Nicolai Sarafov
Kunst-Kalender für 2016 veröffentlicht

Das Februar-Blatt des Kalenders von Nicolai Sarafov. Bild: hfz
Kultur BY
Bayern
28.12.2015
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München. Nicolai Sarafov ist ein konsequenter Querdenker, der sarkastischen Wortwitz in Comics verpackt. Seine surrealistischen Grafik-Entwürfe komponiert er mit Fotocollagen. In diesen überrascht er mit Protagonisten, die er selbst mit spektakulären Gewändern und Gesten verkörpert.

Der Bulgare kultiviert mit seinen spleenigen Cartoons die Kunst des Nonsens; und wen wundert's: Sarafov hat einen neuen Typus von Philosoph erschaffen. Der ist absolut alltagstauglich und nennt sich Bagonalist.

"Das Gefühl fürs Absurde bekam ich in die Wiege gelegt", meint Sarafov, der als Sohn eines schriftstellerisch tätigen Architekten in Sofia aufwuchs: Genüsslich zieht der 71-Jährige an seiner Pfeife: "Mein Vater dachte sich in Bulgarien mit anderen Freunden eine Geheimsprache aus, um staatliche Spitzel auszutricksen. Diese Kindheitserfahrung hat meine spätere Arbeit als Autor und Zeichner mitbestimmt."

Karl Valentin als Vorbild


Für Sarafov zählt eine gehörige Prise Selbstironie zur Überlebensstrategie: "Zu meinen Vorbildern gehören der legendäre Clown Charly Rivel und der unsterbliche Münchner Komiker Karl Valentin. Deren Botschaft habe ich verinnerlicht: 'Wenn man sich selbst nicht so ernst nimmt, verliert Schweres an Gewicht.'"

Sarafov stammt aus einer bulgarischen Familie, die über Generationen die Kultur des Landes mitgeprägt hatte. Sein Großvater war Schauspieler, ein anderes Familienmitglied besetzte einen Ministerposten, "mein Vater saß im Gefängnis, und mein Onkel wie einige meiner Verwandten wurden als Widerstandskämpfer erschossen", sagt er mit bitterem Ton in Anspielung auf das einstige kommunistisch autoritäre System. Der bulgarische Lebenskünstler hat für seine Philosophie der "Unsinn-Forschung" eine Institution geschaffen, die auch immer wieder Anlass gibt für stadtbekannte Happenings. In einem Hinterhof der Münchener Görresstraße im einst berühmten Künstlerviertel Schwabing findet man den Zugang zu seinem Atelier, dem "Institut für Bagonalistik". Das feierte letztes Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Wenn das alljährliche Kalenderfest stattfindet, präsentiert der Hobby-Jazzer stets eine Live-Band.

Begehrte Sammlerstücke


Auch im Ruhestand ist Nicolai Sarafov weiter ein kreativer Tausendsassa. Seine großformatigen Kunstkalender - für 2016 steht sage und schreibe die 33. Edition an - sind begehrte Sammlerstücke. Mit dem im letzten Jahr erschienenen Buch "Aderlass Schwanensee" hat er zudem im Bereich Cartoons und Comics ein neues Genre geschaffen: Den sogenannten "Bago-Krimi". In der subtilen Grafik-Novelle taucht ein Detektiv namens Hercule Poirot auf neben einer Super-Queen und seinem neu geschaffenen Minotauros aus der griechischen Götterwelt.

Willkommen im Niemandsland des Nonsen. Hier herrscht noch eine Denkfreiheit, die grenzenlos erscheint. Dahinter steht Sarafovs Philosophie des Bagonalismus: Frei übersetzt bedeutet das so viel wie "kreatives Denken in verwinkelten Schachzügen". Nicolai Sarafov betont: "Ich will den Banalitäten des Alltags auf schelmisch-diabolische Weise den Garaus machen - und dabei darf herzlich gelacht werden."

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Nicolai Sarafov, geboren 1944 in Sofia, studierte in München an der Kunstakademie. In Würzburg hatte er eine Professur für Illustration und Gestaltung. Der Maler, Grafiker, Philosoph und Dichter bringt jedes Jahr einen großformatigen Kunstkalender heraus. Seine Bücher "Aderlass Schwanensee" und "Ursprung Besenrein" sind eine humoristische Lektüre voller satirischer Cartoons und fantasievoller Foto-Collagen. Kalender gibt es unter www.bago.net.
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