Ernst-Siemens-Musikpreis geht an dänischen Komponisten Per Nørgård
Verwirrend mehrdeutig

Stiftungsratsvorsitzender Michael Krüger (links) überreicht die Urkunde und den Ernst-Siemens-Musikpreis an den dänischen Komponisten Per Nørgård. Bild: Ernst von Siemens Musikstiftung/Stefanie Loos
Kultur BY
Bayern
06.05.2016
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München. Bei einem Festakt am Montag im Prinzregententheater ist dem dänischen Komponisten Per Nørgård der Musikpreis der Ernst von Siemens Stiftung verliehen worden - eine der bedeutendsten Auszeichnungen in der Musikwelt. Damit würdigt die Stiftung das Lebenswerk des Dänen.

Nicht einzuordnen


Seine Ansprache ist kurz und prägnant und zeugte von seinem hellwachen Geist, wenn auch das Gehen etwas schwer fällt. Dass Per Nørgård, geboren 1932, als Musiker und Komponist in kein Schema passt, schilderte Anders Beyer in seiner Laudatio.

Der Intendant des Internationalen Bergen-Festivals erzählte von dem künstlerischen Credo Per Nørgårds schon als Teenager, "... dass darauf hinauslief, so viele wie möglich größtmöglich zu verwirren."

Die Mehrdeutigkeit sei künstlerisches Prinzip. Beyer stellte den Willen des Künstlers zum Experimenten. "Man findet keine Safety-First-Lösungen, keinen Protz, keine Effekthascherei. "In einer Zeit, da der Mainstream zur Norm und der Kassenerfolg zum Maßstab für Qualität geworden ist, stellt sich Nørgård der Vereinheitlichung und Verflachung entgegen."

Nørgård sei als 14-Jähriger durch einen Traum darin bestärkt worden, Komponist zu werden und habe sich in diesem Metier stets auf ungesichertem Terrain bewegt, sagte Beyer - "... auf wechselndem Terrain, aber immer ungesichert." "Sobald er einen stilistische Plattform ausgebaut hat, bricht er mit dem gerade mit dem Gefestigten, um neuen Boden zu gewinnen."

Dies sei genau ein Teil der Mehrdeutigkeit und Verwirrung seiner Musik. Stiftungsrats-Vorsitzender Michael Krüger würdigte Per Nørgård zu Beginn der Feierstunde als "wunderbaren Menschen und Musiker". Ihm sei es zu verdanken, dass in Dänemark die Musikerziehung in Grundgesetz verankert ist. "Vielleicht gelingt es auch unsere Verfassung in diese Richtung zu erweitern", sagte Krüger unter dem Beifall des Publikums.

Angeschlagen


Der Ehrengast war wegen seiner angeschlagenen Gesundheit erst zur eigentlichen Verleihung des Preises im zweiten Teil des Abends zum Festakt gekommen. Zuvor verlieh Thomas von Angyan, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung, die Komponistenförderpreise an Milica Djordjevic, David Hrudry und Gordon Kampe. Das "ensemble recherche" hatte den Festakt mit Stücken der Preisträger musikalisch gestaltet.
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