Passion in Klassisch und Modern

Kultur BY
Bayern
07.04.2015
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Sie ist das zentrale verbindende Element zwischen zwei konträren Werken der Kirchenmusikgeschichte, die auf den ersten Blick gar nicht so recht zusammenzupassen scheinen: die Passion Jesu Christi, sein Leiden am Kreuz und sein Tod für die Menschen.

Auf der einen Seite das bekannte und oft gespielte Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart, auf der anderen der Mittelteil des Auftragswerkes "Sancta Trinita" von Enjott Schneider zum Festjahr "400 Jahre Evangelische Stadtkirche Heilige Dreifaltigkeit" in Bayreuth - spannender könnte der Auftakt zum 21. Bayreuther Osterfestival kaum sein.

Einiges abverlangt

Zudem sind es Werke, die sowohl der Stadtkantorei unter der Leitung von Dekanatskantor Michael Dorn und der Erzgebirgischen Philharmonie Aue als auch den Solisten Marie-Sophie Pollak (Sopran), Renate Kaschmieder (Mezzosopran), Michael Kranebitter (Tenor) und Fritz Feilhaber (Bariton) so einiges abverlangten. Das Ergebnis indes war zwiespältig. Enjott Schneiders Oratoriumsteil "Christus - Mensch und Bruder" beginnt mit dissonanten, ja aufwühlenden Klängen im Orchester, verbunden mit einer ausgedehnten Vokalise in den Frauenstimmen, ehe alles in die zweite Strophe von Martin Luthers Lied "Wir glauben all an einen Gott" mündet.

Im Mittelpunkt des durchgängig in moderner Harmonik gehaltenen Oratoriums stehen schließlich Jesu Worte am Kreuz aus Psalm 22: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Am Ende gipfelt alles in einer Vertonung des Gedichtes "Menschen gehen zu Gott" von Dietrich Bonhoeffer, die schon einmal den rhythmischen Gestus des wunderbaren "Lacrimosa" aus dem Mozartrequiem vorwegnimmt.

Der Chor präsentierte sich von Anfang an in guter Verfassung, ebenso wie Pollak und Feilhaber. Schade, dass vom Text aufgrund des zu laut agierenden Orchesters nur wenig zu verstehen war. Dies trat schließlich in Mozarts Requiem umso mehr zutage, was in diesem Fall nicht nur dem Orchester, sondern gerade auch einer mangelnden Strukturierung und den teils sehr schnellen Tempi geschuldet war.

Was heraus kam, glich allzu häufig einem musikalischen Klangteppich mit wenig Emotionalität und dynamischer Spannung. Auch Tenor Kranebitter blieb durch intonatorische Unsicherheiten und merkwürdige Farblosigkeit hinter seinen Möglichkeiten stellenweise stark zurück. Eine gute Partie indes gab Renate Kaschmieder mit ihrem warmen und markanten Mezzosopran ab.

Was am Ende bleibt ist die Erinnerung an einen schönen Ausklang der Passionszeit mit zwei beeindruckenden Werken - auch wenn nicht alles ganz gelungen war.
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