Fulminanter Tournee-Auftakt von Robert Cray in Roth
Tief im Blues auf höchtem Niveau

Einer der Gitarren-Giganten gab sich die Ehre: Robert Cray begeistert seine Fans in der Kulturfabrik. Bild: Gebhardt
Kultur BY
Bayern
13.10.2016
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Er spielte mit Eric Clapton, B.B. King und John Lee Hooker, er ist aufgenommen in die Ruhmeshalle des Blues, und jetzt stand er in Roth auf der Bühne: Robert Cray, Gitarrist und Sänger, startete seine Deutschland-Tournee in Mittelfranken.

Von Joachim Gebhardt

Roth. Da hatte die Kulturfabrik wieder einen Glücksgriff getan: Der 63-jährige Amerikaner ist eine feste Größe in der Welt des Blues, einer der größten Gitarristen seiner Generation, und ihn spielen und singen zu hören ist ein Erlebnis.

Barfüßiger Rasta-Mann


Unaufgeregt, barfuß in Sandalen, steht er auf der Bühne. Sein Aktionsradius beträgt sicher nicht mehr als einen Quadratmeter, denn die Show ist seine Sache nicht. Nur am Gesichtsausdruck und an der Körperspannung lässt sich ermessen, wie tief er eintaucht in den Blues. Wenn ihm sein Roadie die hellblaue Stratocaster reicht, genügt ein kurzer Blick zum barfüßigen Rasta-Mann Richard Cousins am Bass, und auch der singende Schlagzeuger Les Falconer und der kraftvolle Keyboarder Dover Weinberg machen ihre Sache perfekt. Meist minimalistisch läuft die Begleitung, vor allem niemals zu laut und immer auf den Punkt, so wie der Meister das will.

Riesiges Repertoire


Denn Robert Cray lässt seine Gitarre Geschichten erzählen, die auch mal im Jazz spielen. Eingängige Soli wechseln ab mit typischen Riffs, die er aber gekonnt einsetzt und variiert. Er verlässt gern die traditionellen Hauptstraßen des Blues und zeigt, dass er auch in anderen Stilrichtungen sattelfest ist - bis hin zum Funk.

Kernstück des Abends, und das hat auch jeder Fan erwartet, ist aber natürlich der Blues, hauptsächlich eigene Songs aus seinem riesigen Repertoire. "My baby is gone", auf diese Tatsache läuft meist alles hinaus, und Crays helle Tenorstimme macht die Gefühle überdeutlich - sie klingt streckenweise eher soulig, aber stets perfekt, auch in hohen Lagen.Überhaupt ist der Sound ein Genuss, glasklar und ausgewogen. "Thank you so much!" - bestimmt zwanzigmal an diesem Abend bedankt sich der Superstar bei seinem begeisterten, teils gleichaltrigen Publikum, das gut eineinhalb Stunden Musikgenuss erlebt. Nicht spektakulär, sondern entspannt, nicht die große Show, sondern schlicht Qualität auf höchstem Niveau. Auch mal schön, wenn's nicht so scheppert.
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