. Und Luft braucht Eric Burdon reichlich. Der 74-Jährige röhrt noch wie in alten Zeiten.

Die Sommertour 2015 führt den alten Haudegen mit den neuen "Animals" nach Roth in die Kulturfabrik, und das Publikum ist ihm über 50 Jahre treu geblieben: Vor einem halben Jahrhundert sang Burdon bei den Animals das berühmte "House of the rising sun", das ihn unsterblich machte in der Rockgeschichte. Und viele der Gäste hatten das wohl schon miterlebt - 60 plus eben.

Ein rundlicher Herr mit weißem Haar steht da auf der Bühne, das Peace-Zeichen auf dem weiten T-Shirt. Die bequeme Jogginghose hat schon lange die Lederröhrenjeans von einst ersetzt. Burdon bewegt sich langsam, aber sicher, ganz ein Performer der alten Schule, der den Saal im Griff hat und locker plaudert.

Mit "Don't let me be misunderstood", "San Francisco Nights", "We gotta get out of this place" bis "River is rising" und "When I was young" kommen die Songs, die die Fans hören wollen, auch die neuen wie "Water" fügen sich nahtlos ein.

Red Young an den Keyboards, Terry Wilson, Bass, und Billy Watts, Gitarre, liefern solide Arbeit und unterstützen mit Background-Gesang, Tony Braunagel spielt routiniert seine Drums, Wally Ingram in seinem Percussion-Park geht akustisch leider ein bisschen unter.

Der Altmeister am Mikrofon weiß sich zu verkaufen. Seine Stimme ist noch machtvoll, hat Druck und Präsenz. Natürlich trifft man mit 74 nicht mehr alle Töne so exakt, natürlich muss der Profi bei den Höhen ein bisschen tricksen. Aber das fällt kaum auf. Eric Burdon ist nach wie vor ein Bühnenerlebnis, er schont sich nicht. Respekt.

"I am the animal!", hatte er beim Einzug verkündet, beim Auszug nach der zweiten Zugabe mit purem Rock'n'Roll wissen die Besucher: Der alte Löwe kann noch brüllen, er hat genug Luft für eineinhalb volle Stunden am Stück. Und mehr will man ja gar nicht.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.