Filmstart für Hape Kerkelings Bestseller
"Ich bin dann mal weg" kommt ins Kino

Vor allem zwei Dinge überzeugen im Film "Ich bin dann mal weg": Die Landschaftsaufnahmen und Devid Striesow als Hape Kerkeling. Bild: Warner Bros. Pictures/dpa
Kultur BY
Bayern
23.12.2015
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Wenn ein Buch wie Hape Kerkelings "Ich bin dann mal weg" so einen Megaerfolg hat, dann ist eine Verfilmung meist zwangsläufig. Der Streifen, der nun ins Kino kommt, lebt vor allem vom grandiosen Hauptdarsteller.

München. Denn Devid Striesow ("Der Untergang", "Die Fälscher") sieht Kerkeling nicht nur gespenstisch ähnlich, sondern schafft es auch Mimik, Gestik und Stimmlage des Entertainers authentisch auf die Leinwand zu bringen. So sehr, dass Kerkeling nach einer Vorführung verriet: "Ich fühlte mich ertappt. So wie Devid mich darstellt, bin ich tatsächlich."

Nachdem er den ersten Off-Text von Striesow gehört habe, sei der Entertainer völlig irritiert gewesen: "Weil ich dachte: Wieso packen die meine Stimme auf das Bild? Und wann und wo bitte habe ich diesen Text eigentlich aufgenommen?" Beim Dreh auf dem Jakobsweg ist der Schauspieler laut Regisseurin Julia von Heinz immer wieder angesprochen worden: "Die Leute dachten, Devid wäre der echte Hape Kerkeling."

Unnötige Sentimentalität


Der Plot ist schnell erzählt: Nachdem Hape Kerkeling auf der Bühne zusammenbricht, rät ihm ein Arzt, dringend auszuspannen. Also beschließt Hape auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela zu wandern - ein Komiker auf einer 782 Kilometer langen Glaubensreise. Die Strapazen will sich Kerkeling nicht immer antun, und fährt teilweise per Anhalter oder per Bus weiter.

Auf seiner Reise lernt er die zurückhaltende Stella (Martina Gedeck) und die Journalistin Lena (Karoline Schuch) kennen. Sie verkörpern die Eigenschaften der insgesamt vier Frauen, denen Hape im Buch begegnet. Und das tut dem Film eindeutig nicht gut. Denn Stellas und Lenas Geschichte wird immer nur angedeutet, nie zu Ende erzählt. Schicksalsschläge werden offenkundig und unnötigerweise in die Handlung eingeflochten. Die zwei Frauen sollen offensichtlich Sentimentalität in den Film bringen.

Das gelingt nicht, weil es den Figuren an Tiefe fehlt, und ist vor allem deshalb Schade, weil es doch einige faszinierende Szenen gibt. Szenen, in denen Kerkeling-Darsteller Striesow einen unvergleichlichen Mix aus Humor und Melancholie schafft. Etwa wenn er sich statt eines luxuriösen Hotels doch für eine recht schäbige Herberge entscheidet. Nur um festzustellen, dass es nicht das Richtige ist.

Als Kerkeling sich deshalb mitten in der Nacht entschließt, eine bequemere Unterkunft aufzusuchen, stellt er fest, dass die Herberge durch ein Gittertor und eine Kette verschlossen ist. Sehnsüchtig blickt Hape auf die andere Straßenseite - dort erstrahlt in hellen Lettern "Hotel". Eigentlich eine recht banale Szene, aber dargestellt von Striesow unglaublich witzig und traurig zugleich.

Gute Filmmusik


Hätten sich die Filmemacher noch mehr auf solche Momente oder auf die sehenswerten Rückblenden konzentriert, hätte es dem Streifen gutgetan. Was man "Ich bin dann mal weg" dafür hoch anrechnen muss: Die Kamera fängt herrliche Bilder ein, was wohl auch damit zusammenhängt, dass etwa 70 Prozent der Aufnahmen an Originalschauplätzen entstanden sind. Auch die Filmmusik ist besonders gelungen. Der Film ist letztendlich sehenswert, bleibt in vielen Belangen allerdings nur Stückwerk und verschenkt einiges an Potenzial.

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Regie: Julia von Heinz - Mit Devid Striesow, Martina Gedeck, Karoline Schuch, Annette Frier- Musik: Alex Geringas, Joachim Schlüter - 92 Minuten - ohne Altersbeschränkung - Im Internet: www.film.info/ichbindannmalweg
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