Leerstand mit Kreativ-Potenzial

Regionalmanager Ronald Ledermüller, Uwe Heidel, Vorstand des Kommunalunternehmens WUN Immobilien, Helmut Resch, Geschäftsführer der SelbWERK GmbH, der Marktredwitzer Innenstadtkoordinator Dominik Hartmann, Karl Roth vom Bürgerforum Wunsiedel und KüKo-Vorsitzende Sabine Gollner (von links) wollen gemeinsam anpacken und neue Impulse für lebendige Innenstädte im Fichtelgebirge setzen. Bild: hfz
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Bayern
17.05.2015
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Ungenutzte Läden und Geschäfte in den Innenstädten bieten kein schönes Bild - aber Platz für Neues und für außergewöhnliche Impulse. Marktredwitz, Selb und Wunsiedel packen das Thema jetzt gemeinsam an.

Mit dieser Umkehr eines sichtbaren Problems ins Positive wollen die Entwicklungsagentur Fichtelgebirge sowie die drei großen Städte des Landkreises Wunsiedel den Leerständen in den Innerortslagen den Kampf ansagen.

Ronald Ledermüller, Regionalmanager des Landkreises, hob bei einem Pressegespräch im Marktredwitzer Rathaus die zentrale Bedeutung des Themas hervor: "Wenn die Region eine lebens- und liebenswerte Heimat für die Einheimischen bleiben soll, dann müssen wir den Leerständen in den Innenstädten entgegenwirken." Dies gelte noch mehr beim Bemühen, dringend benötigte Fachkräfte in die Region zu ziehen.

Inspiriert durch einen Vortrag in Bad Berneck, den die Künstlerkolonie (KüKo)Fichtelgebirge im Februar mit dem Regionalmanagement Bayreuth durchgeführt hatte, regte Ledermüller eine Wiederholung im Fichtelgebirge an: Als ersten Schritt wird am 19. Mai Architektin Stefanie Raab aus Berlin den Impulsvortrag "Kreativ-Wirtschaft im Leerstand" in der Wunsiedler Fichtelgebirgshalle wiederholen.

Wettbewerb

Dabei wird sie vorstellen, wie durch gezieltes Vorgehen aus dem Problembezirk Neukölln eines der angesagtesten Berliner Stadtviertel wurde. Dass die Initiative im Fichtelgebirge zum besten Zeitpunkt kommt, unterstrich Helmut Resch aus Selb. "Wir haben einen internationalen Architekten- und städtebaulichen Wettbewerb für die Innenstadt gestartet, der als Grundlage für den Beteiligungsprozess im Rahmen des Masterplans Innenstadt dienen soll. Design, Kreativität und Industriegeschichte sind typische Themen unserer Stadt und könnten einen wichtigen Impuls geben."

Gleiches gilt für die Stadt Wunsiedel, die ihren Stadtentwicklungs-Prozess gemeinsam mit den Bürgern neu aufleben lassen will. Eine Arbeitsgruppe des Bürgerforums unter Leitung von Karl Roth widmet sich seit kurzem gezielt der Frage, wie die Innenstadt belebt werden könnte - und vollbrachte unter anderem mit der 13. Auflage der "Kult-Nacht", mit über 30 einzelnen Kulturevents in der Wunsiedler Innenstadt. Dass mit Leerstandsmanagement echte Kernerarbeit verbunden ist, verdeutlichte Innenstadtkoordinator Dominik Hartmann: "Wir wollen jeden einzelnen Hauseigentümer in der Innenstadt ansprechen und zum Mitmachen animieren - was manchmal gar nicht so leicht ist, da die Eigentümer oft Erbengemeinschaften sind, die über ganz Deutschland oder darüber hinaus verteilt sind." Überzeugung braucht es auch dafür, dass sich hinter der Kreativwirtschaft nicht ausschließlich ein buntes Künstlervolk versteckt, wie Sabine Gollner, die Vorsitzender der KüKo erläuterte: "Unser Netzwerk besteht mittlerweile aus über 130 Kreativen, von Künstlern, über Designer, Grafiker, Fotografen, Web-Designer, Filmemacher und Architekten bis hin zu Journalisten.

Gerade der ländliche Raum hat genau dieser Branche vieles zu bieten, was die Stadt nicht kann: Freiraum, um kreativ zu sein und vergleichsweise preisgünstigen Wohn- und Arbeitsraum - zum Beispiel in Leerständen." Mittlerweile mache die Kreativwirtschaft bereits Platz drei bei der Bruttowertschöpfung in der Bundesrepublik aus, ergänzte Ronald Ledermüller.

Workshops vor Ort

Damit es nicht nur bei dem Impulsvortrag bleibt, organisieren die drei Städte mit Unterstützung des Landkreises im Juni noch drei Workshops jeweils vor Ort: Am 17. Juni in Wunsiedel, am 18. Juni in Marktredwitz und am 19. Juni in Selb. Neben dem interessanten neuen Ansatz, mit der Kreativwirtschaft eine neue Zielgruppe für die Innenstadtentwicklung ins Auge zu fassen, beeindruckt die Initiative bereits jetzt vor allem durch ihre Geschlossenheit.
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