Musikalischer Orkan im Fels

Die barfüßigen Chiemsee-Musiker von La BrassBanda präsentierten sich am Dienstagabend auf der Luisenburg zwei Stunden lang als das "geilste Blech Deutschlands". Bild: Stiegler
Kultur BY
Bayern
09.07.2015
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Im Landkreis Wunsiedel tobte am Dienstagabend ein kräftiges Unwetter. Davon blieb auch die Luisenburg nicht verschont. Mit dem feinen Unterschied: Ehe Blitz und Donner regierten, hatte der LaBrassBanda-Orkan schon gewütet.

Professor Ludwig Hacker würde wohl seinen Augen und Ohren nicht trauen: Er, der vor 125 Jahren mit dem Stück "Die Losburg" den Grundstein für die heutigen Luisenburg-Festspiele gelegt hat. Es ist so viel anders als früher, was die neun Leute am Dienstagabend auf der Bühne im Felsen vor ausverkauftem Haus zum Besten geben.

Die Gruppe tobt sich aus und wird zwei Stunden lang der euphorischen Beschreibung des Intendanten Michael Lerchenberg gerecht - nämlich das "geilste Blech Deutschlands" zu sein.

LaBrassBanda sind da und verwandeln die Spielstätte von Klassikern wie "Faust", "Hamlet" oder "Die Räuber" in eine brodelnde und überschäumende Tanzfläche. Der Kenner mag vielleicht einwenden, dass dies doch wegen der Bestuhlung gar nicht möglich sei. Und doch ist es so: Bereits nach dem Auftaktstück stehen die Besucher, kaum jemand hält es noch auf den Plätzen. Es wird getanzt, geklatscht, gejubelt, mitgesungen. So viel Leben im Zuschauerraum hat es in den vergangenen 125 Jahren definitiv noch nie gegeben.

Kein Sitz-Konzert

LaBrassBanda-Auftritte sind keine Sitz-Konzerte, das waren sie nie und werden es auch nie werden. Frontmann Stefan Dettl erinnert daran, dass das letzte Sitz-Konzert wohl im Jahr 2009 war. Und mal ganz ehrlich: Wer kann bei diesem ekstatischen Musikmix aus Polka, Techno, Reggae, Rap, Punk und Landler wirklich auf dem Stuhl sitzenbleiben? Es wird ein schweißtreibender Abend, nicht nur wegen der Außentemperaturen. Die Luisenburg ist in Bewegung, Publikum und Musiker gleichermaßen.

Die Akteure auf der Bühne sind nicht zu bremsen, sie hüpfen, springen und tanzen als wären sie einem Lehrbuch für Derwische entsprungen. Bereits nach einer knappen halben Stunde wringt sich Stefan Dettl den Schweiß aus seinem klatschnassen T-Shirt. Seinen Kombattanten auf der Bühne geht es nicht recht viel besser. Überhaupt Dettl: Es ist schon beeindruckend, wie der Trompeter und Sänger es schafft, eine Verbindung zwischen Publikum und den barfüßigen Künstlern vom Chiemsee herzustellen. Zugegebenermaßen ein Kerl, der so richtig "migad" ist - und dessen Charme sich keine Generation widersetzen kann.

Klar, gelegentlich fragt man sich schon, was der da eigentlich genau singt und warum der nicht einmal zwischendrin auch Luft holt. Egal, die Sause nimmt immer mehr Fahrt auf: Trompeten, Posaunen und Tuba ergänzen sich perfekt zu Bass und Schlagzeug. Und immer wieder ist es der fast schon akrobatische Tanzstil, der wie eine Welle in den Zuschauerraum überschwappt.

Verfrühtes Ende

Zwei Stunden lang geben die neun Musikverrückten aus Oberbayern Vollgas, demonstrieren was eine Liveband ausmacht: Blechmusik-Wahnsinn auf höchstem Niveau und kein einziger Ton aus der Konserve. Höhepunkte des Abends sind natürlich die Hits "Autobahn" und "Nackert", nicht weniger begeistern auch die Neuinterpretationen von Klassikern der "Neuen Deutschen Welle" oder "I say captain". Die Unwetterwarnung am Dienstagabend bereitet dem Konzert schließlich nach zwei Stunden ein etwas verfrühtes Ende: Aber den furiosesten musikalischen Orkan in ihrer Geschichte hat die Luisenburg zu diesem Zeitpunkt schon hinter sich.
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