Kommentar zum Rückzug von Michael Lerchenberg
Theater-Lotse geht vom Berg

Kultur BY
Bayern
09.08.2016
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Nun also doch: Intendant Michael Lerchenberg wirft hin - ein Jahr früher als erwartet. Dies kommt trotzdem nicht so überraschend, denn es brodelte schon seit einigen Jahren vor und hinter den Kulissen. Zunächst muss man Rückschau halten auf die Zeit, als Lerchenberg anfing: Unter seinem Vorgänger Pavel Fieber sausten durch dessen gewagte Inszenierungen die Besucherzahlen in den Keller: Nur noch rund 90 000 wollten die Aufführungen sehen.

Da kam Lerchenberg 2004 als Retter. Bekannt als Schauspieler und Regisseur hatte er sich in die Herzen der Zuschauer gespielt. Und als Prälat Hinter im "Bullen von Tölz" war er einem breiteren Fernsehpublikum bekannt - so konnte man ihn durchaus als ein Geschenk des Himmels sehen.

Auf die Luisenburg holte er durch seine glänzenden Kontakte in die Fernseh- und Theaterszene namhafte Schauspieler und sorgte für steigende Zuschauerzahlen: Die Spielzeit 2011 gilt mit über 151 000 Besuchern als bisher erfolgreichste überhaupt. Ob Klassiker, Volks-, Kinderstück und Musical: Er traf (fast) immer den Geschmack des Publikums. Die Luisenburg wurde wieder zu einer Bühne, die es lohnte zu besuchen. Dieser Ruf ging sogar bis nach München - das seinerseits das älteste Freilichttheater Deutschlands finanziell unterstützte.

In den letzten Jahren zogen dunkle Wolken auf: Die nötige Transparenz fehlte, man warf Lerchenberg vor, nicht mit offenen Karten zu spielen. Vieles, was er machte, bekam einen schalen Beigeschmack. Obwohl auch die Saison 2016 mit knapp 140 000 Besuchern sehr erfolgreich war, jetzt also sein vorzeitiger Abgang.

Er vermisst "Wertschätzung und Respekt", bemängelt "Schmutzkampagnen" und "Fundamentalopposition" von Teilen des Wunsiedler Stadtrats und der Politik. Jede Medaille hat bekanntlich zwei Seiten: Es ist richtig, dass der Intendant klarer hätte Stellung beziehen müssen, als es in der letzten Zeit passiert ist. Andererseits haben sich einige Politiker angemaßt, sich in künstlerische Belange einzumischen.

Lerchenberg hat letztendlich den richtigen Schritt getan: Der Theater-Lotse geht vom Berg. Was er für die Luisenburg war, wird sich zeigen, wenn ein Nachfolger gefunden ist. Man kann diesem nur wünschen, dass er ein dickes Fell mitbringt, um gegen politische Anfeindungen gefeit zu sein. Und er wird sich an den Besucherzahlen messen lassen müssen. Dazu kann man ihm nur ein Toi Toi Toi wünschen!

stefan.voit@derneuetag.de

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