Glücklich hier

Mit seinem Lehrer Adalbert Lindner (linkes Foto, rechts) ist Max Reger 1901 von Weiden aus mit der Bahn nach Reuth gefahren und von Brand nach Mehlmeisel gelaufen. Rechtes Bild: Auf dem Felsen am Fichtelsee hat sich der Komponist ausgeruht. Repros: Josef Wiche (3)
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Bayern
12.08.2016
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Kinder, wie bin ich glücklich hier in Mehlmeisel!" Wenn Max Regers Geburtsort Brand seinen großen Sohn anlässlich dessen 100. Todesjahrs in großem Stil ehrt, ist das auch für viele Mehlmeiseler ein Grund, wieder einmal in der Heimatgeschichte zu blättern.

Mehlmeisel. Die Chronisten berichten, dass der weltberühmte Komponist erinnerungsträchtige Tage in der Fichtelgebirgsgemeinde verbracht und vor 115 Jahren auch den "Hammricher Frauentag" mitgefeierte. Und der ehemalige Heimatforscher Bernhard Prechtl weiß noch aus Erzählungen, dass der Komponist es sich nicht nehmen ließ, am "Frauertoch" ein paar Runden "Reitschöl" (Karussell) zu fahren. Zu dem Wiegenlied "Maria sitzt am Rosenhaig", eine von Regers innigsten Kompositionen zu Ehren der Mutter Gottes, soll ihn sogar das "Hammerkirchl" inspiriert haben.

Dokumentiert ist, dass Max Reger mit seinem Lehrer und väterlichen Freund Adalbert Lindner, aus Weiden kommend, mit der Bahn nach Reuth gefahren und von Brand nach Mehlmeisel gelaufen ist. Hier waren sie beim Oberlehrer und damaligem Standesbeamten Franz-Xaver Näger, einem Studienfreund Lindners, zu Gast. Familie Näger wohnte damals im oberen Stock des Schulhauses.

Dort stand das Klavier, auf dem Max Reger mehrfach gespielt hat, und das sich heute im Besitz der Familie Busch in der Hauptstraße befindet. Dort hat er auch, so ist es überliefert, plötzlich sein Klavierspiel unterbrochen und gerufen: "Kinder, wie bin ich glücklich hier in Mehlmeisel". Ein Brief Regers, datiert vom 17. August 1901 (Infokasten ) ist im Besitz der Erben von Franz-Xaver Näger. Sie haben ihn Heimatforscher Josef Wiche vertrauensvoll übergeben. Wiche hat den Brief in der Ausstellung "100 Jahre Fremdenverkehr in Mehlmeisel" 2001 veröffentlicht, da Reger mit seinem Besuch 1901 auch den Tourismus in der Fichtelgebirgsgemeinde nachweisbar machte.

Adalbert Lindner hat den gemeinsamen Ausflug folgendermaßen beschrieben: "Der Ort war gerade von zahlreichen Sommerfrischlern besetzt; meist Kaufleute, Lehrer und Professoren aus Leipzig, Dresden und Hof, so dass es an guter Anregung und Unterhaltung nicht fehlte."

Brief von Reger"Reizende Tage in Mehlmeisel"

Ein Brief Maxin Mehlmeisel Regers an Franz-Xaver Näger, der fragmentarisch erhalten ist:

Weiden, Allee 22, 17. Aug 1901:

Lieber Freund!

... Dir u. Deinen verehrten Eltern meinen herzlichsten Dank für so freundliche Aufnahme in Mehlmeisel! Es waren reizende Tage in Mehlmeisel! Mit diesem Briefe sende ich Dir einige Noten per + Band. Bitte selbe freundlichst entgegen zu nehmen.

In Op 44 (Seite 4 - 5) habe ich dir einige Verzeichnisse meiner bisherig erschienenen Werke beigelegt. Bitte, selbe ebenso zu behalten!

Lindner und ich sind gut hier angekommen!

Eine Bitte habe ich: Bitte sende mir resp. meinen Eltern (Seminarlehrer Reger, Weiden, Allee 22) eine Ansichtskarte von Mehlmeisel!

Mit nochmaligem besten Danke an Dich u Deine verehrten Eltern u. den besten Grüßen an Dich, Deine Eltern, Herr Bruder, Herrn u Frau Dietlein, Herrn Holzham (der mir die Photographien zusenden möchte recht baldigst)

Dein ergebenster

Max Reger

Nochmals besten Dank für alles!

Meine Adresse ist vom 3. Sept. ab: München, Wörthstraße 35 I

Zum Verständnis: Die "verehrten Eltern" waren der pensionierte Zollamtsdiener Wolfgang Näger und seine Gattin Aloisia. Der "Bruder" war Josef Näger, Lehrer in Fichtelberg.

Mit "Lindner" ist der Lehrer Adalbert Lindner gemeint. Er war ein Studienfreund von Franz-Xaver Näger und hatte sich in Weiden Max Regers angenommen, als Musiklehrer und väterlicher Freund.

Mit "Herr und Frau Dietlein" sind der in Mehmeisel wirkende Lehrer Christian Dietlein und seine Gattin gemeint. Herr "Holzham" war schließlich der reisende Fotograf, der damals in Mehlmeisels Umgebung unterwegs war. (gis)
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