Julia Schnorrer drehte ihr Film-Debüt in der Oberpfalz
"Einen Kurzfilm drehen ist Tetris für Erwachsene"

Julia Schnorrer vor dem Filmdreh, als die Spendenaktion noch lief. (Screenshot)
Kultur BY
Bayern
10.08.2015
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(jak) Etwas über 1.000 Euro hat Julia Schnorrer in den vergangenen Wochen in Form von Spenden gesammelt. Das Geld brauchte die Studentin der Filmwissenschaft für ihren ersten Kurzfilm, den sie in ihrer Heimatstadt Schwandorf drehen wollte. Die Dreharbeiten sind inzwischen beendet. Wir zeigen Eindrücke vom Set.

Für die Realisierung ihres Kurzfilms "Acceptance/Akzeptanz" bekam die in Berlin wohnhafte Schwandorferin auch Unterstützung von Oberbürgermeister Andreas Feller. Kulturamtsleiterin Susanne Lehnfeld plant für Schwandorf eine eigene Aufführung im Kulturfelsenkeller.


Gelacht wurde viel am Set, vor allem beim Plakatfoto-Shooting. Von links: Daniela Jankowiak, Thomas Giegerich und Shabana Hussain. (Bild: Michael Daube)

Die Dreharbeiten sind inzwischen abgeschlossen, jetzt laufen die Vorbereitungen zur Einreichung des Films bei verschiedenen Film-Festivals. Nach den Dreharbeiten hat Julia Schnorrer uns über den aktuellen Stand informiert und Eindrücke vom Set zugeschickt.

Aktualisierung, 10. August 2015 - Filmdreh erfolgreich beendetJulia Schnorrer und ihre Filmcrew haben die Dreharbeiten zu ihrem ersten Kurzfilm inzwischen beendet. Die 24-Jährige zeigt sich kurz nach den Dreharbeiten euphorisch: "Die Stimmung am Set war herrlich! Das Team verstand sich vom ersten Moment an super, was man in der nahtlosen Zusammenarbeit merkte", erzählt sie, spürbar erleichert. Der wochenlange Druck vor dem Filmdreh hat sich in Luft aufgelöst.

Ein bisschen Sorgen habe der Crew lediglich das Wetter gemacht: Die Außendrehs rund um das Elternhaus von Julia Schnorrer in Schwandorf mussten verschoben werden, weil Regen angesagt war. "Dafür hatten wir, als wir draußen waren, viel Sonnenschein und mussten nicht mit dem Licht tricksen." Und es gab sogar eine Überraschung: "Während des Drehs ergab sich sogar noch eine zusätzliche, kurze Szene, die am Donnerstag vor Schluss noch abgefilmt wurde." Julia Schnorrers Fazit: "Es waren drei - in Shabana Hussains Fall zwei - sehr lange, aber sehr erfolgreiche Drehtage, und die Ergebnisse können sich echt sehen lassen."

Weiter ginge es jetzt mit der Postproduktion. Tina Reuther, Director of Photography, übernehme den Schnitt. Und wenn dieser fertig ist, werde der Film an den Komponisten Hartwig Ross übergeben. Er komponiert anschließen die Filmmusik. "Ich schätze, dass die vollständige Version im November fertig wird, gegebenenfalls schon früher, wenn bestimmte Deadlines für Kurzfilmfestivals früher liegen und es machbar ist", kündigt die 24-jährige Nachwuchs-Regisseurin an.
Ursprünglicher Artikel vom 2. Juli 2015:

Die Uhr tickt: Keine zwei Wochen bleiben Julia Schnorrer noch, um 1.000 Euro für einen Kurzfilm einzusammeln, den sie in der Oberpfalz drehen möchte. Doch Sorgen muss sich die in Berlin wohnhafte Schwandorferin keine machen: Rund 800 Euro Spenden hat sie in nur 14 Tagen bereits gesammelt. Und sie freut sich schon auf den baldigen Dreh in Schwandorf - übrigens zu einem hochaktuellen Thema.

Es sieht gut aus für den Film von Julia Schnorrer: Es fehlen nur noch rund 200 Euro bis zum Kampagnen-Ziel (zur Kampagne). Dann hat sie genug Spenden eingenommen, um den Großteil der Produktionskosten des Films davon bezahlen zu können. "Ich bin sehr optimistisch, dass der Betrag bis zum Ablauf der Kampagne erreicht sein wird", sagt die 24-Jährige. Sie studiert Filmwissenschaft in Berlin, aber ihre alte Heimat, die Oberpfalz, hat sie nicht vergessen. Deshalb will sie ihr Film-Debüt, einen zehnminütigen Kurzfilm mit dem zweisprachigen Titel "Acceptance / Akzeptanz", in Schwandorf drehen.


Screenshot: So sah der aktuelle Stand der Kampagne am 2. Juli aus.



Der Film ist Julia Schnorrers Film-Debüt. Sie kann ihn sich im Studium als Praktikum anerkennen lassen. "Einen richtigen Markt für Kurzfilme gibt es nicht. Sie werden aber gerne als Visitenkarte gesehen und um praktische Erfahrungen zu sammeln", weiß die Schwandorferin.

Die Kunstlandschaft, die Oberpfalz und die Suche nach Unterstützung


"Der Elitarismus in der Kunstlandschaft ist erstickend, insbesondere für Leute, die nicht in der Großstadt wohnen", erzählt Julia Schnorrer. So sei ihr zum Beispiel ihre Zeit beim Amateurtheater professionell nicht anerkannt worden. Deshalb will sie mit ihrem Kurzfilm auch eine Botschaft rüberbringen: "Man kann auch auf dem Land, in der Oberpfalz, Kunst machen." Theater gebe es hier zwar recht viel, aber Film nicht. Zumindest ein bisschen ändert sich das nun.

Crowdfunding: Projekte realisieren mit Hilfe von SpendenUnter Crowdfunding versteht man das Sammeln von Spenden für die Realisierung eines eigenen Projektes. Es gibt verschiedene Plattformen, die dafür zur Verfügung stehen. Eine davon ist "Startnext", wo Julia Schnorrer für Unterstützung wirbt.

Meist laden die Initiatoren ein Video hoch, in dem sie erklären und transparent machen, was sie vorhaben und warum es sich lohnt, dafür zu spenden. Außerdem wird festgelegt, in welchem Zeitraum welcher Zielbetrag erreicht werden muss. Werden weniger Spenden gesammelt, wird das Geld von keinem Unterstützer eingesammelt, das Projekt nicht realisiert oder wenn, dann auf eigene Kosten. Wird genug Geld gesammelt, fließt es zu einem bestimmten Zweck (in diesem Fall Bezahlen der Produktionskosten) in das Projekt.

Die Unterstützer werden aktuell auf dem Laufenden gehalten und bekommen im Falle eines Kampagnen-Erfolge Dankeschöns - je nach gespendetem Betrag ein kleines oder größeres Geschenk, das zum Projekt passt. Das können zum Beispiel Fotos sein, T-Shirts, Erwähnungen im Abspann, DVD und vieles mehr.

Durch Crowdfunding werden viele Projekte realisiert, die sonst keine Chance hätten. Eine Garantie auf Realisierung gibt es allerdings nicht - nur was interessiert und genug Menschen zum Spenden aktiviert, ist erfolgreich.

"Ein gutes Drehbuch braucht einen Konflikt"


"Acceptance / Akzeptanz" soll ein optimistischer Film sein, so beschreibt es Julia Schnorrer auf der Kampagnen-Seite auf der Crowdfunding-Plattform "Startnext". Es geht um eine Vater-Tochter-Beziehung im ländlichen Raum und um Toleranz gegenüber dem alternativen Lebensstil der Tochter. Denn diese zieht mit ihrer Freundin und Partnerin in die Oberpfalz und erhofft sich Akzeptanz vom Vater. Doch der hat ganz andere Sorgen, denn er ist schwer krank. Schon auf den ersten Blick versteht man: In der Geschichte steckt viel Konfliktpotenzial. Und die junge Regisseurin weiß: "Ein gutes Drehbuch braucht einen Konflikt."

Kürzlich hat die US-Verfassung Homosexuellen landesweit das Eherecht eingeräumt. Eine Nachricht, die auch in Deutschland für Aufsehen gesorgt hat. Das Thema des Kurzfilms ist daher hochaktuell. Und Julia Schnorrer bringt es aufs Land, mitten in die Oberpfalz. "Es liegt die Annahme nahe, so einen Film in Berlin zu drehen, aber man braucht Drehorte, Menschen und Genehmigungen. Es ist einfacher, den Film bei mir in der Oberpfalz zu drehen", erzählt die 24-Jährige. Mit "bei mir in der Oberpfalz" meint sie das Haus ihrer Eltern in Schwandorf.


Das Elternhaus von Julia Schnorrer wird Quartier für die Crew und gleichzeitig Drehort sein. (Bild: hfz)

Beim Filmdreh wird es gleichzeitig Hauptquartier für die Crew und Drehort sein. Auch im Außenbereich wird gedreht. Dafür musste die Jung-Regisseurin sich extra eine Genehmigung vom Ordnungsamt besorgen. "Aber das war extrem unkompliziert. Die Gebühr beträgt zehn Euro und wir müssen die Straße nicht absperren, ein Warndreieck reicht. In Berlin wäre das alles für so eine kleine Sache sicher aufwändiger", schätzt sie.

Und was sagen die Eltern dazu, wenn das Haus drei Tage lang von einer Filmcrew in Beschlag genommen wird? "Die hatten jetzt zehn Jahre Zeit, sich daran zu gewöhnen, dass ich künstlerisch arbeiten möchte. Es hat ein wenig gedauert, aber jetzt unterstützen sie mich sehr gut", freut sich die Nachwuchs-Regisseurin.

Erst die Rahmenbedingungen, dann die Themenidee


Ohne Geschichte gibt es natürlich keinen Film. Allerdings haben sich die Themen für "Acceptance / Akzeptanz" anders ergeben als man denken mag. Julia Schnorrer hatte nicht etwa die Idee für die Geschichte des Films im Kopf und hat dann überlegt, wie sie diese umsetzen kann. "Die Themen haben sich vielmehr aus dem Prozess des Drehbuchschreibens ergeben", erzählt die 24-Jährige. Denn die Rahmenbedingungen für den Film standen noch vor der Themenidee fest: "Der Film muss sehr kurz sein, er muss 'low oder no budget' sein, als Drehort kam mein Elternhaus in Frage, ich hatte drei Schauspieler - zwei Frauen und einen Mann - und wollte einen Konflikt. Ich habe also überlegt: Was habe ich und was kann ich daraus machen?"


Ausschnitt aus dem Drehbuch

"Ich kann gar nicht sagen, wie lange das Drehbuchschreiben gedauert hat. Es war ein Prozess. Ganz grob schätze ich, hat es einen Monat gedauert." Und wie sieht so ein Drehbuch aus? "Man beschreibt, was man im Film sieht und hört. Eine Handlungsbeschreibung also, in der auch die Emotionen beschrieben werden. Jeder entwickelt dann seinen eigenen Stil."

Was passiert mit den Spenden?


Kommen wir zum Geld. Die Schauspieler und das Filmteam arbeiten ohne Gage, es fallen keine Gema-Gebühren an, die Kostüme kommen aus dem Privatbestand. Was passiert also mit dem Geld der Unterstützer? Julia Schnorrer: "Der Hauptkostenfaktor ist das von einem Kameraverleih geliehene Equipment im Wert von mehreren tausend Euro. Hinzu kommen einige hundert Euro für Technik wie Ton und Beleuchtung und ebenfalls mehrere hundert Euro für die Maske. Thomas Giegerich, der den Vater spielt, muss ja zum Beispiel älter und krank aussehen. Und je nachdem, wie viel Geld zusammen kommt, möchte ich dem Team gerne einen Fahrtkostenzuschuss geben."

Die Dreharbeiten und das TeamGedreht wird in Schwandorf, vom 28. bis 30. Juli 2015. Das Team besteht aus dem freien Schauspieler Thomas Giegerich, der aus dem Fernsehen und Theater bekannt ist und am Set die meiste Erfahrung hat. Dazu gehören zudem die Darstellerinnen Daniela Jankowiak und Shabana Hussain. Kamera und Schnitt obliegen Tina Reuther, die Julia Schnorrer von der Uni kennt. Das Catering übernimmt die Schwester von Julia Schnorrer, schließlich ziehen sich die Dreharbeiten über drei ganze Tage. Eddy Gabler, Musiker und Songwriter, stellt die Titelmusik zur Verfügung. "Eddi war sofort total begeistert", freut sich Julia Schnorrer. Ein Filmkomponist aus dem Raum Wackersdorf hat sich zudem dank der Kampagne bereit erklärt, den Film ebenfalls zu unterstützen.

Es ist also alles gut durchgerechnet. Das gilt im Übrigen auch für die Dreharbeiten selbst. Drei Tage hat die Crew Zeit dafür, jeweils rund zwölf Stunden von früh morgens bis abends. "Normalerweise produziert man so zwei bis drei Minuten Material an einem Drehtag. Wir müssen uns ranhalten, aber die Planung ist - hoffe ich - nicht zu knapp. Wir werden einen genauen Plan einhalten. Das ist wie Tetris für Erwachsene."

Gespendet haben neben privaten Unterstützern auch zwei Unternehmen aus der Region. Ein Juwelier aus Schwandorf steuert einen Verlobungsring als Leihgabe bei und unterstützt den Film zusätzlich finanziell. Und ein Landmaschinenhersteller aus dem Landkreis Schwandorf sponsert neben Geld auch Requisiten bei. Den Filmvater hat Julia Schnorrer als ehemaligen Mitarbeiter der Firma konzipiert. "Ich hatte die Idee, Jörg so zu gestalten und habe mich dann mit meinem fertigen Konzept an die Firma gewandt". Und damit hatte sie Erfolg.

Wie geht es weiter mit dem Film?


"Erst einmal zählt jeder Euro. Man kann ja zum Beispiel auch nur zwei Euro spenden und für die Spende bekommt man ja auch was. Und zwar nicht nur ein Dankeschön, sondern auch sehr gutes Karma", scherzt die Schwandorferin.

Und danach, wenn der Film fertig ist? "Ich möchte ihn bei Kurzfilm-Festivals einreichen", erzählt Julia Schnorrer. Davon gebe es sowohl regional geeignete - zum Beispiel in Regensburg, Selb und Hof, aber auch in Berlin oder international. "Und er eignet sich auch für die Sparte 'Queer Cinema'." (Das sind Filme mit dem Thema Homosexualität.)

Julia Schnorrer weiß übrigens auch schon, wie es bei ihr selbst weitergehen soll. Eineinhalb Semester muss sie noch studieren, dann ist sie damit fertig. "Ich möchte Drehbuchautor und Regisseur werden", sagt sie. Der erste Schritt dahin wäre eine Tätigkeit als Produktions- oder Regieassistent. Ihr Studium der Filmwissenschaft ist dafür eine gute Grundlage. Und der Kurzfilm dürfte dafür ein passender Praxis-Nachweis sein.