Premiere der Komödie "Was ihr wollt" am Theater Hof
Wunderbar närrischer Liebeswahn

Die als Cesario verkleidete Viola (Marina Schmitz, Mitte) wird in einem seltsamen Liebes-Dreieck zwischen Olivia (Polina Bachmann) und Orsino (Jörn Bregenzer) hin- und hergerissen. Bilder: H. Dietz Fotografie
Kultur BY
Bayern
20.05.2016
220
0
 
Der stocksteife Malvolio (Dominique Bals, von rechts) wird in der Komödie „Was ihr wollt“ am Theater Hof durch das Ränkespiel des Narren (Marco Stickel), Sir Tobys (Ralf Hocke) und Sir Andrews (Oliver Hildebrandt) zum verliebten Gockel. Doch die Ernüchterung folgt bald. Bild: H. Dietz Fotografie

Das soll Liebe sein? Der eine ist in das Verliebtsein selbst verliebt. Die andere in eine sehnsuchtsvolle Wunschvorstellung. Der nächste in die Macht einer clever arrangierten Ehe. Eine weitere liebt hoffnungslos. Und der Rest liebt es, Intrigen zu spinnen und kräftig zu feiern.

Als die Geschwister Viola und Sebastian nach einem Schiffbruch getrennt an die Küste Illyriens gespült werden, geraten sie in einen skurrilen Liebesreigen. Herzog Orsino liebt Gräfin Olivia, an der auch ihr knochentrockener Butler Malvolio (Dominique Bals) und der ungeschickte Sir Andrew (Oliver Hildebrandt) Interesse haben. Die aber will von allen dreien nichts wissen. Die "Blutauffrischung" der festgefahrenen monochrom-pastellgrünen Insel-Gesellschaft durch die Schiffbrüchigen macht die allgemeine Gefühlslage noch verworrener.

Sprachlich variabel


Die Inszenierung der Komödie "Was ihr wollt" am Theater Hof, die nun Premiere hatte, ist sicher nichts für Shakespeare-Puristen. Katharina Ramser bricht in ihrer flotten Bearbeitung die klassische elisabethanische Sprache auf, wo es nur geht. Mit Ausnahme eines störenden "Denglisch"-Dialogs gelingt das glänzend.

In entscheidenden Passagen bleibt das Stück aber nahe am Original, wie bei Orsinos schwelgerischem Liebesleid-Klagen "Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist, spielt weiter! Gebt mir volles Maß, dass so die übersatte Lust erkrank' und sterbe." Damit - und mit dem immer wieder eingestreuten Meat-Loaf-Song "I'd Do Anything for Love" - ist alles über den Ansatz der Inszenierung gesagt. Die Regisseurin konzentriert sich auf die Flatterhaftigkeit der Verliebtheit. Handlung, Hintergründe und tiefergehende Gefühle glättet und reduziert Ramser konsequent und spitzt die Figuren passend zu. Dadurch wird der Plot federleicht.

Mit Liebe zum Detail kabbeln sich die Charaktere mit viel Wortwitz und liefern köstliche Slapstick-Momente - allen voran die Party-Truppe von Olivias Onkel Sir Toby (urkomisch: Ralf Hocke). Als Indianerhäuptling, Ballerina und Ritter passend gekleidet, sorgen die Kindsköpfe mit ihren Streichen für Verwirrung. Doch nicht alle Figuren verlieren im Tunnelblick des Liebeswirbels (treffend symbolisiert durch die variablen Kulissen Michael Böhlers) den Kopf.

Viola - als Mann verkleidet - tritt in Orsinos Dienst und wird zu seinem Liebesboten. Das Problem: Olivia (Polina Bachmann mit einer heißblütigen Performance) verliebt sich in diesen "Cesario", während Viola ihrerseits für ihren Herrn schwärmt. Im Chaos den Durchblick zu behalten, wird nicht einfacher, da auch der herrlich sarkastische Narr Feste seine Strippen zieht. Als Violas Zwillingsbruder (Florian Bänsch) eintrifft, eskaliert die Situation vollends.

>

Schmitz und Stickel stark


Das frische Spiel von Martina Schmitz als Viola sorgt für viel Schwung, während Marco Stickel seinen Narren als moderne Version in der Tradition der Verfilmung mit Ben Kingsley anlegt. In einem starken Ensemble trägt er als verbindendes Element die Handlung.

Während die Töpfe an einem gelungenen Theaterabend - nach viel verströmten Dampf - schließlich ihre Deckel finden, bleibt zu hoffen, dass aus dem Verliebtsein echte Liebe wird. Ein kleiner Kunstgriff schließt den Kreis, als das - auf den letzten Augenblick hinausgezögerte - Wiedersehen der Geschwister in die Szene übergeht, in der sie sich beim Schiffbruch aus den Augen verlieren. Alles zurück auf Anfang: Der Liebesreigen könnte von Neuem beginnen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.