Mozarts "Hochzeit des Figaro" an der Nürnberger Oper witzig und temporeich inszeniert
Hoch-Zeiten für Gesang, Kostüme,Humor

Figaro (Nicolai Karnolsky) und Susanna (Michaela Maria Mayer) schmieden in jeder Lage kluge Pläne, wie sie den Nachstellungen des Grafen aus dem Weg gehen können. Bild: Ludwig Olah
Kultur BY
Bayern
09.07.2015
7
0
Trotz minimalistischer Theater-Kulisse: Regisseurin Mariame Clément inszeniert Mozarts "Hochzeit des Figaro" an der Nürnberger Oper witzig und temporeich. Wer die Stadt von oben, also aus der Vogelperspektive betrachtet, sieht nur aufgemalte Straßen und mit Strichen angedeutete Häuser. Die Kamera fährt nach unten und zeigt die Einwohner von "Dogville", die Lars von Trier in seinem Spielfilm 2003 auf ungewöhnliche Weise in Szene setzt.

Regisseurin Mariame Clément nimmt die Idee einer minimalistischen Theaterkulisse für ihre Version von Mozarts "Hochzeit des Figaro" auf. Wenige Möbel deuten die Schauplätze an. Auf Mauern und Begrenzungen wird anfangs verzichtet. Zwischen aufgezeichneten Grundrissen hängt Susanna die Wäsche auf. Und Graf Almaviva? Er vernascht die attraktive Gärtnerstochter Barbarina.

Reges Gewusel

Die Zuschauer werden zu neugierigen Voyeuren in dieser witzigen und temporeichen Inszenierung, die in Nürnberg eine umjubelte Premiere feierte. Schon bei der Ouvertüre, zu den kräftigen Presto-Klängen der Blechbläser, herrscht reges Gewusel. An mehreren Stellen der Bühne sind Personengruppen zu sehen, die schattenartig ihren Besorgungen nachgehen. Ausstatterin Julia Hansen skizziert detailverliebt die passenden Rokoko-Möbel auf dem Boden und sorgt zudem für stilvolle und elegante Kostüme aus dieser Zeit. Im Zentrum steht an diesem Abend jedoch Mozarts Melodienreichtum, der die Handlungen auf der Bühne überhaupt erst zum Leuchten bringt. Peter Tilling verwandelt sein Orchester zum passenden Wegbegleiter in einer tonalen Gebirgslandschaft, die von den Sängern trittsicher durchwandert wird. Sie verlaufen sich allerdings nicht und sind dann - wie Harpe Kerkeling - "einfach mal weg", sondern stets stimmlich präsent. Jochen Kupfer als Graf, körperlich und baritonal von kraftvoller Statur; Hrachuhí Bassénz nicht nur als seine Gattin, sondern auch als Sopranistin eine höhengewandte Partnerin; Nicolai Karnolsky als bodenständiger Figaro und Michaela Maria Mayer mit glanzvollem Sopran - Klang und Gestaltung mutieren hier zu einem Gesamtkunstwerk.

Tragik und Komik

Mozarts Opera buffa in vier Akten, die 1786 uraufgeführt wurde, erzählt noch heute eine mitreißende Geschichte von Amor und seinen Intrigen, von Gefühlswallungen und Ernüchterung, bei der Tragik und Komik aufeinandertreffen. Aus einem "tollen Tag" rund um Figaros Hochzeit zaubern Mariame Clément und ihr Team einen knapp vierstündigen Abend mit einer Menge Hoch-Zeiten: einem gesangsstarken Ensemble, wunderschönen Kostümen, humorvollen Hinterlisten, erotisch-knisternden Verwicklungen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.