Ohne Netz und doppelten Boden

Nicola Elze hängt gern in den Seilen. Die Verbiegekünstlerin (Kontorsionistin) bevorzugt Auftritte an äußerst ungewöhnlichen Orten. Dies stellte sie zuletzt bei der 16. Blauen Nacht in Nürnberg eindrucksvoll unter Beweis. Bild: Greess
Kultur BY
Bayern
06.05.2015
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Liegt es an ihrer biegsamen Geschmeidigkeit, die die Schwerkraft zu überwinden scheint? Oder sind es ihre spektakulär kuriosen Verrenkungen? Verbiegekünstlerin (Kontorsionistin) lautet die sperrige Berufsbezeichnung für dieses außergewöhnliche Talent. Von diesem bekam Nicola Elze ein wundersames Übermaß in die Wiege gelegt.

Diese Artistin ist einer anderen Welt entsprungen: mit feenhaften Tanzfiguren und federleichter Akrobatik zieht Nicola Elze ihr Publikum in den Bann. Bei der 16. Blauen Nacht in Nürnberg am Samstag zeigte die international tourende Tänzerin ihre Improvisationsshow. Mit der verwandelte sie das nüchterne Straßenbahn-Depot der Franken-Metropole in einen magischen Ort: Passend zum Anlass des renommierten Kunst- und Musik-Events in der historischen Altstadt, das seit dem Millennium als Fest für alle Sinne gefeiert wird. Dieses Jahr stand es aus gewichtigen historischen Anlässen wie dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren unter dem Motto "Freiheit".

Nostalgie-Wagen

Wer hat nicht mal davon geträumt, während der Routine-Fahrt in einer stets auf Ordnung bedachten Tram eine atemberaubende Künstler-Show zu erleben? Nicola Elze macht's möglich im Oldie-Straßenbahn-Waggon aus nostalgischen Zeiten. Auf quietschweichen Bänken, metallenen Ablagen und mittels Halte-Hängegriffen verrenkt sie sich mit Posen, die aus dem Repertoire eines Traum-Zirkus gegriffen scheinen.

"Vor einer ähnlichen Herausforderung stand ich bei einem Auftritt in einer Achterbahn. Da musste ich mich mit viel List aus einem engen Schalensitz winden", verrät Elze vorab: "Mir gefällt es, in außergewöhnlichem Ambiente gewagte neue Figuren zu erfinden und diese mit spontanen Reaktionen des Publikums zu verbinden." Ihre große Passion gehört der fantastischen Choreographie. Die inszeniert die Münchnerin im Bereich des "Cirque Nouveau". Darunter versteht die Begründerin von Danza Furiosa eine surrealistische Belebung des alten Zirkus-Gedankens, inszeniert in Form von Theater, aber auch Oper: "Mein Schlüsselerlebnis war der Auftritt mit der katalanischen Truppe Fura del Baus bei einer großen Open-Air-Inszenierung vor 10 000 Zuschauern".

Neben Solo-Auftritten quer durch Deutschland, aber auch internationalen Tourneen von Monaco bis hin zu Events auf Karibik-Kreuzfahrten, tritt Elze ebenfalls mit ihrer eigenen Luftartistik-Truppe, der "Danza Furiosa Company" auf. Diese steht für außergewöhnliche Akrobatik-Nummern, natürlich von der Münchner Tänzerin selbst choreographiert: "Eclair en l'Air" - "Erleuchtung in der Luft" - heißt das fantastische Programm, mit dem Elze und ihr Elfen-Tanzcorps im Münchner Künstlerhaus beim alljährlichen Karneval-Kostümball ein verwöhntes Publikum verzaubert: Schon mal Artistinnen erlebt, die einen historischen Kronleuchter mit raffinierter Tuch-Akrobatik erklimmen und in einer Magie der Lichter wie Feen der Lüfte umschwirren? Musik ist für die Artistin ein unabdingbares Element ihrer Arbeit. "Meine Bandbreite reicht von der Pink-Floyd-Coverband beim Live-Auftritt und der renommierten Quadro-Nuevo-Band bis hin zum Philharmonischen Orchester."

Perfektes Ambiente

Elze ist bei der Bayerischen Staatsoper als Künstlerin engagiert und öfter zu Gast beim schicken Nürnberger Club Indabahn: "Dort ist eine wunderschöne Freitreppe, die schafft ein perfektes Ambiente für meine Luftnummern." Die Tänzerin, die sich bereits in Kindheitsträumen ein Leben als Artistin im Zirkuswagen ausmalte, schäumte im Nürnberger Straßenbahn-Waggon nostalgischer Zeiten vor Inspirationslust - und zeigte ihre spektakuläre Gelenkigkeit wieder mal von einer ganz neuen Seite.
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