Musikkabarettist gewinnt Scharfrichterbeil

Der Musiker und Kabarettist Jo Strauss konnte den Wettbewerb des Kabarettpreises Scharfrichterbeil 2014 für sich entscheiden. Bild: dpa
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Bayern
05.12.2014
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Morbide Wienerlieder, Jazznummern und Rockhymnen. Mit dieser Mischung hat der Wiener Musikkabarettist Jo Strauss das Scharfrichterbeil 2014 gewonnen. Der Preisträger überzeugte die Jury und endlich auch wieder das Publikum.

Granteln, Wiener Schmäh, Deutsche Gründlichkeit und Problembär Bruno als berühmtester Flüchtling: Die Palette der sechs Bewerber um den renommierten Kabarettpreis Scharfrichterbeil in Passau war groß. Die Entscheidung fiel auf der Kleinkunstbühne Scharfrichterhaus erst in der Nacht zu Donnerstag: In die Fußstapfen von Hape Kerkeling, Urban Priol und Luise Kinseher tritt Jo Strauss. Der Wiener Musikkabarettist und Wahlberliner gewann den mit 1000 Euro dotierten Hauptpreis des Kabarettwettbewerbs Scharfrichterbeil. Der 32-Jährige überzeugte die Jury aus Mitarbeitern des Scharfrichterhauses und Medienvertretern sowie das Publikum mit einem Ausschnitt aus seinem Programm "Der ganze Dreck".

Publikum mit Jury einig

In seinen morbiden Wienerliedern, Jazznummern und Rockhymnen bringt Strauss Melancholie und Euphorie in Einklang mit Titeln wie "Es ist nicht zu ertragen", "Berlin ist besser als Wien" und "Wenn mir danach ist, steche ich zu". Dazwischen sinniert der studierte Philosoph mit Wiener Schmäh über Ernährungstheorien und "sozialphilosophische Kniffe a la Habermas" bei Diskussionen mit Politessen: "Vielleicht sind die so unfreundlich, weil sie in der Polizeischule immer Adorno lesen mussten". Seit fünf Jahren ist Jo Strauss, ehemaliger Tourbegleiter des Liedermachers Ludwig Hirsch, mit Band unterwegs, die erste CD ist im Frühjahr erschienen. Kritiker attestieren Strauss: "Tom Waits trifft Helmut Qualtinger trifft Ludwig Hirsch".



Anders als im Vorjahr, als der Preisträger des großen Beils, der Musikkabarettist Friedemann Weise, Buhrufe erntete, war das Publikum am späten Mittwochabend zufrieden mit der Juryentscheidung.

Das mittlere Beil ging in diesem Jahr an den deutsch-amerikanischen Comedian Vincent Pfäfflin. Der Langsamsprecher zeichnet sich am Mittwochabend durch besonderes Timing aus, seine Alltagserlebnisse mit hoher Pointendichte trägt er stoisch vor: "Die Spermien waren bei meiner Zeugung wohl bekifft." Der zunächst in den USA aufgewachsene, mit 13 Jahren nach Dresden übergesiedelte Stand-Up-Comedian berichtet vom entstandenen Kulturschock und ist verwundert über deutsche Gründlichkeit: "Ich habe einen Liebesbrief von einer Frau zurückbekommen, korrigiert".

70 Bewerbungen, 6 Finalisten

Gewinner des kleinen Beils 2014 ist der Berliner Lesebühnenautor Andreas "Spider" Krenzke. Der 43-Jährige überzeugte die Jury mit lesebühnenerprobten Kurzgeschichten, vorgetragen in einer Mischung aus Berliner Schnauze und pfiffigem Charme. Er berichtet von Nachbarn, die sich über Lärmbelästigung beschweren. "Statt Hilfe, Polizei, ruft man nun: Party! Dann holt sicher ein Nachbar sofort die Polizei."

Durchs Programm führt der Münchner Kabarettist Christian Springer, bekannt als grantelnder Kassenwart von Schloss Neuschwanstein "Fonsi" und Moderator des BR-Kabarettformats "Schlachthof". Aus rund 70 Bewerbungen hatte die Jury eine Vorauswahl von 6 Finalisten getroffen. Preis und Theater haben ihren Namen vom alten Scharfrichterhaus, welches von 1200 bis 1400 als Stadtgefängnis diente. Der Legende nach hat dort auch der Henker residiert. Heute geben die Wort-Scharfrichter in der Milchgasse 2 den Ton an, im Theater im historischen Kellergewölbe mit rund 100 Sitzplätzen.
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