Pilsener Philharmonie und Großer Marktredwitzer Chor interpretieren Paulus-Oratorium in ...
Musikalische Umwandlung voller Dramatik

Kultur BY
Bayern
30.06.2015
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Dass Saulus zu Paulus wurde, weiß man. Wie diese Umwandlung genau ablief, kann man in der Bibel, in der Apostelgeschichte, Kapitel 9, nachlesen. Wie man einen solchen Handlungsablauf in Chören, Arien und Duetten darstellen kann, das zeigt "Paulus. Oratorium nach Worten der heiligen Schrift" op 36 von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Beim "XXIV. Festival Mitte Europa" führen dieses Werk nun in der sehr gut gefüllten Kirche St. Bartholomäus Solisten, der Große Marktredwitzer Chor sowie der Pilsener Philharmonie auf.

Dass das tschechische Orchester und der oberfränkische Chor sich zusammen dem ersten der beiden berühmten Oratorien des Komponisten widmen, entspricht der Idee des Festivals. Die Ouvertüre enthält Motive des Chorals "Wachet auf, ruft uns die Stimme", was man als Motto für den gesamten folgenden Inhalt werten kann. Im ersten Chor wird stimmgewaltig auf Gottes Macht hingewiesen, die verbreitet werden soll.

Sinneswandel

Als Kontrast dient der nächste Chor, der um Gottes Gnade bei dieser Tätigkeit bittet. Es folgt die Geschichte des Stephanus, der wegen seines Einsatzes für Christus von seinen Gegnern gesteinigt wird. Dieses dramatische Geschehen bewirkt bei Saulus, einem der Verfolger des Stephanus, einen allmählichen Sinneswandel, der durch die nächtliche Begegnung mit einer Erscheinung Christi und einer folgenden Begegnung mit Ananias gefestigt wird. Die Verteidigungsrede des Stephanus, in faszinierender Ruhe vorgetragen, und der wütende Chor, der zur Steinigung aufruft, bilden dramatische Höhepunkte des musikalischen Geschehens. Kontrastreich dazu die Schilderung, wie "er entschlief", und die Chöre, die darauf hinweisen, "ob der Leib stirbt, doch wird die Seele leben."

Dem Dirigenten Michael Grünwald gelingt es, die musikalische Aussage so zu lenken, dass sie den Sinn der Wörter verfestigt. Die Wandlung des Verfolgers Saulus zum Nachfolger Paulus bildet den Inhalt der nächsten Musiknummern, seine Reue "Gott sei mir gnädig" gipfelt in der Aussage "Ich danke dir, Herr, mein Gott".

Gefährliche Feinde

Der zweite Teil des Oratoriums befasst sich mit der neuen Tätigkeit des Paulus als einem, der kompromisslos für Christus eintritt, auch wenn er sich damit Feinde schafft, die ihn töten wollen. Die Gegner singen im Chor "Weg mit ihm" und der Choral meint dazu "erleuchte, die da sind verblendet". Sogar ein Solocello unterstützt in einer Cavatina die Aussage "sie alle verfolgten Paulus, aber der Herr stand ihm bei". Am Schluss tritt der Chor als Stimme der Christenheit auf und jubelt "Lobe den Herrn, meine Seele". Eine dramatische Geschichte, die gut ausgeht, für Paulus und die gesamte Christenheit. Das musikalisch darzustellen, ist eine große wie großartige Aufgabe, der sich die Mitwirkenden in nie nachlassendem Engagement widmen, seien es die aufmerksam gemäß den Anweisungen des Dirigenten Michael Grünwald spielenden Musiker der Pilsener Philharmonie oder die immer tonrein singenden Mitglieder des Großen Marktredwitzer Chores. Ein Sonderlob haben sich die Solisten verdient. Susanne Geb, Sopran, Adelheid Lang, Alt, Erwin Feith, Tenor und Markus Simon, Bass gestalten stets überzeugend die von ihnen gesanglich vorgebrachten Aussagen. Das Oratorium klingt heute noch großartig: Wie revolutionär muss dieses Stück damals gewesen sein.
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