Jazz-Superstar Gregory Porter begeistert in Ingolstadt bei den Jazz-Tagen
Begnadeter Brummbär

Gregory Porter (links) und Drummer Emanuel Harrold ganz lässig im Festsaal des Ingolstädter Schlosses. Bild: Werner
Kultur BY
Bayern
10.11.2016
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Ingolstadt. Zwei-Meter-Mann Gregory Porter zählt zu den ganz Großen der Jazzszene. Warum, beweist der 45-Jährige aus Los Angeles im ausverkauften Festsaal des Stadttheaters Ingolstadt. Ein begnadeter Brummbär, ein bewegender Bariton, ein sympathischer Star. Der Höhepunkt der familiär-fantastischen Jazztage wird vom Publikum mit minutenlangen Ovationen gefeiert. Nach der 100-minütigen Show schreibt der Superstar fleißig Autogramme, macht Dutzende Selfies. Zum Beispiel mit dem völlig begeisterten Marvin Matip, Kapitän des Fußball-Bundesligisten FC Ingolstadt.

Bereits 2014 beehrte Porter die oberbayerische Autostadt. Der US-Musiker hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. Die Jazztage-Crew musste Porter nicht lange bitten, nochmal zu kommen. Mittlerweile ist der Sänger hochdekoriert, vom Grammy in der Kategorie "Bestes Jazz-Gesangsalbum" bis hin zum ECHO Jazz ("bester internationaler Sänger").

Der schwarze Riese braucht nicht lange, bis er den Betonsaal der "Schanzer" zum Schmelzen bringt. Schon mit dem ersten Song "Holding on" lockt er die Fans aus der Reserve. Große Show oder Effekte - Fehlanzeige. Porter schnippst den Takt mit. Nicht viel Bewegung, aber umso mehr Energie. Drummer Emanuel Harrold streicht seine Felle, Saxofonist Tivon Pennicott wird eins mit seinem Instrument, Kontrabassist James Ross bearbeitet sein Spielgerät mit der Wucht eines Wellenbrechers.

Jazz, Gospel, Blues, Soul - spätestens seit seinem dritten Album "Liquid Spirit" (2013) ist der Kalifornier Porter die Hoffnung der internationalen Musikszene. In Deutschland kletterte das Werk in die Top Ten der Charts. Porter performte Ende 2013 in Max Herres "MTV Unplugged Kahedi Radio Show". Porter, der Mann mit der markanten Ballonmütze samt Schlauchschal um den Kopf, ist dabei ein Spätstarter. Erst mit 38 Jahren veröffentlichte er sein Debütalbum "Water". Im Mai 2016 kam schließlich "Take me to the Alley" auf den Markt.

Intensive Momente gibt es in Ingolstadt im Minutentakt. Da ist das melancholische "Musical Genocide" mit einem unglaublichen Klaviersolo von Chip Crawford. Oder der Uptempo-Hit "Liquid spirit", den etliche Remixer schon Disco-tauglich umarrangiert haben. "Free" heißt die letzte Zugabe. Dabei lässt Gregory Porter seinen Musikern freien Lauf. Völlig geschlaucht verlässt das Sextett die Bühne. Mehr Jazz geht nicht.
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