Lügen machen lange Nasen

Der Puppenbauer Gepetto (Vikrant Subramanian) traut seinen Augen nicht: Die Holzpuppe Pinoccio (Solgerd Isalv), die er gerade frisch geschnitzt hat, beginnt zu sprechen und sich zu bewegen. Bild: Jutta Missbach
Kultur BY
Bayern
19.11.2015
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Man braucht nur seinen Namen zu hören - und schon leuchten die Kinderaugen. Dieser aufmüpfige Kerl, der seinem Vater Geppetto nicht nur Sorgen, sondern in erster Linie eine Menge Freude bereitet. Carlo Collodis unsterblicher "Pinocchio"wird als actionreiche Kinderoper in Nürnberg aufgeführt.

Damit der kleine Kerl ihn nicht belügt, hat Geppetto ihm eine Nase verpasst, die länger und länger wird, sobald der hölzerne Knabe ihn auf den Holzweg führen will. Dass Pinocchios fantastische Geschichte auch Opernmacher begeistert, ist nun am Nürnberger Staatstheater zu erleben - als Kinderoper in den Kammerspielen, mit wunderschönen Klängen von Rossini.

Authentisch und witzig

Kaum zum Leben erweckt, stapft Pinoccio auch schon trotzig über die Bühne. Wobei man besser sagen müsste: sie. Denn bei der Premiere ist es Solgerd Isalv, die dem Burschen Beine macht. In braun-weiß gestreiften Shorts, mit weißem Hemd und roten Hosenträgern verkörpert die schwedische Mezzosopranistin Pinocchio derart authentisch und witzig, dass man denkt, sie hätte noch nie eine andere Rolle gespielt.

Man hängt ihr an den Lippen und verfolgt den Streit mit den Spitzbuben Fuchs und Kater, die dem Jungen das Geld aus der Tasche ziehen, gebannt bis zum Schluss. Sogar die Nase wächst bei jeder Lüge - wie, das wird an dieser Stelle nicht verraten. Großes Lob gilt Kai Weßler und Johann Casimir Eule, die für fünf Darsteller und mit Klängen aus Rossinis frühen Opern ein Kinderstück geschaffen haben, das auch die Großen begeistert.

Die Inszenierung von Stephanie Kuhlmann setzt dabei auf actionreiche Szenenwechsel und ein wenig Gruselatmosphäre. Schön kindgerecht ist das Bühnenbild von Annemarie Bulla, das mit seiner Wandelbarkeit (vom Wald über Pinocchios Zimmer bis zur Zirkuswelt) zum Träumen einlädt. Die Musik des Instrumentalensembles versetzt den Hörer in ein Caféhaus auf dem Markusplatz in Venedig. Natürlich findet die Geschichte ein gutes Ende. Pinocchio befreit den Vater (singend und spielend in Höchstform: Vikrant Subramaniam) aus dem Gefängnis und findet sogar eine neue Freundin. Am Ende stehen alle im Konfetti-Regen und genießen den lang anhaltenden Beifall.

Theater nicht auf Holzweg

Der Kultur-Kritiker urteilt so: Mit dieser witzig-spritzigen Kinderoper rund um eine Holzpuppe ist das Staatstheater nicht auf dem Holzweg. Der 8-jährige Besucher in der ersten Reihe bringt es auf den Punkt: "Da will ich unbedingt den zweiten Teil sehen!"

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.staatstheater-nuernberg.de
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