Night of the Proms: Zucchero, John Miles und Katie Melua begeistern 9000 Fans in der Münchener ...
Klassischer Pop trifft poppige Klassik

Zucchero, Italiens souligster Export, zeigt bei der Night of the Proms in München seine musikalische Vielseitigkeit.
Kultur BY
Bayern
08.12.2014
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Newcomer Madeline Juno. Bilder: Tobias Schwarzmeier

Weder Fisch noch Fleisch oder das Beste aus beiden Welten: Musikalischer Crossover klingt oftmals als Idee auf dem Papier besser als später im Konzertsaal. Das gilt selbst bei Musikrichtungen wie Pop und Klassik, die von Natur aus viele Berührungspunkte haben. Dennoch schaffen nur wenige Produktionen einen stimmigen stilistischen Spagat - Night of the Proms ist eine davon.

Seit mittlerweile 21 Jahren hat die Emmy-gekrönte Konzertreihe ein Händchen in der Auswahl der Protagonisten und der Zusammenstellung der Titel. Auch wenn in diesem Jahr trotz starker Acts wie Zucchero, Katie Melua, John Miles, Marlon Roudette und der Nachwuchshoffnung Madeline Juno - ein prägender Künstler fehlt, der dem Abend in der Olympiahalle seinen Stempel aufdrückt, stimmt die Mischung.

Roudettes Mega-Hit "When The Beat Drops Out" reißt das Publikum ebenso mit wie John Miles' unvergleichliche Hymne "Music". Das britische Urgestein bekommt für seine Version von Queens "Bohemian Rhapsody" - ein Wunsch der Fans bei einer Online-Abstimmung - einen Extra-Applaus. Auch Katie Meluas glasklare Stimme scheint für die Proms gemacht - die Singer-Songwriterin entschleunigt und glättet Balladen wie "Closest Thing to Crazy", die durch die Streicherbegleitung wunderbar sphärisch klingen.


Zucchero teuflisch

Dagegen hat Zuccheros Liebesleid-Song "Senza Una Donna" (bekannt als getragene Version mit Paul Young) hart zu kämpfen, um nicht von der Orchesterwucht erschlagen zu werden. Der bärbeißige Italo-Barde mit der rauen Soulstimme aber umschifft diese Klippe und punktet zudem mit Krachern wie "Diavolo In Me".

Es ist ein homogenes Geben und Nehmen. Sicher, angesichts der Dominanz der Pop-Sänger scheint es, als wäre es die Klassik, die letztendlich die Zugeständnisse machen muss. Doch auch wenn deren Fans am Freitag unter den 9000 Zuschauern klar in der Minderheit sind, dient das Orchester "Il Novecento" und der belgische Ausnahme-Chor "Fine Fleur" nicht nur als auskleidender Rahmen für Unplugged-Varianten der Pop-Hits. Unter der Leitung von Robert Groslot bringen die Musiker aus 20 Ländern die Halle mit Dvoráks schmissigen "Slawischen Tanz No. 1" auf Betriebstemperatur, bezaubern mit schönen Tempi-Wechseln bei Verdis "Il Trovatore" und glänzen bei Orffs faszinierenden "Carmina Burana" mit perfekt-bombastischen Zusammenspiel.

Tango aus Lettland

Endgültig rund wird das knapp dreistündige Konzerts durch Ksenija Sidorova. Die extravagante, lettische Akkordeon-Virtuosin - ein Popstar der Klassik-Szene - entpuppt sich als verbindendes Element. Bei rhythmisch fordernden "Libertango" von Tango-Legende Astor Piazzolla noch als Solistin veredelt sie mit einem Zwischenspiel Meluas "Nine Million Bicycles" und gibt auch der Zugabe "Let It Be" eine besondere Note.

Doch nicht das gemeinsame Finale wird zur ultimativen Melange von Klassik und Pop, sondern ein rührendes Duett. Mit dem emotionalen "Miserere", in dem Zucchero Gesangs-Passagen des 2007 verstorbenen Tenors Luciano Pavarotti einfließen lässt, gelingt der viel beklatschte, interdisziplinäre Brückenschlag.

Offizielle Seite von Night of the Proms:
www.notp.com/deutschland/
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