Ernst von Siemens Stiftung verleiht Christoph Eschenbach die mit 250 000 Euro dotierte ...
Musik im Dienste des Lebens

Dirigent und Preisträger Christoph Eschenbach (rechts), im Bild mit dem Preisträger eines Komponisten-Förderpreises Christian Mason stehen, wurde mit dem Ernst von Siemens Musikpreis 2015 ausgezeichnet. Bild: Steffi Loos/Ernst von Siemens Musikstiftung
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Bayern
02.06.2015
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Als "Tüpfelchen auf dem i für jeden Schaffenden" hat Christoph Eschenbach den Ernst von Siemens (EvS) Musikpreis bezeichnet. Jetzt ist dem weltweit engagierten Künstler die in der Klassik-Szene begehrte Auszeichnung verliehen worden. Der Klang sei Lebenselixier gewesen für Christoph Eschenbach, erklärte Michael Krüger. Der Stiftungsratsvorsitzende und Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, überreichte die mit 250 000 Euro dotierte Auszeichnung am Sonntag bei einem musikalischen Festakt im Herkulessaal der Residenz München an den Pianisten, Dirigenten und Mentor. Drei jungen Nachwuchs-Komponisten - Mark Barden, Birke J. Bertelsmeier und Christian Mason - sind Förderpreise verliehen worden.

Drei Förderpreise

Die Bamberger Symphoniker spielten unter der Leitung von Christoph Eschenbach - zunächst moderne Musik der Förderpreisträger und zuletzt das Konzert für Orchester von Béla Bartók. Mit den Bambergern verbindet Eschenbach eine besondere Beziehung, die vor fast 50 Jahren ihren Anfang nahm. 1965 konzertierte Eschenbach als Pianist erstmals mit dem Orchester, sein Einstand als Dirigent folgte 1977.

Den musikalischen Werdegang des 75-jährigen Dirigenten zeichnete Peter Ruzicka in seiner Laudatio nach. "Mit der Verleihung des Ernst von Siemens Musikpreises an Christoph Eschenbach setzt die Stiftung ein Zeichen", erklärte das Kuratoriumsmitglied, mit dem Eschenbach eine langjährige Freundschaft verbindet. Indirekt ging Ruzicka, Professor an der Hochschule für Musik in Hamburg sowie Komponist und Intendant, auch auf die Diskussion um einen neuen Konzertsaal in München ein, als er Eschenbachs Arbeit mit Orchestern in der Alten und der Neuen Welt würdigte. Der Chef des Orchestre de Paris habe sich mit Vehemenz für einen neuen Konzertsaal eingesetzt. "Dieser Konzertsaal ist mittlerweile gebaut und eröffnet."

Einstiger Flüchtling

"Mit Christoph Eschenbach zeichnen wir einen einstigen Flüchtling aus", sagte Peter Ruzicka in seiner Lobrede weiter. "Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der in Breslau Geborene als Waisenkind in ein Flüchtlingslager, das von einem Typhusausbruch heimgesucht wurde - und das er als einziger überlebte." Eschenbach sei nach den traumatischen Ereignissen zunächst völlig verstummt und dann durch die Musik ins Leben zurückkehrt.

Zukunft verteidigen

Der Dirigent, Pianist und Mentor setze mit seiner Vita ein Hoffnungszeichen, sagte Ruzicka und zog dabei Parallelen zu den aktuellen grauenhaften Ereignissen: Hinter jedem der anonymen Schicksale, die in den Flüchtlingsstatistiken verschwinden, " ... verbirgt sich ein Versprechen auf die Zukunft." Es sei gesellschaftliche Aufgabe und Schuldigkeit, diese Zukunft zu verteidigen.

Auch Christoph Eschenbach unterstrich in seinen Dankesworten die Bedeutung der Musik als Lebensretter. "Ich bin dankbar, ganz in ihrem Dienst zu stehen.". Seine Mission des Musizierens schilderte der Künstler mit dem Kafka-Zitat über die Wirkung eines Buches. Es müsse " ... Axt sein für das gefrorene Meer in uns." Dies sei auch auf die Musik übertragbar. "Wir Musiker müssen versuchen, die Menschen aus dem Gefängnis ihrer selbst zu erlösen." (Hintergrund)
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