Night of the Proms 2015 in München
Geniale Musiker im Gleichklang

Zum großen Finale singen alle gemeinsam den Beach-Boys-Klassiker "Good Vibrations" (von links): Paul Humphreys, Andy McCluskey, Bruce Johnston, Johannes Oerding, Mike Love und Maria Mena.
Kultur BY
Bayern
15.12.2015
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München. Eigentlich verbindet sie auf den ersten Blick kaum etwas. Die Legenden des kalifornischen Surf-Sounds mit ihrer über 50-jährigen Bühnenerfahrung, die britischen New-Wave-Pioniere der 80er, den Liedermacher aus Münster, den puertoricanischen Star-Tenor und das norwegische Pop-Girlie. Die Macher der "Night of the Proms" haben aber genauer hingesehen. Mit viel Kreativität führten sie die Beach Boys, OMD, Johannes Oerding, Fernando Varela und Maria Mena zusammen - zu drei perfekten Abenden in München, an denen alles ineinander griff.

Alle Gefühlsfacetten


Bombastisch, entspannt, elektrisierend und bewegend - eingebettet in den ätherischen Gesang des Mädchen-Indie-Chors Scala und der orchestralen Kraft von "Il Novecento" um Dirigent Robert Groslot lassen die Bands und Solisten bei der Premiere am Freitag keine stilistische Variation aus. "Konventionell" vorgetragene Hits wie "Just Hold Me" von Sonnenschein Maria Mena, Scalas U2-Cover "With or Without You" oder "Traurig, aber wahr" von Johannes Oerding reißen zudem mit.

Abräumer des Abends sind aber "Orchestral Manoeuvres in the Dark" - kurz OMD. Die Synthie-Popper Andy McCluskey und Paul Humphreys haben mit "Maid of Orelans" und "Sailing on the Seven Seas" jene ihrer Songs ausgewählt, die danach schreien, orchestral transkribiert zu werden. Eine perfekte Melange. Die elektronischen Instrumente decken dabei nicht - wie bei vergleichbaren Unplugged-Projekten - die Streicher und Bläsersektion zu, sondern verschmelzen zu einem detailreichen Klang, der mit Andy McCluskeys charismatischer Stimme harmoniert.

Trotz aller Experimente kommt der rein klassische Teil nicht zu kurz. Tschaikowskis bombastische Ouvertüre "1812" und der "Blumenwalzer", der die Gäste beim traditionellen Tänzchen ob der Tempo-Wechsel vor Herausforderungen stellt, begeistern.

Fernando Varela ist als Solist des Abends das Bindeglied zwischen Rock und Klassik. Der Star-Tenor, der auch gerne mal Ausflüge in andere Genres unternimmt, sorgt mit dem gigantischen "All'alba vincerò!" am Ende der Turandot-Arie "Nessun Dorma" für den Augenblick des Abends. Dessen letzter Teil gehört ganz den Beach Boys. Auch ohne Brian Wilson - und mit leichter technischer Unterstützung - treffen die Veteranen bei Jung und Alt den richtigen Ton. Bei "Barbara Ann" und "Surfing USA" bebt die Halle. Auch als zum Finale alle Sänger und Musiker die "Good Vibrations" feiern.

Miles macht auf Miley


Wie weit der Crossover-Gedanke gehen kann, verdeutlicht John Miles mit seiner geerdeten Version von "Wrecking Ball" - im Original von Pop-Prinzessin Miley Cyrus, die es im Video nackt auf einer Abrissbirne singt. Dies erspart Miles den Zuschauern in der Olympiahalle. Wie immer setzt die "Proms"-Legende aber mit "Music", der Hymne des Events, das bejubelte Ausrufezeichen. Mit dem Song über die Liebe zur Musik - jenes Element, das all die so unterschiedlichen Künstler an den Abenden in München vereinte.
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Karl-Heinz Gleißner aus Mitterteich | 15.12.2015 | 14:46  
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