Mit einem Swing auf den Lippen

Mit Songs voller Intensität und einem lässigem Auftritt riss Roger Cicero die Fans in der Meistersingerhalle mit. Bild: T. Schwarzmeier
Kultur BY
Bayern
15.10.2014
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Von Tobias Schwarzmeier

"Murphys Gesetz" besagt bekanntlich, dass alles, was schiefgehen kann, auch schiefgehen wird. Damit hat sich der bühnenerfahrene, gelassene Roger Cicero aber längst abgefunden. Beim Konzert in Nürnberg jedoch passierte etwas, das sogar ihn noch überraschte.

Seit über zehn Jahren swingt und jazzt sich der Berliner nun schon durch die Musiklandschaft Deutschlands und ihre Konzertsäle. In bester Entertainer-Tradition spielt ein glänzend aufgelegter Roger Cicero mit seinem Publikum, die Geplänkel mit typischem, selbstironischen Jazzer-Humor sind entspannt und geistreich.

Stets nimmt er Augenkontakt mit den Fans auf, geht mitten im Song durch die Reihen und posiert für Selfies, während sein exzellentes 13-köpfiges Begleitorchester Sorge trägt, dass die erzeugte angenehme Grundstimmung des klassischen Big-Band-Swings nicht abreißt.

Ein Echo namens Karl-Heinz

Doch dann kommt diese eine Fanbegegnung, wegen der der Sänger die Meistersingerhalle wohl so schnell nicht vergessen wird. Als die Zuschauer beim witzigen "Murphys Gesetz", den Refrain zu Ende singen sollen, röhrt unvermittelt ein kräftiger Bariton aus der Menge wie ein Echo das Wort "Gesetz".

Der verdutzte Cicero wiederholt die Passage wieder und wieder und lässt sich so auf ein Gesangsduell mit einem Fan ein, der sich als Karl-Heinz vorstellt. Es endet auf der Bühne mit einem Unentschieden und einem Riesen-Applaus für beide. Es passt zu einem denkwürdigen Abend.

Wabernde Elektrizität

Selten haben ruhig vorgetragene Töne so elektrisiert. Das Publikum - angeheizt durch den gelungenen Auftritt von Ciceros "Sing meinen Song"-Kollegen Gregor Meyle - tanzt, schnippt singt und geht voll ab. Und das obwohl sich Cicero in der kurzweiligen Performance als Meister der Entschleunigung erweist.

Gepushte Ska-Passagen - die eine hammermäßige Bläsersektion konsequent vorantreibt -, eingestreute Soli, ja selbst spielerischer Scat-Gesang setzen Reizpunkte in Songs, die nicht nur wegen der charismatischen Stimme knistern. Es sind bei den poppigen Songs die kleinen Alltagsdinge, die anrühren. Wie der Mann, der sich nach einer Trennung ("Endlich wieder frei") selbst belügt. Oder das Kind, dessen Vater am Bett wacht, aber der Frage ausweicht, wohin er nachher noch geht.

Nur einmal liegt er daneben, wenn er "Was immer auch kommt" - ein Lied über ständiges Erneuern - als Lebensmotto darstellt. Als ihm eine alte Frau bei der Ballade "In diesem Moment" eine Rose schenkt, zeigt sich: Cicero muss sich nicht neu erfinden. Es ist perfekt so, wie es ist.
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