Folksänger Art Garfunkel meldet sich mit einem stimmungsvollen Konzert in der Münchener ...
Flüsterleise Klänge der Stille

Vor fünf Jahren war das Duo noch vereint: Art Garfunkel (links) mit Paul Simon bei einem Konzert 2009 in Sydney. Vermeintliche Unstimmigkeiten und Trennungsgründe tut Garfunkel als Erfindungen der Presse ab. Bilder: dpa
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Bayern
20.03.2015
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Art Garfunkel nimmt Schleichwege. Er kürzt ab. Er umkurvt die steinigen Passagen, glättet sie. Und gelangt am Ende des Weges elegant ans Ziel. Die Stimme von Simon & Garfunkel ist leiser geworden. Die punktuell gesetzte Schärfe und Stimmgewalt sind aus den Song-Klassikern wie "The Boxer" verschwunden. Doch gerade dieser Titel beschreibt das Phänomen dieses Ausnahmekünstlers.

Er musste kämpfen, als er vor vier Jahren seine Stimme verlor. Der Sänger spricht offen über seine Stimmbandprobleme. Mit der gleichen Energie, die die fragil wirkende Folkrock-Legende am Dienstag auf der Bühne der Muffathalle ausstrahlt, hat er sie sich wieder zurückgeholt. Etwas heiserer, kehliger klingt sie zwar - und bei hohen Passagen mit sichtlicher Einschränkung - , aber doch mit der unverwechselbaren Klangfarbe und Melodieführung mit jenen, den Fans so sehr vertrauten Nuancen.

Geradlinig einfach

Weit entfernt davon, ein reiner Nostalgie-Abend für die mit ihm älter gewordenen Fans zu sein, beeindruckt der 73-jährige Barde auf einem Barhocker sitzend mit dahinschmelzenden Versionen der berühmten Balladen. Garfunkel geht auf Solopfaden den Schritt zur geradlinigen Einfachheit. Statt überpowernde Arrangements, die in der zeitgenössischen Bearbeitung von Klassikern oft das Mittel der Wahl sind, bereitet hier nur Tab Lavens virtuose Gitarre den fast schörkellosen simplen Weg, den Garfunkel leise, eindringlich und gefühlvoll entlangwandert. Zurück in der Zeit, nach Europa, als der junge Songwriter auf der Straße um die Chance auf etwas zu essen spielte. Mit Kathy, die er in "Kathy's Song" verewigte. Oder in die Küche seiner Studentenbude, in die ein aufgeregter Paul Simon kam, um dem Architekturstudenten das frisch komponierte "Sound of Silence" vorzuspielen. Vor einem halben Jahrhundert.

Wie vor 50 Jahren

Bei diesen beiden Titeln, die ihm spürbar besonders viel bedeuten, fallen die Jahre von ihm ab. Hier ändert sich der Takt, die Gitarre Lavens wird fordernder, der treibende Rhythmus pusht Garfunkel zu einer mitreißenden Performance. Wie eh und je steht der Sänger da, eine Hand in der Hosentasche, mit dem unbestimmten Blick und der lässigen Gestik, die ihn seit den frühen 60er Jahren zum Gesicht eines der berühmtesten Duos der Musikgeschichte machte.

Es ist dieser Mythos, der den New Yorker umgibt und der auch den Liedzeilen Zeitlosigkeit verleiht. Für das atmosphärische Konzert - dem ersten seit langer Zeit in Deutschland - wählt er aus den Simon & Garfunkel-Hits und den eigenen zwölf Alben diejenigen Songs aus, die von Liebe, Verlust und tiefen Gefühlen handeln. Wie "Scarborough Fair", "Perfect Moment", seinen kommerziell erfolgreichsten Solo-Titel "Bright Eyes" oder Randy Newmans "Real Emotional Girl". Vorgelesene Texte mit Tiefgang und selbstironischem Humor über die Gesangs-Anfänge als Fünfjähriger in der Synagoge oder sein prägender Filmdreh mit Jack Nicholson lockern den Abend auf.

Doch eines schwebt die ganze Zeit im Raum. Die unvermeidliche Frage nach seinem Verhältnis zu Paul Simon. Als er über die für ihn bedeutendsten Songschreiber spricht, deutet er scherzhaft bei dessen Namen zur Bühnenseite. Paul Simon kommt natürlich nicht herein, aber ist dennoch allgegenwärtig. In der Musik und den Geschichten. Für das Publikum, aber auch für Garfunkel selbst.

Beim bewegenden "Homeward Bound" singt er in der Zeile "Tonight I'll sing my songs again" fast unmerklich statt "my" "his". Nicht "meine" Songs, sondern "seine". "Paul Simon hat mein Leben bereichert", sagt der Sänger schlicht. Art Garfunkel das mehrerer Generationen von Musikfans ebenso. Nach einem außergewöhnlich berührenden Konzert, in dem er seine - und "seine" - persönlichsten Lieder sang, wird den Zuhörern bewusst, wie sehr.
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