Michael Lerchenberg resümiert über Luisenburg-Spielzeit
Intendant entspannt

Michael Lerchenberg. Bild: hfz
Kultur BY
Bayern
06.08.2016
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Ganz locker wirkt er. Bestellt sich einen Latte Macchiato mit Strohhalm und ein Glas Wasser. Lehnt sich zurück im Straßencafé. Michael Lerchenberg kann auch entspannt sein. Die Saison bei den Luisenburg-Festspielen geht dem Ende entgegen. Und sie war gut, sehr gut sogar.

Wunsiedel. 135 000 Karten seien bis dato verkauft, sagte der Intendant im Gespräch. Die Festspiele seien damit finanziell im grünen Bereich. Das ist wichtig, schließlich muss die Kasse stimmen. Aber auch etwas anderes ist wichtig, enorm wichtig: das Künstlerische. Und das hat ebenfalls gepasst in dieser Saison, ist sich Lerchenberg sicher.

Wagnis und sichere Bänke


Das Sams - von den Kindern bejubelt. "Cats" - alle Vorstellungen ausverkauft. "Der verkaufte Großvater" - mit einer Auslastung von 90 Prozent eine Erfolgsgeschichte. Und dann auch noch die Sache mit der "Bluthochzeit", mit dem schwierigen Genre Tanztheater. Denn das Projekt von Eva-Maria Thöny-Lerchenberg klang ambitioniert, aber kaum vermittelbar. Doch das Stück wurde zum Geheimtipp. Wirtschafter würden das Stück einen Hidden Champion nennen. "Der Erfolg war sensationell", sagt Lerchenberg. Bei der letzten Vorstellung habe es sieben Minuten Applaus gegeben. Obendrein war das Medienecho eine gute Werbung für die Festspiele. Dass der Erfolg nicht selbstverständlich war, ist ihm bewusst. Auf der Luisenburg gilt ja der berühmt-berüchtigte Wunsiedler Dreisatz: Ein Stück kann man wagen, zwei müssen es tragen. "Wenn es je ein Wagnisstück gab, dann war es die 'Bluthochzeit'."

Eine sichere Bank für das Wunsiedler Theater-Modell war dagegen von Anfang an "Cats", Musicals boomen schließlich. Aber der Intendant ist auch von der Umsetzung begeistert: "Das war ein tolles 'Cats', wir brauchen internationale Vergleiche nicht scheuen. Das war ein großer Wurf." Besonders schwärmt er von Jörg Brombachers Bühnenbild. Die Idee, auf der Luisenburg-Bühne einen Steinbruch zu bauen, habe perfekt gepasst. "Da haben sich Bühne und Stück gefunden." Auch mit dem Erfolg seiner eigenen Inszenierung des "Verkauften Großvaters" ist Michael Lerchenberg rundweg zufrieden. Er spricht von einer "fordernden Inszenierung", die nicht den üblichen Sehgewohnheiten entspreche. Er freut sich darüber, dass die Regiearbeit auch überregional wahrgenommen wurde. Das Thema des Stückes, "Altwerden und Würde im Alter", hält er für hochaktuell.

Thema Altern polarisiert


Es gab aber auch Kritik, vor allem daran, dass Großvater-Darsteller Michael Altmann die Hosen runterließ und in Windeln auf der Bühne stand. Entwürdigend, hieß es. Hat das den Intendanten genervt? In gewisser Weise schon, räumt er ein. "Weil man sieht, diese Leute haben es nicht verstehen wollen." Er ist sich sicher, dass es Vorstellungen gab, in denen ein Drittel der Zuschauer auf Slipeinlagen oder Windeln angewiesen sei. "Und dieses Thema haben wir genau aus dieser peinlichen Verschwiegenheit herausgerissen." Das habe bei vielen regelrecht erlösend gewirkt.

Thema für Besucher wie für Medien war aber auch Lerchenberg selbst: Wenn 2018 sein Intendantenvertrag ausläuft, werde er nicht mehr verlängern. Und dabei bleibt's auch, wie er nochmals betont. Seit 2004 steht er an der Spitze der Festspiele. Der dienstälteste Intendant sei er in der Festspielszene in Deutschland. Am Montag werden Lerchenberg und Bürgermeister Karl-Willi Beck erläutern, wie die Zukunft der Festspiele aussehen wird. Sorgen macht er sich offensichtlich nicht, der Intendant. Denn er wirkt jetzt, kurz vor dem Saison-Endspurt, ganz entspannt.
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