"Mein Kampf" im UNterricht
Hitlers Hetzschrift in der Schule

Mit Jahresbeginn sind die Urheberrechte für Adolf Hitlers Hetzschrift "Mein Kampf" ausgelaufen, eine vielbeachtete kritische Edition ist auf dem Markt. Experten nehmen das zum Anlass, die Rolle des Buches im Schulunterricht zu überdenken. Bild: dpa
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Bayern
29.04.2016
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München. "Ich mag mir nicht ausmalen, was geschieht, wenn der Pausengong ertönt, ehe die Auseinandersetzung mit und die Aufklärung über die menschenverachtenden Inhalte abgeschlossen ist", sagt Charlotte Knobloch. Die Vorstellung, Adolf Hitlers Hetzschrift "Mein Kampf" im Unterricht zu behandeln, im Lehrplan zu verankern, findet die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland unerträglich. "Ich halte Hitlers antisemitisches Machwerk des Hasses nicht für einen geeigneten Baustein für den Unterricht", sagt sie. "Die damit einhergehende Fokussierung auf die Person Hitlers ist irreführend."

Im Unterricht zu kurz


Nationalsozialismus, Holocaust und der Zweite Weltkrieg kämen im Unterricht ohnehin zunehmend zu kurz, kritisiert die 83 Jahre alte Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. "Da ist es nicht sinnvoll, diese wenigen Stunden mit der Lektüre einer der widerlichsten antisemitischen Hetz- und Hassschriften zu verbringen." Seit die Urheberrechte an Hitlers in den 1920er Jahren verfassten Machwerk ausgelaufen sind und eine viel beachtete und inzwischen 55 000 Mal verkaufte kritische Edition des Buches auf den Markt gekommen ist, diskutieren Bildungsexperten verstärkt die Rolle von "Mein Kampf" im Schulunterricht.

Neue Broschüre


Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, war einer der ersten, der vorschlug, die Edition bundesweit im Unterricht einzusetzen - ein Vorschlag, dem sich auch Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) angeschlossen hat und den verschiedene bayerische Landtagsfraktionen per Dringlichkeitsantrag auf die Tagesordnung des Plenums am Donnerstag gesetzt haben. "Besonderen Schulungsbedarf für Geschichtslehrer sieht Kraus nicht. "Die haben alle Geschichte studiert, und außerdem sind auch bisher schon Originalquellen im Unterricht behandelt worden. Das hat auch immer geklappt." Er wünscht sich für die Lehrerschaft aber beispielsweise Textempfehlungen.

Die bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit ist gerade dabei, eine Broschüre zum Thema zu erstellen - quasi als Leitfaden für Lehrer, die das Buch mit ihren Schülern im Unterricht behandeln. Sie soll im Herbst erscheinen.

"Die Edition ist ein großer Zugewinn - vor allem für die Vorbereitung der Lehrkräfte auf das Thema", sagt Ulrich Baumgärtner, Professor für Geschichtsdidaktik an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, der an der Broschüre mitarbeitet. Er betonte die Bedeutung von Originalquellen. Die Schüler hätten ein Recht darauf zu erfahren, woher das historische Wissen über den Nationalsozialismus stammt.
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