Porzellan nicht nur für die Tafel

Unterrock erwünscht: Das Kleid aus gefärbten Porzellanstücken für sehr besondere Anlässe ist von Beate Pfefferkorn. Zwar wurde die Künstlerin nicht mit dem begehrten Perron-Preis ausgezeichnet, ihr Kleid findet aber trotzdem Platz in der Sonderausstellung des Porzellanikons. Das Museum zeigt die Werke der 51 Künstler, die sich für den Kunstpreis beworben hatten. Bild: Kempf
Kultur BY
Bayern
18.12.2014
29
0

Es empfiehlt sich, das Kleid mit Bedacht anzuziehen. Mit einem dezenten Unterkleid. Ansonsten würde mehr gezeigt, als der Trägerin lieb sein dürfte. Auch ist vom Hinsetzen abzuraten, es sei denn, man möchte zahlreiche Abdrücke auf der Rückenfront. Ein Kleid, das Gefahren in sich birgt.

Designerin des (hoffentlich) nicht ganz ernst gemeinten Kleides ist Beate Pfefferkorn. Sie färbte kleine Porzellanteile teilweise ein, brannte sie bei 1260 Grad, montierte die erkalteten Porzellanstücke mit Stahlseilen zu einem "Kleid" in Konfektionsgröße 38. Wozu das Ganze? Das Kleid ist eine von 132 eingereichten Arbeiten von 51 Künstlern zum "Perron-Kunstpreis", den die Stadt Frankenthal seit 1981 im Abstand von zwei Jahren im Wechsel für Grafik, Malerei und Plastik verleiht.

Papier und Porzellan

57 Arbeiten von 21 Künstlern wurden von einer Jury ausgewählt und werden jetzt als Ausstellung bis 25. Januar im Porzellanikon in Selb gezeigt. Der Kunstpreis ist mit 7500 Euro dotiert und derzeit der einzige Wettbewerb in Deutschland, der sich dem Porzellan widmet. Der erste Preis ging an die Heilbronnerin Martina Sigmund-Servetti. Ihr gelingt es mit ihren Arbeiten, die charakteristischen Gegensätze des Porzellans eindrucksvoll zu zeigen. Kühles Material einerseits, organisch inspirierte Gestaltung andererseits. Ihre Objekte können durch eine klare Form für sich alleine stehen, sie unterstreicht die Funktion.

Die beiden Förderpreise gingen an Linda Prüfer und Néla Trésková. Beide absolvierten die Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle. Linda Prüfer fertigte eine experimentelle Studie zu durchbrochenen Oberflächen in Porzellan, Néla Trésková beschäftigte sich mit der Wechselbeziehung zwischen Papier und Porzellan. "Die Ausstellung zeigt überraschende Stücke, die die Kreativität wie auch das technische Können der Teilnehmer zeigen", erklärt Kuratorin Petra Werner. Sabine Reichel-Fröhlich, Pressearbeit und Marketing im Porzellanikon, ergänzt: "Die Stücke sind wunderschön. Man möchte direkt auf Einkaufstour gehen."

Die gezeigten Objekte würden sich wohl in vielen Vitrinen oder Präsentation gut machen. Lassen sie doch der Fantasie freien Raum, beeindrucken neben der Idee und der anspruchsvollen Technik auch durch den Appell an die Vorstellungskraft des Betrachters. Überrascht steht man den großen, handgebauten Schalen "Orto Botanico" und "Koralle" aus Porzellan von Heide Nonnenmacher gegenüber. Die runden, klassischen Schalen wirken kuschelig, zarte Fältelungen füllen sie, die im Luftzug zu wehen scheinen. Filigrane, zerbrechlich scheinende und doch stabile Porzellane schafft Silke Decker. Ihr "Kordelporzellan", bei dem Wollfäden in Gips getaucht werden, spricht eine strenge Formensprache. "Die Funktion der Schale als Obstbehälter wird reduziert, gleichzeitig steigt aber ihr ästhetischer Wert als Objekt", erklärt Petra Werner.

Sind es "Bilder" oder Porzellanobjekte, die Eleonore Fischer gestaltete? Für ihre Serie "Zerbrechliche Landschaften" färbte sie Porzellan mit Oxiden und Farbkörpern ein, brannte es oxidierend bei 1270 Grad, montierte es auf einer weißen Stahltafel. Irritierend der dreidimensionale Eindruck, die Objekte lassen den Betrachter kaum mehr los. Silke Decker tauchte für ihre "Doppelwand-Schale" Wollfäden in Bone China Gießporzellan, legte sie zu Geflechten aus. Im Ofen verbrannten die Fäden und hinterließen das reine Porzellan. Die Struktur der Kordel blieb erhalten. Angriffslustig das "Wandweib" von Katharina Betzbach. Sie modellierte Porzellan zu einer üppigen Amazone, unterzog es einem reduzierten Gasbrand.

Werkstoff mit Zukunft

Porzellanikon-Direktor Wilhelm Simen sagt zum Kunstpreis und zur Ausstellung: "Ich bin der Meinung, sie setzt Zeichen, was die Behandlung des Themas Porzellan durch junge Kreative betrifft, Zeichen aber auch, wenn es darum geht, über die zukünftige Ausrichtung des Porzellanikons zu philosophieren ... Der Werkstoff hat in vielen Facetten eine Zukunft."

___

Die Ausstellung ist bis 25. Januar im Porzellanikon (Hohenberg an der Eger/Selb, Werner Schürer-Platz 1) zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr. An Feiertagen, 10 bis 17 Uhr (außer 24. und 31. Dezember).

___

Weitere Informationen im Internet:

http://www.porzellanikon.org
Weitere Beiträge zu den Themen: Selb (261)Dezember 2014 (1863)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.