Midge Ure zeigt sich beim Club-Konzert im Kultpark von seiner akustischen Seite
Ein kräftiger Hauch von Genialität

Musiklegende Midge Ure begeistert mit minimaler instrumenteller Begleitung das Münchener Publikum. Bild: Tobias Schwarzmeier
Kultur BY
Bayern
13.11.2015
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Er hätte auch einen Dudelsack nehmen können. Selbst das hätte die Aufgabe für Midge Ure nicht wesentlich erschwert. Er habe selbst nicht daran geglaubt, seine Elektropop-Klassiker "Vienna" oder "Fade To Grey" für diese ungewöhnliche Besetzung umschreiben zu können, gibt der Schotte dann auch zu. Doch er konnte. Und wie er konnte.

Schon mit den Intro-Songs, "Dear God" und eben "Fade To Grey" sorgt er beim Publikum im Münchener Technikum im Kultpark für Ah-Rufe, Gänsehaut und Szenenbeifall. Statt dem von den Ur-Versionen gewohnten Synthesizer legt eine Violine zusammen mit Ures Gitarre den Klangteppich aus. Eine Mandoline und ein Akkordeon setzen anstelle der Geräusch-Effekte aus dem Computer die Akzente, puschen die Übergänge, variieren das Tempo. So überraschend es klingt, ist es typisch Midge Ure.

Beim Mastermind hinter den bahnbrechenden New-Wave-Kultformationen Ultravoxund Visage der 80er Jahre ist die künstlerische Unruhe über all die Jahre geblieben. Ure, der mit Bob Geldof einst das Hilfsprojekt "Band Aid" gründete und während einer Tour bei Thin Lizzy als Gitarrist einsprang, erweist sich erneut als extrem wandelfähig.

Zuvor als Solokünstler, in kongenialer Zusammenarbeit mit "Schiller" oder mit bombastischem "Rock-meets-Classic"-Symphonieorchester unterwegs, betritt eine der variabelsten Musiklegenden nun wieder Neuland. Mit kuscheligen Club-Konzerten in der aktuellen Breathe-Again-Tour. Nur das Folk-Duo "India Electric Co" (die Multi-Instrumentalisten Cole Stacey und Joseph O'Keefe) begleitet den Sänger, als er neben den alten Hits sein komplettes Soloalbum "Breathe" (dt.: Hauch) auf die Bühne bringt - in einem reinen Acoustic-Set. "Normalerweise nehmen Künstler für solche Konzerte ihr erfolgreichstes Album her. ,Breathe' war, als es herauskam, das am schlechtesten verkaufte Album, das ich je gemacht habe", witzelt Ure. Die Verwendung in der Werbung einer Schweizer Uhrenmarke aber machte die Scheibe zum Hit.

Zu Recht, denn als der 62-Jährige das emotionale "Fallen Angel", seine Hommage an Glasgow "Guns and Arrows" oder den Titelsong "Breathe" (mit Hammer-Kopfstimme) bringt, ist das mitgerissene Publikum kaum zu halten. Beim Schlusssong "If I Was" brechen alle Dämme.

Nur eines plagt ihn an der handgemachten Musik etwas, sagt er, nämlich das Stimmen seiner Gitarre. "Bei Ultravox drückte man da einfach einen Button." Den richtigen Knopf bei den Fans findet Ure jedoch auch im Singer-Songwriter-Stil. Denn was losgelöst von musikalischen Spielarten bleibt, ist die Kraft seiner melodischen Stimme und die Emotionen, die seine Texte auslösen. Einfach Ure.
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