Liebe zur Literatur als Lebenselixier
Literat Pavel Kohout trifft seine Tochter Tereza

Nach der Lesung waren Tereza Boucková (links) und Vater, der Schriftsteller und Dramatiker Pavel Kohout, gerne bereit, Bücher zu signieren. Bild: Gut
Kultur BY
Bayern
01.06.2016
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Von Christiane Gut

München. Fast andächtig lauschen die Zuhörer im ausverkauften Literaturhaus, wie Tereza Boucková aus ihrem 2015 auf Deutsch erschienen Tagebuchroman "Im Zeichen des Hahns" liest, wie Vater, der Schriftsteller und Dramatiker Pavel Kohout aus seinen Memoiren "Mein tolles Leben mit Hitler, Stalin und Havel" (2010) gewandt und temperamentvoll rezitiert. Zum ersten Mal treten sie gemeinsam in Deutschland auf.

Anerkennende Worte


Tags zuvor, bei Kaffee und Kuchen im Adalbert-Stifter-Verein, preist Kohout: "Meine Tochter hat das Buch fast 60 000-mal verkauft." Anerkennende Worte vom großen Vater, der seinerseits zu allen Zeiten seines Lebens national und international erfolgreich war: Kohouts Stücke wurden nach dem Prager Frühling gerne im Westen aufgeführt. Das Verhältnis zwischen Vater und jüngster Tochter war nicht immer ohne Probleme, auch wenn beide die Charta 77 unterzeichneten. In ihrem 1988 im Samisdat veröffentlichten und nicht jedem angenehmen Roman "Indianerlauf" schreibt Boucková viel vom Vater, dem Indianer. Ihr neues Buch "Im Zeichen des Hahns" knüpft an die autobiografische Tradition an. Kohout ist das tschechische Wort für Hahn. Und die Erzählerin wurde im Jahr des Hahns geboren, das jetzt wiederkehrt und ihr die Überwindung aller Schwierigkeiten verspricht. Sie erzählt, wie ihr Adoptivsohn sie und ihren Mann bestiehlt, wie er und sein Bruder auf der Straße landen, Drogen nehmen, kriminell werden. Kurzum alle Vorurteile bestätigen. Es ist für eine Mutter schwer zuzugeben, dass ihr die Erziehung misslungen ist, dass die adoptierten "schwarzen" Romabrüder ("weiße" Kinder durfte sie nicht adoptieren) anders als der leibliche Sohn auf die schiefe Bahn geraten sind.

Komisch und traurig


Tereza Boucková schreibt diesen Roman ohne Happy End in typisch tschechischer Manier: Komisch und traurig zugleich, schlimme, schmerzhafte Ereignisse werden mit Humor, leicht und wendig dargestellt. Auch oder gerade, wenn es nur Probleme zu geben scheint. Der reizvolle tschechische Ton und die Liebe, der Wille und die Kraft, der Mut, jeden Tag wieder neu anzufangen, sich irgendwie lohnen.

Das Buch sorgte für Kontroversen: Neben dem Vorwurf des Rassismus wurde die Frage aufgeworfen, ob nicht ihre schwierige Kindheit Tereza Boucková als Mutter von Adoptivkindern überfordert hat.

Kohout, tschechischer und österreichischer Staatsbürger mit Rauhaardackel-Passion, ist ein Intellektueller und Grandseigneur, der viel erlebt hat und viel erzählen kann. Fast alle Umwälzungen des vergangenen Jahrhunderts in Mitteleuropa hat der 1928 geborene Heute hofft er auf eine "Emanzipation der europäischen Union, darauf , dass es keinen Brexit oder Grexit geben wird".

Das deutschsprachige Theaterfestival in Prag, für das er sich er von Beginn an engagiert, liegt ihm besonders am Herzen. Und da ist sie wieder die Liebe zur Literatur: Sie ist für beide, Tochter und Vater, ein Lebenselixier. Schmunzelnd erinnern sie sich an die Familienaufführungen von Shakespeares "Play MacBeth", die sie im Jahr 1978 gemeinsam mit anderen verbotenen Künstlern gaben, bis die Staatspolizei dieses Wohnzimmertheater verbot.
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