Katharina Wagner inszeniert "Tristan und Isolde" bei den Bayreuther Festspielen
Horrorversion der großen Liebe

Katharina Wagner erntete für ihre Version von "Tristan und Isolde" bei den Bayreuther Festspielen Buh-Rufe. Die Sänger hingegen wurden vom Publikum gefeiert. Bild: Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath/dpa
Kultur BY
Bayern
03.08.2016
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Katharina Wagner hat mit ihrer Interpretation der großen Liebesoper ihres Uropas, "Tristan und Isolde", eine abstrakte Version der Liebe auf die Bühne gebracht. Im zweiten Jahr der Inszenierung muss sie sich ein überraschendes Buh-Konzert des Publikums anhören.

Bayreuth. Als ihre Version von "Tristan und Isolde" im vergangenen Jahr Premiere feierte, zeigte Katharina Wagner sich danach kurz dem Publikum. Hand in Hand mit ihrem gesamten Team verriet nur ihre umherwirbelnde, blonde Mähne die Anwesenheit der Festspielchefin. Viele Zuschauer dürften die Regisseurin so schnell gar nicht erkannt haben.

Zaghafter Schritt nach vorne


In diesem Jahr ist die 38-Jährige ein bisschen forscher. Gemeinsam mit ihrem Regie-Team tritt sie nach der Aufführung ihrer Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen zum Schlussapplaus zaghaft einen Schritt nach vorne - und löst ein Buh-Konzert von weiten Teilen des Publikums aus. Das bringt sie zum Lachen, doch sie wirkt überrascht. Schien es im vergangenen Jahr doch so, als stoße ihre überaus düstere Interpretation der großen, tragischen Liebesoper ihres Urgroßvaters Richard Wagner überwiegend auf Zustimmung.

Auch in diesem Jahr bietet ihre Inszenierung eigentlich wenig Anlass für einen solchen Protest. Zwar gibt es durchaus Längen und einige Redundanzen vor allem im ersten und zweiten Aufzug. Eigentlich aber ist ihre Version der Geschichte durchaus stimmig. Sie zeigt Tristan und Isolde als Liebespaar ohne Ausweg, dem tragischen Ende von Anfang an geweiht: eine Horrorversion der großen Liebe. Treppen brechen im ersten Aufzug weg, wenn Tristan versucht, zu Isolde zu gelangen.

Ästhetischer Höhepunkt


Und ganz zum Schluss gönnt sie dem tragischen Liebespaar noch nicht einmal den gemeinsamen Tod, sondern lässt zu, dass König Marke Isolde wegzieht - fort von ihrer großen, toten Liebe. Im dritten Akt, dem ästhetischen Höhepunkt der Inszenierung, erscheinen Tristan im Fieberwahn immer wieder Schreckensversionen seiner Geliebten.

Es sind durchaus beeindruckende Bilder, an denen Wagner im Vergleich zum Vorjahr noch einmal gefeilt hat. "Wir haben auch an Feinheiten gearbeitet", sagte die Regisseurin im Interview der Deutschen Presse-Agentur vor dem Start der Festspiele. "Wir haben die Isolde im dritten Akt noch etwas abstrakter angelegt, die Masken werden noch etwas fremder. Es ist eine Vision Tristans."

Sänger überzeugen


Gefeiert wird sie dafür am Montagabend nicht - ganz im Gegensatz zu im Grunde allen anderen, die an ihrer Produktion beteiligt sind. Dirigent Christian Thielemann bringt das Festspielhaus mit seiner einnehmenden, gleichsam kraftvollen und einfühlsamen Orchesterführung zum Kochen und erntet sogar einige wenige Ovationen - und auch die Sänger werden minutenlang gefeiert, müssen beim Schlussapplaus immer wieder vor den Vorhang treten.

Stephen Gould ist ein warmer, emotionaler Tristan, Petra Lang bei ihrem Isolde-Debüt überzeugend und Georg Zeppenfeld als König Marke eine Klasse für sich. Auch Claudia Mahnke, die für die kurzfristig erkrankte Christa Mayer als Brangäne einspringen muss, erweist sich als Glücksgriff.
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