Kabarettistin Martin Schwarzmann begeistert in der Sportarena
Tiefsinn auf hohem Niveau

Die oberbayerische Kabarettistin Martina Schwarzmann begeisterte mit ihrem Bühnenprogramm ihr Publikum in der ausverkauften Sportarena Speichersdorf. Bild: stg
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Bayern
08.03.2016
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Die oberbayerische Kabarettistin Martina Schwarzmann begeisterte mit ihrem Bühnenprogramm ihr Publikum in der ausverkauften Sportarena Speichersdorf. Bild: stg

Ein Journalist hat Martina Schwarzmann einmal nach ihren Träumen gefragt. Ihm erzählte sie vom nackt Einkaufen gehen, vom erneuten Besuch der Berufsschule und vom Tretbootfahren am Ammersee. Und davon, als Kabarettistin vor 30 oder 40 Zuhörern auf der Bühne zu stehen und zum Lebensunterhalt noch Zeitungen auszutragen.

Speichersdorf. Dafür reicht es nun bei Martina Schwarzmann definitiv nicht mehr, denn ausverkaufte Hallen - so wie in Speichersdorf auf Einladung der Bürgerstiftung Lebensfreude - nehmen einen breiten Platz im Leben der Künstlerin ein.

Wenn Schwarzmann so auf der Bühne sitzt, wirkt sie wie die "Unschuld vom Lande". Der Schein trügt aber - und zwar gewaltig. Sie erzählt ihre Geschichten aus dem Alltag, gibt ihre Beobachtungen und Erfahrungen wieder. Vieles davon verpackt sie in Lieder und schaut dabei den Mitmenschen "aufs Maul".

Vieles im Programm dreht sich um die Familie - sei es die eigene, in der Ehemann und die beiden Kinder für manche Pointe herhalten müssen, oder eben die Verwandtschaft mit ihren "Knallern" wie Cousin Bernie, der "fleischgewordenen Meno-Pause" oder die Tanten und Onkel am 70. Geburtstag von Tante Helga. Schwarzmanns Erkenntnis: "Der liebe Gott hat dich in diese Familie hineingeboren, weil er gewusst hat: Du packst das!" Jetzt könne sie auch Lieder über sie schreiben, denn aufs Erbe sei sie nun nicht mehr angewiesen.

Auch Kinderbetreuung, so die dreifache Mutter, sei ja eine hervorragende Sache: Da lerne man auch, wie mit Hilfe einer Fußbodenheizung leckere Bananenchips gemacht werden können oder welche Blüten der Basteltick treiben kann, so dass beim Waldspaziergang aus Schneckenhaus, Streichhölzern und "Hundewurst" ein tolles Ergebnis entsteht.

Musikalisch sinniert Schwarzmann übers Multi-Tasking ("Ein Riesen-Scheißdreck"), Unterhosenbügeln und die "geheimen Tage" der durch Heirat erworbenen Aufgabe der Grabpflege ("Wenn ein Geschwür blühen könnte, dann schaut es aus wie Eisbegonien"). Immer wieder bekommt die Kabarettistin Zwischenapplaus, der Wortwitz und der oft auch enthaltene Tiefsinn kommt beim Publikum bestens an.

Geschichten aus dem Alltag einer Hausfrau, die sich eher als "Haushaltsopfer" sieht, begeistern genauso wie die Wandlung Schwarzmanns vom Bauch- über die Rücken- bis hin zur Seitenschläferin. Sie besingt die Forderung nach mehr Toleranz zwischen Dicken und Dünnen, beschreibt den faulen Ehemann einer Freundin, die für ihn nun Pflegestufe beantragt habe, und trägt das Gedicht vor, für das ihr eine "bedingungslose Niveaulosigkeit, die durch nichts zu entschuldigen" sei, bescheinigt wurde.

Messer im Handschuhfach


Und sie erzählt minutenlang von der Angst vor einer Polizeikontrolle im Zusammenhang mit der kaputten Halterung fürs Warndreieck, die sie per Kabelbinder und Heißkleber ersetzt habe - weswegen sie jetzt ein scharfes Küchenmesser im Handschuhfach brauche.

Den Zuhören gibt Schwarzmann auch ihr Plädoyer mit auf den Weg, in Todesanzeigen die Konfektionsgrößen der Verstorbenen anzugeben: "Was man da Ressourcen sparen könne!" 1200 Zuschauer, die begeistert sind - und das alles schafft Schwarzmann mit relativ wenigen Ausflügen unter die Gürtellinie. Und wo es dann doch geschieht, sitzt die Pointe auch wirklich. Respekt, Frau Schwarzmann - und um im Sprachduktus der Kabarettistin zu bleiben: "Dem ist nichts hinzuzufügen!"
Der liebe Gott hat dich in diese Familie hineingeboren, weil er gewusst hat: Du packst das!Martina Schwarzmann
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