Katie Melua in Nürnberg
Wohlige Wintergefühle

Wintergefühle in der Meistersingerhalle: Die georgisch-britische Sängerin Katie Melua überraschte die rund 1000 Zuhörer mit neuen Klängen. Im Hintergrund der 23-köpfige Gori Women's Choir aus Tiflis. Bild: T. Schwarzmeier
Kultur BY
Bayern
01.11.2016
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Nürnberg. Die Bäume im Hintergrund schimmern winterlich weiß. Der Nebel im hellen Bühnenlicht erinnert an aufgewirbelten Schnee. In die langgezogenen Töne des Chores hinein beginnt Katie Melua zu spielen. Der leise Gesang zur Gitarre - in ukrainischer Sprache - markiert den Beginn eines Wohlfühlabends, in dem die Britin sich musikalisch von einer ungewohnten Seite zeigt.

Auch wenn Schnee und Kälte hierzulande noch nicht Einzug gehalten haben, sind die Zuhörer sofort im Wintermodus. Die Nürnberger Meistersingerhalle wird gefühlt zum gemütlichen Wohnzimmer mit heimeligem Kaminfeuer, in dem man - allerdings umgeben von rund 1000 weiteren Musikfreunden - zur Ruhe und Besinnung kommt.

Stilistisch vielseitig


Sie wollte ein echtes Winteralbum machen, sagt die 32-Jährige. Mit Liedern, die sie selbst in den kalten Monaten hören möchte. Das Ergebnis, eine Mischung aus rhythmisch fordernden Klängen aus dem Kaukasus, Rachmaninoffs "Nunc Dimitis" und eigene Pop-Kompositionen, bringt die gebürtige Georgierin nun unterstützt vom Gori Women's Choir aus Tiflis auf die Konzertbühne.

Der Singer-Songwriterin, eigentlich bekannt durch Pop-Songs mit Jazz- und Folkelementen, ist in diesem frühen Konzert ihrer Wintertour die Anspannung zunächst deutlich anzumerken. Die Britin wirkt im ersten Teil, den sie ihrem Konzeptalbum reserviert, sehr introvertiert und ernst. Doch die Zuhörer nehmen das "Experiment" mit viel Beifall an.

Der intensive Vortrag lebt - neben Meluas glasklarer Engelsstimme - nicht zuletzt von einer reduzierten Instrumentierung, die außer einem Kontrabass zuweilen noch ein Piano und eine einzelne Snaredrum zulässt. Auch der 23-köpfige Frauenchor unter der Leitung von Teona Tsiramua nimmt sich weitgehend zurück, sorgt oft nur für einen angenehmen, vielstimmigen Grundton. In den minimalistischen Bearbeitungen zählen vor allem die Melodiezeilen, die alleine Meluas Gitarre bestimmt.

Auch im zweiten Set bleibt die Sängerin diesen bodenständigen Arrangements treu. Ihre Erfolgstitel "Nine Million Bicycles" und "The Closest Thing to Crazy", die sie weltweit bekannt gemacht haben, verfehlen wie die eng mit ihrer Biografie verknüpften "Belfast" oder "Call Off the Search" in der Unplugged-Version ihre Wirkung nicht. Auch einige Coversongs wie Joni Mitchells Anti-Weihnachtslied "River", Simon & Garfunkels bewegendes "Bridge Over Troubled Water" und "Wonderful Life" des heuer verstorbenen Colin Vearncombe (in einer schwungvollen Version) fügen sich nahtlos in den stimmigen Abend ein. Trotz des spürbaren Wandels der Sängerin, die in einer neuen Phase ihrer künstlerischen Entwicklung angekommen ist, dürfen Fans der poppigen, jazzigen Seite Meluas aber hoffen. Denn nach dem Winter kommt wieder ein Frühling. Und zweifellos auch eine Katie Melua, die sich und ihre Musik dann wieder neu erfinden wird.
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