Feste Einheit zwischen Natur und Kultur im Nationalpark Bayerischer Wald
Zwischen bayerischem "Klondike" und Glasarche

Im Nationalpark Bayerischer Wald gibt es ein über 500 Kilometer umfassendes Wegenetz zu entdecken.
Kultur BY
Bayern
14.10.2016
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Die "Glasarche" ist das wohl bekannteste und auffälligste Beispiel dafür, wie im Nationalpark Bayerischer Wald Natur und Kunst eine symbiotische Einheit bilden. Bilder: Stiegler (7)
 
Noch geht es gemächlich dahin, aber am Horizont ist schon die steile "Himmelsleiter" zum Lusen zu erkennen.

So ein richtiger Batzen Gold - das wäre schon etwas. Zumindest eine schöne Erinnerung an den Bayerischen Wald. Allerdings: Zu euphorisch sollte man auch nicht nach St. Oswald-Riedlhütte (Landkreis Freyung-Grafenau) fahren, um dort beim Goldwaschen fündig zu werden.

Früher, vor vielen Jahrhunderten, so erzählt es Nationalpark-Waldführerin Kveta Liebl, hätten hier Goldwäscher - mit einer Handschlüssel ausgestattet - viele Tonnen Bachsand auf der Suche nach dem begehrten Edelmetall gesiebt. "Wie groß die Nuggets wirklich waren, kann man heute nicht sagen. Da gibt es schon auch viele Legenden", berichtet sie.

Mit viel Gefühl


Heute gibt es auch noch einen Goldwaschplatz - und auf den Weg dorthin erzählt Liebl viel über das bayerische "Klondike" und die typischen Seifenhügeln. Das Goldwaschen sei eine ganz besondere Kunst: "Dazu braucht man viel Gefühl!" Der Hobby-Goldwäscher wird mit einer schwarzen Kunststoff-Schüssel ausgestattet, damit er im Erfolgsfall das feinkörnige Gold auf dem schwarzen Untergrund gut erkennt. Denn: Das Gold im Bayerischen Wald ist meist nur 0,1 bis 1 Millimeter groß und kann deshalb leicht übersehen werden.

Aus diesem Grund wird auch eher von "Goldflinserl" als von Nuggets gesprochen. Viel wahrscheinlicher ist es eh, dass in dem Schwermetallkonzentrat in der Waschschüssel andere Stoffe entdeckt werden wie Granat oder "Katzengold" (Pyrit). Einen Trost gibt es allerdings für den erfolglosen Wäscher - nach einem Schluck vom hochprozentigen "Riedlhütter Goldwasser" sieht die Welt schon wieder anders aus.

Von Riedlhütte aus gelangt man mit dem Auto oder dem "Igelbus" in kurzer Zeit zum Forsthaus Waldhausreibe, idealer Ausgangspunkt für eine - je nach Tempo - etwa einstündige Wanderung auf dem "Sommerweg" zum Lusen-Gipfel hinauf. Der Lusen zählt mit seinen 1373 Metern zu den höchsten Erhebungen nicht nur im Nationalpark, sondern im gesamten Bayerischen Wald. Das Geotop "Blockmeer am Lusen" ist eine der eindrucksvollsten Felsbildungen im Nationalpark. Am Gipfel des Lusen türmen sich auf mehr als 200 000 Quadratmetern große Granitblöcke wild übereinander. Bevor allerdings der Gipfel erreicht wird, warten auf den Wanderer zwei Besonderheiten - die eine optischer, die andere konditioneller Natur.

Nach einem Drittel der Wegstrecke bleibt man doch etwas überrascht und verwundert stehen: Befindet sich dort doch ein grün schimmerndes, fünf Meter langes Schiff. Es besteht aus 480 miteinander verbundenen Glasscheiben und wird von einer Hand aus Eichenholz gehalten - es ist die so genannte "Glasarche". Das Ergebnis eines grenzüberschreitenden Kunstprojektes lädt ein zum Innehalten und regt an zum Nachdenken. Es soll auch, so die Erbauer, ein Zeichen für Frieden und Toleranz sein. Die Glaskünstler Ronald Fischer und Hubert Stern haben in Zusammenarbeit mit anderen Glaskünstlern aus der Region die Glasarche konzipiert und entworfen. Die hölzerne Hand, von der die Glasarche getragen wird, wurde von den beiden Holzbildhauern Tomas Indra und Libor Kus'das aus Tschechien gefertigt. Die konditionelle Herausforderung mag für den Wanderer nach einer bis dorthin doch relativ gemütlichen Strecke etwas überraschend kommen. Man steht vor der "Himmelsleiter", einer äußerst steil ansteigenden Steintreppe aus Granit mit über 400 Stufen. Tief durchatmen ist angesagt, doch es lohnt sich, die Treppe zu meistern - denn bei schönem Wetter warten atemberaubende Ausblicke vom Lusen aus. Als Rückweg geht es nach einer Rast im Lusenschutzhaus entweder dieselbe Strecke zurück oder man nimmt den "Winterweg", der ebenfalls zur Waldhausreibe führt.

Ein Künstlerdorf


Wer nach viel Natur auch noch für Kultur offen ist, dem empfiehlt sich ein Stopp in Waldhäuser, dem höchstgelegenen Dorf im Bayerischen Wald. Die Ortschaft liegt auf dem Weg zwischen Riedlhütte und dem Parkplatz am Fuße des Lusen. Bekannt geworden ist Waldhäuser als Künstlerdorf, untrennbar verbunden mit drei Künstlern: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war dies der Maler Reinhold Koeppel ("Maler des Waldes"), der maßgeblich die Entwicklung des Bergdorfes mitgeprägt hat.

Im Jahr 1940 kam der Maler und Bildhauer Heinz Theuerjahr auf seinen Wanderjahren nach Waldhäuser. Er blieb hier, baute sich sein Haus und Atelier, heiratete eine Einheimische aus dem Bergdorf. Heinz Theuerjahr beschäftigte sich fast ausschließlich mit Tieren - was sich in einem beeindruckenden Skulpturenpark mit über 20 Plastiken nachempfinden lässt. Von der Antilope über die Hyäne und den Elefanten bis hin zum Löwen und zum Gorilla kann der Besucher viele Eindrücke aufnehmen, die der 1991 verstorbene Theuerjahr während seiner insgesamt 14 Afrikareisen gesammelt hat.

Und heute? Direkt in der Nachbarschaft von Theuerjahrs Atelier lebt und wirkt der Kunstmaler Hajo Blach seit fast 45 Jahren. Seine Bilder erzählen von den sanften Hügeln des großen Waldes, bevorzugt in blauer Farbe. Aber auch die Provence hat es ihm landschaftlich angetan, dann allerdings ganz in Gelb. Gelegentlich finden sich auch Porträts in seinem Atelier. "Menschen brauchen Landschaften im Gesicht - dann male ich sie", erzählt er beim Atelierbesuch. Ein Atelier, das wirklich so aussieht, wie man es sich gemeinhin vorstellt, ein Atelier, in dem die Kunst leben darf. Und ein Atelier, das Blach gerne für Besucher öffnet: "Wenn es klopft und es passt, dann dürfen Besucher auch herein", verspricht der Künstler.

ServiceDer Nationalpark Bayerischer Wald wurde 1970 gegründet und ist damit der älteste Nationalpark Deutschlands. Er umfasst eine Fläche von 243 Quadratkilometern, davon liegen knapp 60 Prozent in der sogenannten "Kernzone", in der die natürliche Dynamik zugelassen und nicht eingegriffen wird. Zu finden sind im Nationalpark über 500 Kilometer markierte Wege, 99 Prozent der Fläche sind Wälder und ein Prozent offene Hochmoore und Schachten.

Der "Ur"-Nationalpark liegt im Landkreis Freyung-Grafenau, 1997 wurde er um einen Teil im Landkreis Regen erweitert. In Deutschland gibt es aktuell 16 Nationalparks, in Bayern neben dem Bayerischen Wald noch den Nationalpark Berchtesgaden (gegründet 1978).

Erste Adresse für Informationen ist das Nationalparkzentrum Lusen (Hans-Eisenmann-Haus) in Neuschönau (Böhmstraße 35, Telefon 08558/9615-0).

Weitere Informationen:

www.nationalpark-bayerischer-wald.de www.nationalpark-ferienland-bayerischer-wald.de www.freyung-grafenau.de


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Gewürzt ist das Ganze mit Krimi-Texten, Auszügen aus Romanen, Kurzgeschichten und vielen weiteren spannenden Infos zu Krimis und Thrillern aus der Region. Auch enthalten sind jede Menge Infos zur Gegend, den Orten, Menschen und Sehenswürdigkeiten. Interviews kann man lesen zu Themen wie Wandern mit Hund, zur Zecken-Gefahr oder mit Vertretern der Verwaltung Nationalpark Bayerischer Wald enthalten. Zu jeder Tour gibt es auch den passenden Kartenausschnitt sowie alle relevanten Infos zur Tour.

Frimberger und Wandtner garantieren, dass sie sämtliche Routen selbst gegangen sind, zum Teil auch in Begleitung von Waldführern und Nationalpark-Rangern. Ziele der Touren sind natürlich der Rachel, der Lusen und der Brotjacklriegel, aber beispielsweise auch der Kaitersberg, die Osser-Gipfel und der Arber.

Das Buch kostet 14,95 Euro, ist im Buchhandel erhältlich (ISBN: 978-3-94392614-9) oder beim Verlag unter www.golbet.de.
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