Lerchenberg schmeißt als Intendant der Luisenburg-Festspiele hin
Vertrag vorzeitig beendet

Michael Lerchenberg. Bild: dpa
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Bayern
09.08.2016
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Ein Händedruck bei der Pressekonferenz: Intendant Michael Lerchenberg (rechts) wird im kommenden Jahr zum letzten Mal die künstlerische Leitung der Luisenburg-Festspiele in Wunsiedel übernehmen. Bürgermeister Karl-Willi Beck dankt ihm für seine Arbeit. Bild: Stiegler

Die Luisenburg-Festspiele befinden sich seit Montag in der Schockstarre. Intendant Michael Lerchenberg löst seinen eigentlich bis Herbst 2018 laufenden Vertrag vorzeitig zum 30. September 2017 auf. Einer der Gründe: der fehlende Rückhalt Lerchenbergs bei Teilen im Wunsiedler Stadtrat

Wunsiedel. In der Einladung zur Pressekonferenz hieß es ganz allgemein, dass es um "die Zukunft der Festspiele" gehe. Die Dramatik dieser Formulierung hat am Montagvormittag alle anwesenden Medienleute überrascht. Mit einer ganz nüchternen Feststellung läutete Michael Lerchenberg sein ausführliches Statement ein: "Im Mai dieses Jahres habe ich den Ersten Bürgermeister der Stadt Wunsiedel Karl-Willi Beck gebeten, dass ich von der in meinem Dienstvertrag vereinbarten Möglichkeit Gebrauch machen werde und wir meinen bis zum Herbst 2018 bestehenden Dienstvertrag als Intendant bereits zum 30. 09. 2017 im gegenseitigen Einvernehmen auflösen." Nur noch eine Spielzeit lang wird Lerchenberg, der am vergangenen Mittwoch seinen 63. Geburtstag feierte, die Festspiele leiten.

Veraltete Strukturen


So nüchtern ging es aber nicht weiter in der Erklärung. Besonders bei den Gründen für sein vorzeitiges Ausscheiden nach 14 Jahren sprach Lerchenberg Klartext: Als er im Herbst 2003 dieses Theater übernommen hatte, sei es eine in die Jahre gekommene Sommer-Dependance von Staatsintendanten gewesen. Die Zuschauerzahlen seien zurückgegangen, der Investitionsstau gewaltig gewesen. Die Strukturen in Organisation, Bühnentechnik und der Verwaltung seien noch die aus dem Jahr 1890 gewesen. "Soweit es in meiner Macht stand, wurden diese Strukturen systematisch verbessert und Schritt für Schritt professionalisiert", stellte Lerchenberg fest.

"Das zehrt aus"


In der Verwaltung des Theaters, so der Intendant, sei dies allerdings nicht geschehen. Hierfür sei die Stadt zuständig, die Luisenburg-Festspiele seien ein städtischer Regiebetrieb, der eigentliche Leiter der Festspiele sei der Bürgermeister. Seit dem Ausscheiden des früheren Kämmerers im Sommer 2007, so Lerchenberg, "hat es hier bis dato keine wirkliche Verwaltungsleitung gegeben", die noch dazu den heutigen, deutlich gestiegen Anforderungen an eine professionelle Theater-Verwaltungsleitung erfülle. "Hinzu kommt die permanente, alljährliche Gratwanderung, wie diese Festspiele finanziell gesund durch den Sommer kommen", so Lerchenberg. Auch die alleinige Trägerschaft der größten deutschen Festspiele durch die kleine, finanziell gestresste Stadt Wunsiedel sei "vollkommen anachronistisch". Viele Politiker im Kreis, so der Intendant, die sich gerne mit ihm oder dem Leuchtturm Luisenburg schmücken, hätten, wenn es ernst wird, zugenähte Taschen und zeigten sich unbeweglich und nicht hilfreich. "Über all die Jahre ist das alles sehr belastend, zehrt aus und braucht mehr als gute Nerven", sagte Lerchenberg.

Interna verraten


"Schluss mit lustig" sei schließlich im Winter 2014/2015 gewesen - als nämlich die Luisenburg "Teil der Schmutzkampagnen einer Wunsiedler Fundamentalopposition im Stadtrat wird, die Integrität meiner Frau als Künstlerin und somit auch meine Integrität als Intendant auf schmutzigste Weise angegriffen wird". Anschließend sei dann auch noch ein Brief mit vertraulichsten Interna der Festspiele an die Presse gegeben worden. "Schon damals habe ich mich sehr deutlich geäußert, dass ich mich für so eine miese Form der Politik nicht hergebe", erinnerte Lerchenberg. Den Ratschlägen von Freunden im Sommer 2015, gleich den Bettel hinzuwerfen, sei er damals nicht gefolgt: "Die Festspiele waren in einer wirtschaftlich schwierigen Situation, wir hatten keinen Verwaltungsleiter und kein Marketing. Ich habe neben meiner Funktion als Intendant, Regisseur und Darsteller auch diese Funktionen mit übernommen", so Lerchenberg. Der Festspielsommer 2015 sei dann künstlerisch als auch wirtschaftlich ein großer Erfolg gewesen.

Persönliche Angriffe


Lerchenberg nannte einen weiteren, bislang in der Öffentlichkeit unbekannten Grund für seine Entscheidung: Demnach sei zum Ende der Spielzeit 2015 bekannt geworden, dass ein Hauptdarsteller der damaligen Spielzeit in einem täglichen Internetblog "massivst die Stadt Wunsiedel, die Bewohner der Stadt, die Festspiele, deren Mitarbeiter und auch mich persönlich angegriffen und beleidigt hatte", sagte Lerchenberg. Er habe sich juristisch dagegen erfolgreich gewehrt, aber: "Die Stadt hat trotz meiner mehrmaligen Aufforderung nichts unternommen, um auch ihrerseits diesem Herrn eine klare und deutliche Antwort zu geben, wie es ihre Pflicht gewesen wäre", monierte Lerchenberg. In der Summe habe er sich dann schon gefragt, warum man sich hier eigentlich weiter so engagieren und aufarbeiten solle, wenn man Wertschätzung und den Respekt in dieser Stadt vermisse.

Drei Monate segeln


Der Abschied, so Lerchenberg, werde ihm nicht leichtfallen. "Mein Herz wird immer bei der Luisenburg sein", sagte er. Seine Mitarbeiter habe er am Sonntagabend über seine Entscheidung informiert. Persönliche Zukunftsängste nach Herbst 2017 hat Lerchenberg nicht, denn er will weiter Schauspieler und Regisseur für Film, Fernsehen und Bühne sein. "Und ich kann mir auch vorstellen, einfach drei Monate im Sommer mit meiner Frau zum Segeln zu gehen!"

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Intendanten-Auswahl noch in diesem JahrBürgermeister Karl-Willi Beck nutzte den gemeinsamen Auftritt mit Michael Lerchenberg für umfassende Dankesworte an den Intendanten. "Sie haben die Festspiele auf den Gipfelpfad geführt", betonte Beck. Lerchenberg werde auch weiterhin ein "positives Testimonial für die Luisenburg und das gesamte Fichtelgebirge" sein. Noch im August soll sich der Stadtrat von Wunsiedel mit der neuen Situation befassen und eine Ausschreibung für die Suche nach einem neuen Intendanten auf den Weg bringen. Bürgermeister Beck geht davon aus, dass bis zur Dezember-Sitzung des Stadtrates ein neuer Intendant gefunden ist und darüber beschlossen werden kann. (stg)
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Helmut KRECKL aus Nabburg | 08.08.2016 | 18:24  
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