Headliner der Herzen

Die Bands beim Nürnberger Drei-Tages-Festival Rock im Park führen Fans aller Art friedlich zusammen. (Bild: T. Schwarzmeier)
Kultur BY
Bayern
09.06.2015
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"Es ist egal, wer unter uns Headliner ist", könnte Deichkind sagen. Tut die Band nicht, denn die Hamburger sind trotz bekannt lockerer Sprüche dafür zu sehr geerdet. Zum Rock-im-Park-Abschluss am Sonntag bleibt bei den Besuchern aber genau dieser Eindruck haften. Dabei waren die Hauptbands des Festivals eigentlich andere.

Mit unbändiger Begeisterung hüpfen und singen sich die Fans vor der Park-Stage beim letzten der rund 90 Gigs am Wochenende zum Stimmungs-Höhepunkt eines rundum gelungenen Jubiläums-Festivals. Zugegeben, Deichkind sind keine "Rocker". Und bevor in Nürnberg wieder die Diskussion über die musikalische Ausrichtung des Line-Ups ausbricht, dürfen die Elektro-Hip-Hopper ebenso wie 2012 wieder in der späten Nachtschiene ran.

Reimendes Narrenschiff

Ihre Fans - und viele andere, die sich die Band mal anhören wollen und hängenbleiben - stört das nicht. Clevere Reime, provokante Texte wie die Facebook-Satire "Like mich am A..." löschen, eingepackt in unwiderstehlich treibende Beats, jegliche "Wer spielt wo?"-Gedanken aus.

Die Deichkinder kreieren eine Bühnenshow zwischen Ausdruckstanz, verrücktem Zirkus und pop-up-verseuchter Internetseite. Nebenbei schippern sie mit einem Schlauchboot und einem Fass über die Zuschauermengen, springen mit Bungee-Seilen auf der Bühne herum und hüllen die Zuschauer in den ersten Reihen mit Rauch, Glitter und Wasserfontänen ein. Schräg und genial.

Deutlich dezenter geben sich da die Headliner der drei Konzerttage, die Foo Fighters, Die Toten Hosen und The Prodigy, die die täglich knapp 80 000 Festivalfans glänzend, aber mit wenig Überraschendem unterhalten.

Das Festival, das in seinem 20. Jahr eindrucksvoll seine Top-Position gegenüber der Konkurrenz unterstreicht, lebt aber davon, dass es stimmig ist: Mit einem Musikangebot von den dröhnenden Soundgewalten von Slipknot über Slashs 90er-Jahre-Gitarren-Nostalgie und Motörheads fast 70-jähriger Rampensau Lemmy Kilmister ("Ist es euch auch laut genug?") bis hin zu bärenstarken deutschen Acts wie Kraftklub und Broilers. Die Mischung aus Haudegen und Geheimtipps stimmt ebenso.

Dazu kommt ein ungewöhnlich harmonisches Miteinander der Fans jeden Alters und musikalischer Ausrichtung in einer echten Festival- atmosphäre - Wetterkapriolen, kleine "Aufreger" und Camper-Touch inklusive. Kurzum: Der Park rockt.
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