Klassische Musik auf Weltniveau
Entscheidung zu Konzerthalle im Münchner Osten gefallen

Ein Saal mit erstklassiger Akustik wird Spitzenkünstler aus aller Welt anziehen und auch die musikalische Nachwuchsarbeit befruchten.
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Bayern
09.12.2015
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Ich kann nicht einsehen, dass ein Bebauungsplan bis 2017 dauern soll. In Deutschland mag sowas sein, in Bayern darf es nicht sein. Wir müssen schneller werden.

München. Fast 15 Jahre hat es gedauert, jetzt ist es offiziell: München bekommt einen neuen Konzertsaal. Eine Partymeile muss dafür weichen. Kunstminister Spaenle verspricht "klassische Musik auf Weltniveau" - und Ministerpräsident Seehofer drückt aufs Tempo. Das neue Konzerthaus soll nach dem Willen des bayerischen Kabinetts im Osten der Stadt gebaut werden. Der Ministerrat einigte sich am Dienstag auf das sogenannte Werksviertel am Ostbahnhof als künftigen Standort.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) will schon Anfang 2016 mit den Planungen beginnen. Er ist ungeduldig: "Ich hole im ersten Quartal alle Verantwortlichen zusammen", sagte er. "Ich kann nicht einsehen, dass ein Bebauungsplan bis 2017 dauern soll. In Deutschland mag sowas sein, in Bayern darf es nicht sein. Wir müssen schneller werden."

Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sprach von einer wichtigen Entscheidung für München. "Es wird ein Steigflug möglich sein, und zwar nach oben." Im neuen Saal soll es "klassische Musik auf Weltniveau" geben. Ein Grund für die Entscheidung für das Gelände ist "die zeitliche Verfügbarkeit mit einer möglichen Inbetriebnahme bis Ende 2021", teilte die Staatskanzlei mit. Eine "Erbpachtlösung" soll es geben, sagte Spaenle nach der Kabinettssitzung. Über einen Zeitraum von 50 Jahren werde das 30 Millionen Euro kosten, Bauherr ist die Staatsregierung.

"Urbanes Stadtquartier"


Der Konzertsaal soll Teil eines neuen, modernen Viertels, eines "urbanen Stadtquartiers" sein, wie es auf der Homepage der Stadt München heißt. Dort wird es künftig auch einen Park, Kindergärten und eine Schule geben. Die Partymeile "Kultfabrik", die sich dort befindet, ist zum Leidwesen junger Feierfreudiger zum Jahreswechsel Geschichte. Einige Clubs bleiben allerdings am Ostbahnhof und in unmittelbarer Nähe zum neuen Konzertsaal.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sprach von einem "guten Tag für die Musikstadt München und ihre hochklassigen Orchester". Sein Amtsvorgänger Christian Ude (SPD) hatte sich dem Projekt gegenüber deutlich skeptischer gezeigt. Die Grünen im Landtag forderten ein Finanzierungskonzept. "Wir brauchen nach Jahren des bloßen Geplappers endlich Fakten, Fakten, Fakten", sagte der kulturpolitische Sprecher der Fraktion, Sepp Dürr.

Der Bau im Münchner Osten auf dem Gelände einer ehemaligen Knödel-Fabrik bergt ein geringeres finanzielles Risiko als ein Bau im Westen der Stadt auf dem Gelände einer alten Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke. Ein Votum für das Werksviertel ist im Vorfeld erwartet worden. Der neue Konzertsaal soll vor allem dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks eine Heimat geben.

"Technisch kein Problem"


BR-Intendant Ulrich Wilhelm begrüßte die Entscheidung: "Ein Saal mit erstklassiger Akustik wird Spitzenkünstler aus aller Welt anziehen und auch die musikalische Nachwuchsarbeit befruchten." Nach Einschätzung des Akustik-Experten Karlheinz Müller kann der Klang in der Konzerthalle durchaus gut werden - auch wenn Züge an dem Gelände vorbeifahren und U-Bahnen darunter. "Es ist eine Herausforderung", sagte er. "Aber es ist lösbar. Technisch ist das heute kein Problem mehr." Auch unter dem Gasteig fährt die S-Bahn auf der Stammstrecke.
Ein Saal mit erstklassiger Akustik wird Spitzenkünstler aus aller Welt anziehen und auch die musikalische Nachwuchsarbeit befruchten.BR-Intendant Ulrich Wilhelm
Ich kann nicht einsehen, dass ein Bebauungsplan bis 2017 dauern soll. In Deutschland mag sowas sein, in Bayern darf es nicht sein. Wir müssen schneller werden.Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU)
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