Heribert Prantl wird zum Ehrendoktor ernannt
„Zeugen der Wahrheit“

Heribert Prantl, Journalist und Jurist aus Nittenau (links), ist neuer Ehrendoktor der philosophisch-theologischen Fakultät an der Uni Erlangen. Die Urkunde dazu überreichte ihm Fachbereichssprecher Professor Wolfgang Schoberth. Bild: hfz
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Bayern
15.07.2016
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Wenn ein Journalist zum Ehrendoktor einer philosophisch-theologischen Fakultät ernannt wird, dann hat diese Auszeichnung absoluten Seltenheitswert. Bei einem Festakt in Erlangen wurde damit die Arbeit des aus der Oberpfalz stammenden Professors Heribert Prantl gewürdigt.

Erlangen. Der in wenigen Tagen 63 Jahre alt werdende Heribert Prantl, seit vielen Jahren Chef des innenpolitischen Ressorts bei der Süddeutschen Zeitung und zu Anfang seiner journalistischen Erfolgskarriere beim Medienhaus "Der neue Tag" beschäftigt, wendet sich vor hohen kirchlichen Feiertagen Betrachtungen zu, die seine Leser in den kirchlichen und religiösen Bereich führen. Prantls Sichtweisen sind außergewöhnlich, nicht selten auch sehr kritisch.

Richtungen aufzeigen


Als man dem in Nittenau (Kreis Schwandorf) geborenen Journalisten nun im Erlanger Redoutensaal die Ehrendoktorwürde der philosophisch-theologischen Fakultät an der Friedrich-Alexander-Universität zuerkannte, wurde Heribert Prantl als ein Mann gewürdigt, der sich über viele Jahre hinweg mit Fragen der Theologie auseinandergesetzt und seine Kolumnen mit wichtigen Denkanstößen angereichert habe. In einer Laudatio, die Professorin Johanna Haberer auf Prantl hielt, wurde das deutlich. Zuvor hatte Professor Wolfgang Schoberth in seiner Eigenschaft als Sprecher des Fachbereichs evangelische Theologie die Urkunde an den bundesweit bekannten Zeitungsmann überreicht. Prantl, der als Jurist promovierte und erst später einem Ruf der "Süddeutschen Zeitung" folgte, genießt auch als Vortragsredner einen ausgezeichneten Ruf. In Erlangen setzte er sich bei seiner Dankesrede mit der Frage auseinander, ob es verbindende Anknüpfungspunkte zwischen Journalisten und Theologen gibt.

Der aus katholischem Elternhaus stammende Oberpfälzer bejahte das und stellte die Behauptung auf: "Martin Luther ist der wirkkräftigste Journalist gewesen, den es je in Deutschland gegeben hat." Prantl bezeichnete ihn als "Sprachereignis", beschrieb Luther als "einen Publizisten mit Wirkkraft." Damit war ein Einstieg geschaffen, der Prantls Zuhörer in weitere Parallelen zwischen schreibenden und predigenden Menschen zog. Der Redner blickte auf Franz von Sales, der 1923 von Papst Pius XI. zum Schutzpatron der Journalisten gekürt wurde. "Luther und Franz von Sales hatten die Sprache, um Gehör zu finden", unterstrich Heribert Prantl. "Und jeder nahm für sich in Anspruch, mit dieser guten Gabe die Wahrheit zu sagen."

Verschiedene Ansätze


"Was aber ist Wahrheit?", fragte der neu ernannte Ehrendoktor. Schon Jesus Christus und Pontius Pilatus hätten dazu unterschiedliche Sichtweisen dargelegt. Doch es lasse sich letztlich nicht darüber diskutieren, dass - mit Blick auf das Vortragsthema - sowohl Theologen als auch Journalisten "Zeugen der Wahrheit sein sollen". Prantl erinnerte an die Enthüllung der sogenannten Panama-Papers vor wenigen Monaten. "Es war eine Licht- und Sternstunde der Wahrheit." Dass Journalisten weltweit dabei kooperierten, ließ nach Prantls Auffassung darauf schließen, "dass die Ökumene nun sozusagen auch bei Medienleuten angekommen ist."

"Ein guter Journalist betreibt die Aufgabe der Enthüllung nicht zynisch, sondern in einer Haltung, die mit dem biblischen Wahrheitsbegriff beschrieben werden kann", unterstrich Prantl. Pressefreiheit brauche Journalisten, "die neugierig, unbequem, urteilskräftig und integer sind." Der Theologie schrieb Heribert Prantl zu: "Sie muss mehr sein, als das Raunen der Riten, mehr als innere Ergriffenheit, wenn der Weihrauch raucht. Sie muss auch Prophetie sein."

Privileg statt Gnade


Von daher war er überzeugt: "Theologie braucht Haltung. Journalismus ebenfalls. Theologie ist nicht das Handwerk, über Missstände Tünche zu schmieren. Journalismus auch nicht." Theologie und Journalismus seien Rechtswissenschaften in besonderem Sinn: "Weil beide Disziplinen wissen, dass Menschen Rechte brauchen und Rechte haben." Beiden Berufssparten empfahl Heribert Prantl, "der Gerechtigkeit das Wort zu reden." Dann schloss er: "Denn es soll ein Recht sein und nicht Gnade, dass Menschen keinen Mangel haben." Das würden sowohl die Verfassung als auch die Bibel lehren.

Weil beide Disziplinen wissen, dass Menschen Rechte brauchen und Rechte haben.Professor Heribert Prantl
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