Gegen jede Grundlagen der Malerei

Kultur BY
Bayern
14.11.2014
1
0

Die Nervosität in den vergangenen Wochen war groß. Zur Eröffnung der Ausstellung wurden im Neuen Museum Nürnberg sogar die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt. Die Einrichtung zeigt die weltweit drittgrößte Sammlung von Gerhard-Richter-Arbeiten.

Das Aufsichtspersonal stockte man auf. Und als Vorgabe gilt, dass immer nur 400 Besucher gleichzeitig in den Saal dürfen. Schließlich zählen die Werke des deutschen Malers und Grafikers zu den teuersten der Gegenwart.

Bei Versteigerungen gefragt

Bei Auktionen bringen sie regelmäßig mehrstellige Millionensummen ein. Als sich dann endlich die Türen für die Journalisten öffnen, entfährt der neuen Museums-Chefin Eva Kraus verständlicherweise ein Stoßseufzer: "Man eröffnet schließlich nicht jeden Tag eine Gerhard-Richter-Ausstellung".

Die frohe Botschaft, dass das Berliner Sammler-Ehepaar Ingrid und Georg Böckmann 29 Gemälde des in Dresden geborenen Künstlers als Dauerleihgabe nach Nürnberg gibt, war Ende 2013 ein echter Paukenschlag. Angelika Nollert, Vorgängerin von Eva Kraus, sprach deshalb bei der Pressekonferenz von einem "Quantensprung" für das Neue Museum. Die jetzige Sammlung von Richter-Arbeiten sei die drittgrößte weltweit und wird auch zukünftig dazu beitragen, hochkarätige Leihgaben für Ausstellungen an Land zu ziehen. Zwei der 29 Bilder aus der Sammlung bleiben allerdings im Bundeskanzleramt in Berlin, wie Museumssprecherin Eva Martin sagte.

Gerhard Richter zählt zu den wichtigsten Künstlern der Gegenwart. Mit seinen verwischten Bildern nach Fotovorlagen der 60er Jahre stellte er die Grundlagen der Malerei radikal in Frage. Gleichzeitig eröffnete er der totgesagten Gattung ungeahnte Möglichkeiten. Der Ausstellungstitel "Ausschnitt" ist einem großen dreiteiligen Bild von 1971 entlehnt. Er unterstreicht, dass die gezeigten Arbeiten zusammen einen repräsentativen Querschnitt des riesigen Ouvres Richters bilden. Die unterschiedlichen Gemälde vereinen sich zu einem großen Panorama. Bei der Hängung der Bilder hat sich der Meister selbst stark eingebracht. Im Uhrzeigersinn ergibt sich so eine chronologische Abfolge - von 1957 bis 2003.

Viele prominente Werke können unter die Lupe genommen werden: Da ist das "Waldstück", ein verwischtes Fotobild aus dem Jahr 1965, das Farbtafelbild "Sechs Farben" (1966), das "Seestück" (bewölkt) von 1969, das altmeisterlich anmutende Gemälde "Schädel mit Kerze" (1983) und eine ganze Reihe von abstrakten Bildern bis hin zur "Decke" (1988), das als Übermalung der zweiten Version des Gemäldes "Erhängte" zum Umfeld des großen RAF-Zyklus 18. Oktober 1977 gehört.

Unifarbene Malerei

Das jüngste Bild der Schau trägt den Titel "Grau" und greift das Thema der monochromen Malerei wieder auf. Wie ein Schleier legt sich die Farbe über das Bild. Anders als das Werk "Grau" aus dem Jahr 1976 wird die Farbe hier aber mit Rakeln aufgetragen, so dass sie transparenter wirkt. Ein passendes Werk für eine Ausstellung, die im Blick auf Gerhard Richter ein wenig den Schleier des Geheimnisvollen lüftet.
Weitere Beiträge zu den Themen: Nürnberg (1943)November 2014 (8194)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.