Konzert in Bayreuth
Die Pilgrimme auf Golgatha begeistern

Mit einem Werk von Kehl eröffnete die Bayreuther Stadtkantorei das Osterfestival. Bild: Blaß
Kultur BY
Bayern
29.03.2016
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Von Sandra Blaß

Bayreuth. Es ist die Geschichte zweier Pilger auf dem Weg nach Golgatha, die der Komponist Johann Balthasar Kehl (1725-1778) eindrucksvoll in Musik gesetzt hat. Sein musikalisches Drama "Die Pilgrimme auf Golgatha" nach dem Text von Friedrich Wilhelm Zachariä ähnelt in seiner Anlage beinahe einer kammermusikalischen Passionskantate und gibt einmal mehr Zeugnis von Kehls "galantem Stil" und einer neuen, aufgeklärten Musikästhetik am Übergang zur Mannheimer Schule und zur Klassik.

Osterfestival eröffnet


Die Tatsache, dass Kehl zur Zeit von Markgräfin Wilhelmine im Dienste des damals prachtvollen Bayreuther Hofes stand, nahm schließlich einer seiner "Nachfolger", Dekanatskantor Michael Dorn, zum Anlass, jenes musikalische Drama am Karfreitag als Eröffnungskonzert des Bayreuther Osterfestivals in der Stadtkirche zur Aufführung zu bringen.

Ausführende waren die Solisten Anna Nesyba (Sopran; Engel), Julia Diefenbach (Alt; Pilger), Sören Richter (Tenor; Pilger) und Felix Rathgeber (Bass; Einsiedler) sowie die Stadtkantorei Bayreuth und die Neue Nürnberger Ratsmusik auf historischen Instrumenten. Inhaltlich erzählt das musikalische Drama den Weg zweier Pilger nach Golgatha, wo sie auf einen Einsiedler treffen und über Jesu Leiden und Sterben am Kreuz nachsinnen.

Ein Engel ist es schließlich, der den beiden Pilgern zeigt, dass alles Klagen und Weinen um Jesus, aber auch das Pilgern und das Nachsinnen über das Geschehen auf Golgatha einen Sinn haben: "Wie selig sind die frommen Klagen, die ihr hier eurem Jesus weint!" Und: "Der Himmel schaut, ihr Pilger, mit Vergnügen und die Anbetung, die ihr hier Jesu weiht."

Am Ende wird der Blick auf die Auferstehung gelenkt, ehe der groß angelegte Schlusschor in prachtvoller Weise verkündet, dass Jesus durch seinen Tod und Auferstehung Heil für die ganze Welt gebracht hat. Michael Dorn hatte Kehls musikalisches Drama schließlich noch durch Choräle von Johann Gottfried Telemann ergänzt, die sich inhaltlich perfekt in die Geschichte einflochten. Das Stück wirkte wie eine musikalische Karfreitagspredigt und vermochte die Zuhörer dank der emotionalen Umsetzung des Textes bereits vom ersten Moment an in seinen Bann zu ziehen und gleichsam mit hineinzunehmen in die Passion Jesu Christi.

Eremit und Engel


Wunderbar die solistischen eindrucksvollen Klage- und Trauerarien von Julia Diefenbach und Sören Richter, die nicht nur hier mit ihren ausdrucksstarken und klaren Stimmen überzeugten, sondern gerade auch in den eher volkstümlich gehaltenen Duetten im zweiten Teil der Passionskantate. Taten sich Felix Rathgeber und Maria Bernius zu Beginn vor allem mit der Textverständlichkeit noch etwas schwer, gingen sie später in ihren Rollen als Eremit und Engel immer mehr auf.

Doch nicht nur die Solisten, auch die Stadtkantorei Bayreuth und die Neue Nürnberger Ratsmusik verdienen für ihren stets voluminösen und runden Klang größte Anerkennung. In Erinnerung bleibt ein bewegender Konzertabend mit einem interessanten Blick auf die Leidensgeschichte Jesu.
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