Mit "King Lear" über Grenzen sprechen

Walzerseligkeit und zünftige Urlaubsstimmung: Wieder aufgenommen ins Programm wird ab 16. Juni 2016 Ralph Benatzkys bezaubernde Revue-Operette "Im weißen Rössl". Als Oberkellner kümmert sich Volker Heißmann um alle möglichen Gefühlsangelegenheiten. Bild: Jutta Missbach
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Bayern
07.10.2015
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Sein Anspruch ist hoch: "Theater für alle" will Staatsintendant Peter Theiler in Nürnberg auf die Bühne bringen. Das heißt jedoch nicht, dass in der nächsten Saison nur bekannte Stücke aufgeführt werden.

"Über Grenzen sprechen" lautet das Motto im Schauspielhaus und nimmt damit auch Bezug zu aktuellen Themen in der Welt. Direktor Klaus Kusenberg läutet mit seiner Inszenierung von Shakespeares "König Lear" am Samstag, 10. Oktober, die neue Saison ein.

"Der Ring der Nibelungen"

Als Auftakt im Opernhaus wird mit Wagners "Götterdämmerung" (Sonntag, 11. Oktober) die Tetralogie "Der Ring des Nibelungen" zu einem Ganzen geschmiedet. Das Team um Regisseur Georg Schmiedleitner und Generalmusikdirektor Marcus Bosch hat für die ersten drei Teile schon eine Menge Beifall kassiert. Im vierten Teil reisen die Musikfreunde nun in die einst geordnete Götterwelt, die mittlerweile von den Menschen erbarmungslos ausgebeutet wird. Nach der deutschsprachigen Erstaufführung von Orwells "1984" (Freitag, 16. Oktober) und Christoph Nußbaumeders wuchtig-realistischen Text "Das Fleischwerk" (Samstag, 24. Oktober) über miserable Arbeitsbedingungen in Schlachtfabriken kommt mit Michael Frayns "Der nackte Wahnsinn" (Freitag, 18. Dezember) auch der Spaß nicht zu kurz. Anlässlich einer chaotischen Generalprobe für eine Komödie dürfen die Zuschauer hier einmal hinter die Kulissen des Theaters schauen.

Ein kurzer Blick auf das Tanztheater sei noch erlaubt. Als erste Premiere ist hier am Samstag, 12. Dezember, eine Uraufführung mit dem verheißungsvollen Titel "Latent" zu sehen. Ballettdirektor Goyo Montero betritt hier künstlerisch neuen Boden, indem er - jenseits der klassischen Handlungsballette - ein Sinfonisches Ballett präsentiert. In abstrakten Bildern auf einer rein assoziativen Ebene lotet er die überbordende Musik von Hector Berlioz "Symphonie fantastique" aus.

"Wilhelm Tell"

Natürlich gibt es auch die echten Klassiker wie "Ein Volksfeind" von Ibsen (Samstag, 9. April 2016), Verdis "Rigoletto" (Premiere am Sonntag, 29. Mai 2016) und Schillers "Wilhelm Tell" (Samstag, 4. Juni 2016). Daneben aber stehen außergewöhnliche Schätze wie Bizets "Perlenfischer"als konzertante Aufführung (Sonntag, 24. April 2016) und "Die Schutzbefohlenen" von Jelinek (Samstag, 20. Februar 2016). Gerade das letztgenannte Werk zeigt, wie aktuell Theater ist. Geht es doch um die Festung Europa und das Elend von Flüchtlingen, die dort nach Sicherheit suchen. Jelineks Ausgangspunkt war das winterliche Wien 2012.

Die Themen, "freie Wahl des Ortes", "Arbeitsmarktzugang" und "menschenwürdige Unterbringung" werden derzeit ebenfalls diskutiert. Die Literaturnobelpreisträgerin verschränkt heutige Dramen der vielen Schutzsuchenden mit Motiven aus Aischylos Tragödie über den fliehenden Danaos. Jelineks bitteres Resümee: Konsumgüter sind uns offensichtlich wichtiger als existenziell bedrohte Menschen.

Erstmals Gesangswettbewerb

Weitere Höhepunkte der Saison: Leos Janaceks letzte Oper "Aus einem Totenhaus" (Samstag, 12. März 2016) nach Dostojewskis autobiografisch geprägtem Roman von 1862 und das überaus heitere Cole-Porter-Musical "Kiss Me, Kate" am Samstag, 13. Februar 2016. Erstmals gibt es übrigens im Sommer 2016 einen Gesangswettbewerb "Die Meistersinger von Nürnberg", der zukünftig alle zwei Jahre ausgerichtet werden soll.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.staatstheater-nuernberg.de
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