Peter Kuschel eröffnet Ausstellung
Falschspieler, Trickser und Papierfrauen

Peter Kuschels Werk "Das Nest" scheint ein endloses zu sein: Jedes Jahr ergänzt er das Bild.
Kultur BY
Bayern
21.06.2016
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Kuschels Hutträger verschwindet einfach von der Leinwand - zumindest sieht es so aus. Bild: Högl (2)

"Peter Kuschels Brotberuf ist die Bildhauerei" - so beschreibt der Freund des Künstlers, Helmut Rösel, bei der Ausstellung "MenschenBilder" das künstlerische Schaffen Kuschels. Die Malerei ist seine stille Liebe, der er sich zur rechten Zeit widmete.

Theuern. Und die ist nun bei einer Vernissage im Großen Saal des Kultur-Schlosses Theuern zu bewundern. Zum Auditorium gehören Ehefrau Kazuka und Tochter Miho, Mandatsträger aus Stadt und Land sowie viele Sulzbacher. Die Grundausbildung für seine Leidenschaft, so blickt Helmut Rösel in den künstlerischen Lebenslauf seines Freundes (Jahrgang 1940) zurück, hat er sich während seines Bildhauerstudiums zugelegt. Ansonsten ist er als Maler ohnehin ein Autodidakt, der über Versuch und Irrtum sich seine Wege und Möglichkeiten der Darstellung erschließt und nur so zu dem wurde, was er in späten Jahren ist.

Durchdachte Kunst


Die Figürlichkeit seiner plastischen Arbeiten hat er auch in seiner Malerei übernommen: In der Ausstellung sind meist großformatige Menschenbilder in Öl und Acryl auf Leinwand zu sehen. Sie sind in Komposition und Farbe durchdacht und geplant, entstehend nach klassischem Aufbau in Skizzen und Bild-Studien. Vor einfarbigen, manchmal auch farbig dreigeteilten Hintergründen, befinden sich formatfüllende Personen im Ganz- oder Halbbild, in detailierter und räumlicher Darstellung gemalt.

"Zum Teil ergänzen zahlreiche Attribute in akribischer Ausführung das Bild und tragen zu dessen Inhalt und Entschlüsselung wesentlich bei", erklärt Rösel. Und, so ist er sich wohl sicher: "Die Arbeiten entspringen einem schöpferischen, kreativ-sprudelnden Geist, sind geprägt von Kuschels exakter Beobachtungsgabe, stehen maltechnisch auf hohem Niveau, sind phantasievoll, nachdenklich und teilweise hintergründig." Wohl war - jedenfalls hat das geneigte Publikum reichlich und trefflich Gelegenheit, über die Werke zu diskutieren.

Von Noblesse bis Schlitzohrigkeit, von frivol bis schockierend, von gesellschaftskritisch bis hintergründig - die Spannweite und Ausstrahlung der Bilder ist groß und vielfältig. Kuschel ist ein genauer Beobachter seiner Zeit, er zieht das Wesentliche heraus, speichert es, um es in einem Bild als Zitat oder Subjekt zu verwenden. Da ist zum Beispiel ein wunderschönes Bild seiner Tochter in einem Kimono, oder die gesellschaftskritischen Arbeiten "Papierfrau und Schachtelmann" und "Tütenfrau".

Neue Wirklichkeit


Und dann ist da das großformatige Werk "Das Nest" ausgestellt, an dem Kuschel jedes Jahr Ergänzungen vornimmt. Zu sehen ist "Der Lustreisende", dem die Lust ins Gesicht geschrieben steht und eine Reminiszenz an die Bordellreisen der VW-und Ergo-Manager vor einigen Jahren ist. Da ist ebenso großformatig "Judith und Holifernes" zu sehen - leicht lächelnd und offenbar lustvoll schneidet sie Holifernes den Hals durch. Es werden in seinen Arbeiten Kafka und Max Reger zitiert ("Der Künstler und das Schwein werden erst nach ihrem Tode geschätzt"). Es ist ein Spaziergang durch den Ausstellungsraum, der schmunzeln lässt und nachdenklich macht, nie langweilig wird und die Neugierde auf das nächste Bild weckt. "Kuschels Bilder spiegeln die Realität wider, erschaffen neue Wirklichkeiten, wecken Erinnerungen an Vergangenes und Gegenwärtiges in schnörkelloser Sachlichkeit und lenken den Blick auch auf jene, die am Rande der Gesellschaft stehen", bilanzierte Helmut Rösel.

Falschspieler, Trickser, Papierfrau und Schachtelmann - das gibt es auch bei uns. Kuschel thematisiert das Nicht-Alltägliche, das Groteske und Versteckte, das Skurrile und Morbide: "In seinen Bildern sind Wissen, Phantasie und Kreativität vereint mit handwerklichem Können, sicherer Komposition und der Fähigkeit, sowohl zu vereinfachen, zu abstrahieren, als auch naturgetreu das Subjekt auf Leinwand oder Papier zu bringen", beschreibt Rösel die Werke.

Kurzum: Kuschel macht Kunst. Kuschel selbst ist kein Lauter, schon gar kein Vorlauter, er lässt die Wertschätzungen durch Museumsleiter Michel Ritz und Laudator Helmut Rösel gelassen über sich ergehen. "Vielen Dank", war sein einziger Kommentar.
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